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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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herrschen, da hat die Vernunft keine Stimme mehr und selbst die Lehren der Ge-schichte sind für solche Menschen verloren. So ging es auch hier. Anfangs April,als sich die Unterhandlungen zerschlagen hatten, versammelte sich zu Wallenstadt,Wesen und Schämis ein für damalige Zeit großes Heer, das einige auf 12000,andere auf 15000 Mann an Reisigen und Fußknechten angaben. Da kamen GrafDonat von Toggenburg, Gr. Walraff von Thierstein, die Freih. Peter von Thor-berg, Östreich. Vogt, Ulrich von Sar, der Herr von Rappoltstein aus dem Elsaß,Hans von Klingenberg, Landvogt im Höhgau mit vielen vorn Adel zusammen, ihnenzogen die Bürger der Östreich. Städte Schaffhausen, Villingen, Radolfszell, Stein,Winterthur, Rapperswil, Feldkirch, Bregenz und anderer Orte mit ihren Bannernzu. Ihr oberste» Feldhauptmann war Gr. Hans von Werdenberg. Voll Hoff-nung auf einen gewissen Sieg, auf Rache, Ruhm und Beute, ohne alle Ahndungeiner Niederlage, zog daS vereinigte Heer den 9. April 1388 vor Tag von Wesenaus und dem Gebirge zu. Gr. Hans zog nicht mit ihnen, indem er mit einem be-sondern Heerhaufen von 1500 bis 2000 Mann über Kerenzen gegen Beglingenzog, um den Feind im Rücken anzugreifen und dessen Niederlage vollkommen zumachen. Mit Tagesanbruch kam das Heer vor der Letzi bei Näfels an, da standder Glarner Hauptmann Mattis von Bullen mit 200 Knechten. Er ließ Sturmschlagen, allein ehe die Landleute herbeieilen konnten, war die Verschanzung mitGewalt durchbrochen und das östr. Heer drang gegen Näfels, Mulis rc. vor, zer-streute sich und fing zu plündern und zu rauben an. Mattis von Buelen zog sichmit dem Banner auf einen Berg, Reuti, zurück; mit etwa 100 Mann kam erdaselbst an, zu ihm gesellten sich nach und nach die Zerstreuten und die Männer ausden nächsten Orten. Ihre Zahl wuchs auf 400 Mann an. Nun dünkte es den feind-lichen Heerführern an der Zeit, dieses Häufchen zu zernichten, ehe sich noch Mehreresammelten. Der Adel zu Pferd wollte auch hier die Ehre des Sieges allein ärnrten.Allein die Glarner wichen nicht zurück. Verzweiflung stählte ihre Arme; mit Feld-steinen warfen sie mächtig unter die Pferde, diese wurden scheu, drängten sich, derArm, zum Angriff erhoben, erlahmte; da drangen in dichten Haufen die Glarnervor. Dreißig Schwyzer mit einigen Glarnern kamen von den Bergen herab undfielen mit wüthendem Geschrei in den dicht gedrängten Haufen der Reisigen. Diesewollten sich zurückziehen, um mehr Raum zu gewinnen und sich besser ordnen zukönnen, allein die Verwirrung stieg bei dem Gedränge, der Zurückzug artete in einewilde Flucht aus.

Sowie der Uebermuth und Verachtung des Feindes nur zu oft in die tiefsteZaghaftigkeit übergeht, so geschah es auch hier. Alles floh nach Wesen, nach Uz-nach, nach Wallenstadt, wo sich ein Weg zeigte. Siegestrunken eilten mit freudi-ger Haft der Glarner Haufen mit den Schwyzern und den aus den Seitenthälern