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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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war, kennt und beherziget, dem ist es leicht erklärbar, wie dieser Friede, als ein er-zwungener, der Stadt Zürich nachtheiliger und gewissermaßen auch schmählicher, bei^ der Andauere des Unwillens und der Erbitterung kein anhaltender sein konnte, ja,

wie vielmehr dieser Friede den Keim eines neuen und verderblichern Krieges in sichtrug. Zürich war mißvergnügt und unzufrieden mit den Eidgenossen, hatte aber' die Erfahrung gemacht, daß es für sieb allein nicht im Stande sei, mit Erfolg die-

selben zu bekämpfen. Zürich suchte daher Bundesgenossen, welche ihm helfen sollten,sich an den Schwyzern und ihren Verbündeten zu rächen und sein altes Ansehen wie-der herzustellen. Zunächst lagen die östr. Besitzungen, welche zwar dem minderjäh-rigen Sigismund angehörten, aber eben deßhalb unter der Regierung seines Vetters,Herzogs Friedrich von Oestreich, standen, welcher, im Jahre 1440 zum Kaisererwählt, über die Hülfsmittel seiner eigenen Lande sowie zum Theil des Reiches ge-bieten konnte. Dieser Kaiser Friedrich war zwar persönlich kein Kriegsheld und wirdwohl nicht ganz mit Unrecht theilweise der Unthätigkeit, des Mangels an Energieund des Nachdrucks im Handeln beschuldigt, dagegen war er ländergierig, im Feldeder Unterhandlungen und der höher» Diplomatie wohl bewandert und von tüchtigenund schlauen Räthen bedient. Diesen Kaiser schmerzte immer noch der Verlust derStammgüter seiner Familie im Aar- und Thurgan, welche er mit Unrecht seinemVetter Friedrich von den Eidgenossen (1415) entzogen worden zu sein glaubte, da^ die letzteren mit Herzog Friedrich d. ä. erst kurz zuvor (1412) einen 20jährigen

Frieden geschlossen hatten.

Kaiser Friedrich, wohl auch von dem Adel der Vorlande, welche erklärteFeinde der Eidgenossen waren, hierzu aufgereizt, trug sich wohl schon länger mitdem Gedanken,, das Verlorene wieder an sich und sein HauS zu bringen. Die Zer-würfnisse der Züricher mit den übrigen Eidgenossen waren ihm daher ganz erwünscht,um mit Hülfe der so mächtigen, für einen Krieg gegen die Eidgenossen so gut gele-genen Stadt wie Zürich seine Absicht zu erreichen. Wenn schon verschiedene Ab-sichten und Leidenschaften die Schritte des Kaisers Friedrich sowie die Züricher leite-ten, so waren doch beide in ihrer Abneigung und feindseligen Stimmung gegen dieübrigen Eidgenossen eins. Als daher die Züricher ihre Boten deßhalb an den Kaiserschickten, so vereinigten sich diese bald, um zu Aachen am Sonntag nach Veitstag1442 einen Bund zur gegenseitigen Hülfe und Unterstützung abzuschließen, wobeijedoch die Züricher ihre älteren Verbindungen mit den Eidgenossen zum Scheine sichvorbehielten. Kaiser Friedrich kam noch in demselben Jahre selbst nach Zürich,^ Bern u. s. w. Die Boten der Eidgenosse», welche im Besitze der ehemaligen östr.

Herrschaften in Aar - und Thurgan waren, wurden unfreundlich aufgenommen undda sie die Zurückgabe dieser Herrschaften an Oestreich verweigerten, wurde ihnen dieBestätigung ihrer alten Rechte und Freiheiten, um welche sie den Kaiser baten, von