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den andern zu schwächen, um so seinen eigenen Einfluß und seine Macht zu befesti-gen und zu seinem und seiner Familie selbstsüchtigen Vortheilen auszubeuten. Be-sonders war dieses in dem so zerrissenen, unter so diele und verschiedenartige Herrenund Herrnlein zertheilte Schwaben der Fall. Mit kluger Schlauheit benutzte daherKaiser Karl die emporstrebende Macht Würtembergs, den stolzen, kriegerischen Geistseines nach Vergrößerung dürstenden Gr. Eberhard, um die gleichfalls mächtigen,reichen und ihm Gefahr drohenden vielen Reichsstädte und ihre Vereine niederzu-halten , sowie er sich letzterer bediente, um die etwaige Uebermacht Würtembergsund Oestreichs zu brechen. Besonders wurde dieses listige Spiel von ihm in derMitte des 14ten Jahrhunderts zur Zeit des Gr. Heinrich zu Werdenberg getriebenund so des Krieges Brandfackel angezündet, die nicht nur durch mehr als 100 JahreSchwaben verheerte, sondern auch die Werdenbergische Familie zu Albek um alleihre Güter brachte und sie gänzlich aufrieb. Schon zu den Zeiten des Gr. Hein-rich II. oder Liiern offenbarten sich die Gefahren, die sein Haus bedrohten. InMitte stehend zwischen Würtemberg und Ulm, zumalen damals die Hauptverbin-dungsstraße (die Hochstraße, auf die Grundlage einer Römerstraße hinziehend) zwi-schen beider Gebiet durch sein Ländchen ging, mochte er sich winden wie er wollte,immerhin blieb er und seine Herrschaft gefährdet und es stellten sich bald Geldver-legenheiten ein, die sich bei seinen Nachkommen immer höher steigerten. Dahereinzelne Veräußerungen, welche schon mit dem Gr. Heinrich II. zwar im Kleinenanfingen, aber immer weiter gingen. So verkaufte Gr. Heinrich mit seiner Ge-mahlin Bertha von Kirchberg den 4. März 1331 *) den Maierhof und ein Gutzu Hervelsingen, einen Hof zu Altheim, einen Hof zu Börslingen, eine Hübe zuSetzingen und ein Gut zu Birkheim, das die Wannerin zu Nerenstetten baut, anHeinrich Roth von Schreckenstein, verpfändete 1350 an Walter Ruwelger denRitterhof zu Unterelchingen um 40 U Hl., jedoch mit Vorbehalt der hohen undniedern Gerichte^), verkaufte (1360) an den Gr. Wilhelm von Kirchberg, seinenSchwager, und zwei Bürgern zu Ulm zwei Güter zu Withove (Witthau). Be-deutender war die Veräußerung seiner Erbsansprüche, welche er im Namen seinerverstorbenen Frau, Bertha, und seines Sohnes Heinrich an die Grafschaft Kirch-berg hatte und die er an seinen Neffen, den Gr. Ulrich von Matsch, Gr. zu Kirch-berg, welcher eine Tochter des Gr. Wilhelm von Kirchberg, seines Schwagers, zurFrau hatte, im Jahre 1366 um 5000 U Hl. verkaufte^). Sein Bruder, Gr.Eberhard, mit noch 15 andern unterschrieben als Bürgen und Zeugen diesen Ver-
a) Ulmcr Stadtarchiv.
2) Urk. des Klosters Salem (SalmanSweiler).H Klosters Salemitaner llrk.