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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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jedoch Erben hinterlassen, so sei es ihnen gestaltet, alle die Herrschaften wieder umdie Kaufssumme einzulösen. Hätte daher Gr. Albrecht damals wirklich Kinder ge-habt, so wären obige Bedingungen ganz überflüssig und ungeeignet gewesen. Daßaber ihm noch später fünf Töchter geboren worden seien, kann, auch abgesehen vonseinem und seiner Frau schon vorgerücktem Alter, schon deßhalb nicht angenommenwerden, daß die beiden älteren Schwestern, Kunegunde und Agnes, beiläufig umdas I. 1406 schon verheirathel waren.

Aus diesen Gründen bin ich der Ueberzeugung, daß die fünf Schwestern,welche den Gr. Friedrich von Toggenburg größtentheils und auch den Gr. Albrechtvon Werdenberg zu Bludenz theilweise beerbten, Töchter des Grafen Heinrich vonWerdenberg-Sargqns, Herrn zu Baduz, und der Kunegund, geb. Gräfin vonWerdenberg zu Heiligenberg waren.

Wie aber Urkunden (s. oben) sie Töchter des Gr. Albrecht von Werdenberg,Hrn. zu Bludenz nennen und so sonst tüchtige Schriftsteller zu einem Irrthume ver-leiten konnten, mag daher rühren, daß obige Töchter Schwesterkinder des GrafenAlbrecht waren, daß sie ihren Later, den Gr. Heinrich von Werdenberg, schonfrühe als zum Theil noch unmündige Kinder im I. 1397 verloren und Gr. Al-brecht, als ihr nächster Verwander, selbst kinderlos, Vaterstelle bei diesen unmün-digen Waisen, den Töchtern seiner Schwester Katharina, vertrat und sie an Kin-desstatl annahm, ihnen deßhalb, da er alle seine Güter veräußert hatte, das Gut-haben , was er an der Berkaufssumme und dem Leibgedinge noch bei Oestreich aus-stehen hatte, überließ. Dieses konnte um so eher geschehen, da seine Bruder Hugound Albrecht d. j. von Heiligenberg keine Kinder hatten, sein dritter Bruder Heinrichrodt war und dessen beiden Söhne von ihm, ihrem Oheime, schon den ihnen gebüh-renden Antheil an Stadt und Burg Werdenberg mit Zugehörde, Starkenstein mitder Schirmvoglei über St. Johann im Thurthale und Neßlau erhalten hatten *),er auch in letzterer Zeit mit beiden, namentlich dem Grafen Rudolf, dem Anführer,seiner Feinde, der Appenzeller, auf feindlichem Fuße stand. So war Gr. Al-brecht von Werdenberg zu Bludenz der Vater der fünf Töchter seines Schwagers,des Gr. Heinrich von Werdenberg, und die Erben seiner Forderungen an das HausOestreich, die ihnen (1433) mit 4000 st. bezahlt wurden^). Wobei ich noch be-merken zu dürfen glaube, wie schwankend und unbestimmt selbst die Urkunden sind,wenn es sich um die Benennung verwandter oder verschwägerter Personen handelt,wovon sich viele Beispiele anführen ließen.

i) Urk. zu Lindau, Mittwoch nach Mitsasten 1390, im Fürstl. Fürstenb. Archiv.?) K. K. Wien. g. Archiv.