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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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S.

Einwohner.

Seit alle Kräfte der großen Barone Frankreichs vonder königlichen Gewalt aufgesogen waren, wurde Paris ineinem Grade Hauptstadt, in welchem es keine ihrer Schwe-stern seit dem Mittelalter, und auch von älteren Städtennur Rom geworden ist. Es strömt von jeher jedes Talent,jeder Genußsüchtige, jede Erbin dem glänz- und freuden-vollen Paris zu; in der Hauptstadt und durch sie wurdeimmer das Schicksal des ganzen Landes oft in unglaublichjähem Umschwünge entschieden. Es mag daher wahr seyn,was man vom alten Blücher erzählt. Dieser sah 1815dem letzten Gefechte zu, welches unter den Mauern derStadt auf dem linken Seine-Ufer geliefert wurde. EinGeneralstabsofficier soll ihm hier gesagt haben:Nun, hoffeich, wird man dieses Babel doch verbrennen!" Da sollnun der alte Blücher geantwortet haben:Wenn ich Herrwäre, so würde ich noch eines dazu bauen, Frankreich wirdan Paris sterben."

Die Einwohner, so verschieden der Ursprung der Mehr-zahl immer seyn mag, verähnlichen sich durch die wunder-bare Gewalt, welche die Stadt mehr als jede andere aufihre Bewohner übt, durch die Positivität ihrer Weise, diekluge Einrichtung des täglichen Lebens, die durchdachteSparsamkeit und die Besonnenheit, Selbstbehülflichkeit undglattes Benehmen, welche der Verkehr mit Menschen auf-bringen muß, welchen man selten mehr als einigemal imLeben wieder begegnen wird. Der Pariser ist zwar in sei-