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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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bende seine Bude ausschmückt, mit Wenigem guten Effecthervorbringt, dem Vorübergehenden das Beste zeigt, wasseine Bude vermag, und ihn dadurch zum Stillstehen, jazum Drücken der Klinke zn veranlassen.

Im Ganzen ist die Classe der Gewerbtreibenden sehrmäßig, und bedacht neben der Versorgung einiger Kinderes bald dahin zu bringen, als unabhängiger Rentier zuleben. Viele machen ihren Weg schnell, noch mehrerefallen unterwegs, die meisten bringen in guten Zeitensich durch, und erübrigen auch wohl etwas. Aber die insUnendliche gehende Mitbewerbung und die Höhe der Ab-gaben, wozu noch die vertheuernde Stadtaccise und dieZeit und Ruhe raubende Nationalgarde kommen, machennur wenigen, mit bcsonderm Talent oder Glück begabtenmöglich, schnell zu der Wohlhabenheit zu gelangen, welchean andern Orten Reichthum genannt würde, bei den Pari-ser Preisen und Ansprüchen aber kaum zu wohnlichem Be-hagen und einiger Landlust hinreicht. Auch ist die Naheder Hauptstadt, jenseits welche der Pariser sich selten zu-rückzieht, eben so theuer als die Hauptstadt selbst.

Die Hülfe der Frauen, auf welche wir an einem an-dern Orte zurückkommen werden, ihr Buchführen, ihr Ta-lent den Käufer festzuhalten, ihr Mithandanlegen sindmerkwürdig. Die Geschlechter haben früher in den roma-nischen Nationen in manchen Rücksichten ihre Stellen ge-wechselt, und im Pariser Leben zeigt sich noch manche Spurhievon. Hiezn kam noch zur Kaiserzeit der Mangel anMännern, wodurch viele unversorgte Mädchen selbst fürihr Fortkommen sorgen, und die Gewerbtreibenden mancheArbeiten, welche für weibliche Hände sich eignen, diesenvorzugsweise anvertrauen mußten.