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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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um die Börse; der Quai Voltaire vereinigt Kunsthändlerund Buchhändler; die Mechaniker wohnen auf dem Quaidel'Horloge, die Goldschmiede auf dem Quai des Orftvresdicht beisammen. In diesem Quartier ist es noch einRuhm, ein altes Haus zu seyn.

In den Zeiten der Kriege, mitten im Ruhme derfranzösischen Heere, war das gewerbliche Leben gedrückt,beschränkt und trauernd. Jetzt seit dem Frieden, bei denunzähligen reichen Fremden, welche in Paris ihr Geldverzehren, bei den vervollkommten Communicationsmitteln,bei der ungeheuer angewachsenen Staatsschuld und derThätigkeit der Stockbörse, ist es beinahe in krankhafterThätigkeit, häufigen und heftigen Krisen unterworfen, vongroßer Wagniß bei sehr »ertheiltem Gewinn, und weitmehr von dem politischen Stande der Dinge abhängig alsjemals. Daß die schönen Künste Einiges, die Natur-wissenschaften sehr Vieles zu Vervollkommnung der Pari-ser Gewerbe gethan haben, daß ihre Universalität unglaub-lich ist, indem persische Stiefel, ägyptische Shawls, Ber-liner Kochofen und spanische Chocolade in Einer Straßenebeneinander verfertigt werden muß ebenso anerkanntwerden, als man gestehen muß, daß den Geräthen nochnicht das Vollendete, das Vollständige und Solide derenglischen, den verzehrbaren Producten noch nicht die gleich-förmige und besonders die reinliche Behandlung gegebenwird, welcher sie sich in Deutschland und Holland, vor-züglich aber in England erfreuen.

Einem Beobachter, welcher sich des frühern Zustandesnoch lebhaft erinnert, entgeht gewiß nicht die Bemerkung,daß alle Gewerbe, welche für die Bedürfnisse der niedern Clas-sen arbeiten, verhältnißmäßig mehr vorgeschritten sind, als

PaM im 2ahr» 1856.

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