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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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mehr so lebhaft gefühlt wie ehemals, da alles ohnehin aufwechselseitige Annäherung und Verähnlichung hinarbeitet,und in manchen Logen scheinen politische Ideen sich ein-genistet und den ursprünglichen wahren, rein negativenGeist des Bundes verfälscht zu haben. Im Ganzen ist dieTheilnahme der ausgezeichneten Mitglieder des Auslandessowohl, als der Stadt selbst, gering, und wenn man jevon einer so alten und so ehrwürdigen Anstalt sagen konnte,sie sey aus der Mode gekommen, so wäre dieses jetzt derFall in Paris; sey es, daß die Besten einsehen, daß einegründliche Umbildung höchst nöthig, aber noch nicht mög-lich sey, oder daß sie nur dunkel fühlen, wie weit von derschönen einfachen Urform ihre Eitelkeit durch die Staats-kunst abgebracht worden sey. Wenn ein Ausländer dieseSaite berührt, so hört er entweder ironische oder mystische,zuweilen auch politische Aeußerungen, immer aber die Ver-sicherung, er werde unbefriedigt bleiben. Zwar werdennoch Jnsignien öffentlich verkauft, werden noch Zeichen denAushängeschildern beigefügt, sogar von Templergraden,werden maurerifche Papiere von Trödlern öffentlich aus-gebvten (wie bei den Hofstallungen das Installationspatenreiner Loge), aber es erregt die Neugier nicht mehr, unddieß ist vielleicht ein Glück für den Bund. Er wirkt un-beschrieen am sichersten und schönsten.

Anstalten, wie alte Logen in Deutschland und Schwe-den sie gründeten, erhalten und stets vervollkommnen, sindmir in Paris nicht bekannt, ungeachtet ich darnach geforschthabe. Dagegen sah ich in der Templercapelle eine ganzeigene Manifestation, von welcher ich sprechen werde, wennich auf den religiösen Zustand der Stadt komme.

Es ist mehr als wahrscheinlich, daß die Carbonaria