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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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und ohne Unannehmlichkeiten durchzukommen. Das letz-tere erreicht man auf bequemere Weise dadurch, daß mansein Haus nur wenigen gleichgesinnten Vertrauten undVerwandten öffnet, wahrend man jeden Winter in eineoder einige der größer» Gesellschaften geht, um sich Sitzund Stimme vorzubehalten. Da der vorzugsweise für diehöhere Gesellschaft ausgebildete Hofadel sich auf seine Gü-ter oder in seine Hotels in der Vorstadt St. Gcrmainzurückgezogen hat, und dort in eng geschlossenen CotterienZusammenhalt; da die neuen Reichen zu beschäftigt sind, umihre Muße der Unterhaltung Anderer anhaltend widmen zukönnen; da der. Hof zu Viele empfangen muß, um nieman-den zum Feinde zu machen, und da endlich die Politik überallsich aufdringt, so ist begreiflich, daß die alte anmuthigefranzösische Geselligkeit sehr gelitten haben muß.

Hiezu kommt noch die Enge und geringe Höhe derneuen Wohnungen, wo eine zahlreiche Gesellschaft sogleicheine mißstimmende Hitze erzeugt und die Whistttsche imNebenzimmer die abgesonderten vertraulicheren Gruppenvertreiben. Es ist sehr schwer, die Zahl der Besucher ein-zuschränken, man kann doch guten Bekannten nicht ab-schlagen, einen liebenswürdigen Ankömmling bei dieserGelegenheit vorzustellen.

Specielle Gesellschaften, wie die Millins für Gelehrtewar, bestehen nicht mehr in dieser Ausdehnung, mit die-sen Hülfsmitteln unter der Hand und in einem so aus-gedehnten Locale.

Die sehr elegante, aber etwas zu gleichförmige Klei-dung der Frauen, die einfache Eleganz der Männer, unterwelchen sehr viele bebartete siud, die Dämpfung der Stim-men und die Bemühung der Hausfrau, jeden freundlich