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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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ein Beweis von einer eigenthümlichen Organisation desOhres.

Die natürlich sehr zahlreichen Ausnahmen von demErwähnten wenden sich daher mit Leidenschaft der italieni-schen Oper zu, wo man gute Musik vortrefflich vorgetragenHort, obschon, wie eine Zeitung sagt, bei den Bonffes dassalische Gesetz zu herrschen scheint, indem zu einer zwarsehr braven, aber in ihren Kunstmitteln beschränkten Sän-gerin drei ganz vorzügliche Sänger angesetzt sind, la Blache,Tamburin: und Rubini. Da der Saal klein ist und dasEintrittsgeld bedeutend, so sammelt sich hier eine so gebil-dete Gesellschaft, daß man statt des Zijchens oder Pfeisensnur schweigt, um den Sänger zu strafen. Leider cvmpo-nirt Rossini nicht mehr, und Bcllini ist in der Blütheseiner Jahre gestorben, aber wenn nur gute Terte aus-zutreiben wären, so könnte die hiesige italienische Operselbst aus Italien vortheilhaft zurückwirken. Rossini suchtschon lange ein gutes Libretto eines v. Faust zu erhal-ten, und würde es gewiß gut bezahlen. Er möchte in die-ser Oper seinen Schwanengesang singen.

Auch die französische Oper hat für die unmusikalischeSprache seit einem Menschenalter Unglaubliches geleistet,besonders ist Nourrit ein Künstler von seltenem Vereineschöner Gaben. Aber die Ballete, Decvrativnen und Ma-schinerien füllen vorzugsweise das Haus, und die Kostensind unglaublich groß. Auch werden immer mehr Aus-länder zugewvrben: Meyerbeer als Tonsetzer, die Ciuti alsSängerin, die Taglioni und die Schwestern Elsler alsTänzerinnen. Desto besser; in Sachen des Geschmacks sollman der Vaterlandsliebe nur bei ganz gleichen Leistun-gen das Wort gönnen.