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Deutsche Kultur- und Sittengeschichte / von Johannes Scherr
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57
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Das Christenthum und die Völkerwanderung.

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Der Sieger, welcher nun das Frankenreich rheinaufwärts bis an denNeckar, später durch Bewältigung der Burgunder bis an die Rhone unddurch Unterwerfung der Westgvthen in Frankreich bis an die Garonneausdehnte, trat zum Christenthum über und eröffnete so recht eigentlichdie Reihe jener allerchristlichsten" Könige diesen Titel gab ihm dieGeistlichkeit welche im Namen und unter dem Deckmantel der Reli-gion die verabscheuungswürdigsten Frevel übten. Die Art und Weise,in welcher Chlodwig zur Durchführung seiner politischen Pläne desChristenthums sich bediente, zeigt mit erschreckender Wahrheit, wie tiefdasselbe von der idealen Höhe seines Ursprunges im 6. Jahrhundertbereits herabgcsunken war. In der That, es war schon einerseits zumlächerlichsten und zugleich unduldsamsten Fetischismus, andererseits zumunterwürfigsten und bequemsten Hilfsmittel des Despotismus geworbenund erst der Blüthezeit des Ritterthums war es vorbehalten, ihm wiedereine etwas idealere Färbung zu geben, namentlich durch Uebertragungder Konsequenzen des Mariakultus auf Poesie und gesellige Sitte.Chlodwigs Verworfenheit erbte in seiner Dynastie fort, welche nach einemalten fabelhaften Stammkönig der Franken , Merovig, die merovingischeheißt. Selbst die unsittlichste Phantasie würde sich vergebens abmühen,Laster und Gräuel zu ersinnen, wie sie in dem merovingischen Hauseheimisch waren. Rohester Aberglaube, wildeste Sinnlichkeit, wüthendeHabsucht, Meineid, Verrath, Blutschande, Giftmischerei, Verwandten-mord, raffinirteste Bosheit und Grausamkeit sind die Hauptzüge desGemäldes, welches uns der klerikale Chronikschreiber Gregor vonTvurS (starb 595) von jener Zeit entworfen hat (Historik kruneornm",libr. X). Alles aber überboten die Frevelthaten der beiden merovingischenKönigswciber Fredegunde und Brunhild , an welchen die menschliche Naturgezeigt hat, was sie in kolossaler Lasterhaftigkeit zu leisten vermöge. DieGeschichte dieser beiden Weiber ist eine lange entsetzliche Tragödie, dieeinen gräßlichen Schluß erhielt durch das Ende Brunhilds , welcheChlotar II., ihrer Todfeindin Fredegunde Sohn, besiegte, gefangennahm, drei Tage lang foltern, endlich an den Schweif eines wildenRosses binden und so todtschleifen ließ (613). Stellen wir diese Scenemit dem Ausgang Albuins zusammen und vergegenwärtigen wir uns,daß in einem der merovingischen Berwandtenkriege einst in einer Schlachtvon beiden Seiten mit solcher Wuth gestritten wurde, daß die Er-schlagenen keinen Raum hatten, zu Boden zu sinken, sondern, eingcstautZwischen die Kämpfenden, wie Lebendige aufrecht mit fortgeschobenwurden: so werden wir von der bestialischen Wildheit der Völker-waudernngsperiode uns unschwer eine Vorstellung machen können.

Von demChristenthum " jener Zeit im Allgemeinen und von demgermanisch-christlichen" Wesen im Besonderen gibt Gregors Franken -