Das Kriegswesen.
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oder Philosoph sei. Das erregte großen Lärm. Der Senat der UniversitätHalle that sich zusammen und folgerte also: Die vier Fakultäten seienvon Sr. Durchlaucht des Kurfürsten erhabenen Vorfahren beliebt undeingerichtet worden, demnach sei dies eine Verspottung der fürstlichen An-verwandten, folglich eine Verspottung Sr. Durchlaucht selbst und ergo seiThomasins als Majestätsbeleidiger und Aufrührer gerichtlich zu belangen.Das geschah denn auch, jedoch ohne Erfolg. Die Geschichte ist abermeines Bedünkcns ganz geeignet, den deutschen Gelehrtengeist, d. h. diegelehrte Bedientenhaftigkeit von damals zu charakterisiren. Die Rasseder gelehrten Bedienten und bedientenhaften Gelehrten ist auch heutebei uns noch nicht ausgestorben; aber will man gerecht sein, so muß mausagen, daß die ganze Nation diesen Schaden mitverschuldete durch dieträge, ja grausame Gleichgiltigkeit, womit sie von jeher ihre Dichter undDenker, ihre Gelehrten und Künstler Hunger und Kummer leiden sah.
Viertrs Kapitel.
Das Kriegswesen.
Wandelungen desselben vom 14. bis inS 16. Jahrhundert. — Die „frummen"Landsknechte. — Taktische und soziale Gliederung der Armeen. — Das,,Fslb-Zeng". — Ein Schlachtbild aus dem 16. Jahrhundert. — Diedreißigjährige „KriegSfurie". -— Uebergang vom Söldnerheer zum stehen-den. — Militär-LuxuS.
Im Zeitalter der Reformation erhielten die allmäligen Wande-lungen, welche seit dem 14. Jahrhundert auch im Waffenwesen Einganggefunden, ihre bestimmter ausgeprägten Formen. Die Entscheidung inden Schlachten des eigentlichen Mittelalters war bei der schwergeharnisch-ten Adelsreiterei gewesen. Dem hatten aber die siegreichen Kämpfe derSchweizer gegen Oesterreich und Burgund ein Ende gemacht; denn auden „tiefen, wandelnden Mauern gleichen" Schlachthaufen der Bauernund Bürger war der Ansturm der ritterlichen Kavallerie zerschellen. Deraltgermanischc Fußvolkkampf war dadurch wieder zu Ehren gekommen.Er gab den Ausschlag, bis mit der mörderischen Schlacht von Marignano(1515) ein neuer Wendepunkt in der Kriegskunst eintrat. DieserSchlachttag zeigte nämlich zuerst die vielgestaltigere Kampfart der modernenZeit, die Zusammenwirkung von Fußvolk, Reiterei und Artillerie, wo-