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Deutsche Kultur- und Sittengeschichte / von Johannes Scherr
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Buch II, Kap. 8.

So brachen denn die Stralen der lange verfinstert gewesenen Ver-nunft allmälig wieder hinter den düsteren Wolken hervor und die deutschen Malefizgerichte" stellten nach und nach ihre schändlichen Arbeiten ein.Die letzte Hexe im deutschen Reiche wurde 1749 zu Würzburg verbrannt;die Arme hieß Maria Renata Sängerin, war Nonne und siebzig Jahrealt. Die letzte Hexenhinrichtung auf deutscher Erde aber fand erst 1782zu Glarus in der Schweiz statt. Das Opfer dieses anachronistischenHexenprozesses war eine Dienstmagd, Anna Göldi , welche beschuldigt undüberführt" wurde, durch Hexerei einem Kinde ein Bein gelähmt und eszum Ausspucken von Stecknadeln gebracht zu haben, nachdem sie ihm ineinem Zauberknchen (in einem vom Teufel erhaltenen Leckerli", sagendie Akten) Stecknadelnsamen, welcher im Magen des Kindes aufging, zuessen gegeben '«). In Polen und Ungarn florirte der Hexenprozeß nochin den 90ger Jahren des vorigen Jahrhunderts, der Hexenglauben aberwuchert auch noch im jetzigen üppig im Volke. Denn die Dummheitwähret ewiglich.

Ächtrs Kapitrl.

Die Kunst und die Literatur.

Der Renaissancestil und der Periickenstil. Die Architektur. Die Skulptur. Die Malerei. Die Musik. Die Nationalliteratur. Novellistik. Kirchenlied. Satire. Das Fastnachtsspiel. Das polemischeDrama. Die Schulkomödie. Hans Sachs . Das erste deutscheSchauspielhaus. Die Komvdiantenbande». Der Hanswurst. Aus-länderei in derLiteratur. Opitz. Die erste und zweite schlesischeDichter-schule. Diegalante" Poesie. Die Koth- und Blut-Tragödie. DerRoman. Gottsched. Fortbildung des Schauspielwesens. Opern-spektakel. Haupt- und Staatsaktionen. Hanswurstiaden. DieGallomanie. Die Morgenröthe deutscher Dichtung im Ausgaug.Gellert. Die Schweizer . Klopstock.

Die in den humanistischen Studien wieder aufgegangene und all-seitig erweiterte Kenntniß des klassischen Alterthums, welche wir auf sovielen Gebieten des Geisteslebens einflußreich sahen, erstreckte ihre refor-mistische Thätigkeit auch auf das der Kunst. Vom 15. Jahrhundert anbeginnt hier , obzwar die romantischen Typen, wie sie zuletzt sich fest-gestellt hatten, von einzelnen Künstlern und in einzelnen Ländern nochbis ins folgende hinein festgehalten werden, ein immer mächtiger an-