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Buch IH, Kap. 2.
So ein Affe Friedrichs war auch der Landgraf von Hessen ,Ludwig IX. , der sich von einer förmlichen Soldatenmanie besessen zeigte.Er machte den abgelegenen Ort Pirmasens zu einer Kaserne, wo er,täglich sein Grenadierrcgiment exercirend, sein Leben verbrachte. DiesRegiment war „ein Mixtum aus allen europäischen Nationen", indemes aus Deutschen , Polen , Russen, Schweden , Dänen, Franzosen, Türkenund Zigeunern bestand, welche mit großen Kosten zusammengebracht undmit noch größeren zusammengehalten wurden. Ludwigs Sohn und Nach-folger öffnete 1790 den pirmasensschen „Menageriekasten von Zwei-füßlern und das Gethier stürzte heraus, um sich nach allen Weltgegendenzu zerstreuen." Ein dritter deutscher Fürst, welcher das Soldatenwesendes großen Fritz zur kleinlichen Karikatur verzerrte, war der Graf Wilhelmvon Bückeburg, der sein Sedezländchen arm machte, um die närrischemilitärische Grille zu befriedigen, auf dem Grund eines trocken gelegtenSees eine Festung zu erbauen, die beständig, auch im tiefsten Frieden,mit großen Kosten auf dem Kriegsfuße unterhalten wurde.
Wie sich der große König von Preußen räusperte und wie er spuckte,das zwar konnten ihm Leute wie Herzog Karl und Landgraf Ludwigallenfalls „abgucken", im Uebrigen aber hüteten sie sich wohl, den zumMuster zu nehmen, welcher sich selbst für den ersten Diener des Staatsangesehen wissen wollte und als solcher arbeitete. Friedrich hatte sich inseiner Jugend von seinem lebhaften Temperament um so mehr zu Aus-schweifungen hinreißen lasten, als diese bei der Strenge, womit seinVater ihn überwachte, mit allem Reiz des Verbotenen angethan waren.Das Gerücht, die Folgen seiner Lüderlichkeit hätten ihn der Mauneskraftberaubt, mag mit dazu beigetragen haben, daß des Prinzen Eugen großesProjekt, Maria Theresia mit dem Thronerben von Preußen zu ver-heiraten, scheiterte. Nachdem sich Friedrich nach seiner küstrinschen undruppinschen Leibenszeit um den Preis einer Heirat mit der ungeliebtenbraunschweigschen Prinzessin mit seinem Vater ausgesöhnt hatte, lebte erauf dem Schlosse Rheinsberg , wo er seinen kleinen Hof hielt, ein zwischenden Wissenschaften, Künsten und Vergnügungen getheiltes Leben. Esging dort mitunter sehr jugendlich munter zu. Der Freiherr von Biele feld , welcher 1739 als Gast zu Rheinsberg war, gibt die Beschreibungeines Bakchanals, welche die zwanglose Genialität des kronprinzlichenHaushalts recht artig veranschaulicht: „Kaum hatten wir uns zu Tischegesetzt, so fing der Prinz an, eine interessante Gesundheit nach der andernauszubringen, auf welche Bescheid gethan werden mußte. Auf diesenersten Angriff folgte ein ganzer Strom von Witzworten und jovialischenAusfällen von Seiten des Prinzen und seiner Umgebung, die ernst-haftesten Stirnen erheiterten sich, die Heiterkeit wurde allgemein und auchdie Damen nahmen daran Theil. Innerhalb des Zeitraums von zwei