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Deutsche Kultur- und Sittengeschichte / von Johannes Scherr
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Buch lll, Kap. 6.

Memoiren, die freilich nur mit großer Vorsicht zu gebrauchen sind, seineLaufbahn geschildert hat.

Von Interesse ist die Wahrnehmung, daß in dem burschcnschaftlichenGewebe wieder Fäden zum Vorschein kamen, welche schon der göttingcrHainbund aufgezogen hatte. Wie in diesem neben nrtcutouischem Kraft-wesen siegwartische Empfindsamkeit wirksam gewesen, so auch in den bur-schenschaftlichen Kreisen. Es ist, man weiß nicht, ob rührend, ob komisch,zu hören, wie der Burschenschafter Karl Ludwig Sand von Tübingennach Erlangen zieht, mitdankbar freudiger Seele" seine altdeutscheTracht anthut, in der Nähe der Stadt auf einem Hügel mit einigenGleichgesinnten einRütli" anlegt, bei dessen Einweihung in nächtlicherStille die Bundesbrüderihr Bier in Ruhe und sanftem Kummer trin-ken", und wie er dann sich hinsetzt, um folgendeBundesmatrikel "für dieBurschenschaft zu entwerfen. 1) Unsere Sache fällt mit jeder andernbedeutenden Umschwungszeit zusammen; ähnlich besonders der deutschenReformation. Heut ist sie aber mehr eine wissenschaftlich-bürgerlicheUmwälzung. 2) Der Wahlspruch der deutschen Burschen sei: Tugend,Wissenschaft, Vaterland! 3) Wer diese Ideen bekennt, ist unser gelieb-

ter Bruder. Von nun an darf nur auf das ueubegonnene Leben ge-sehen werden. 4) Zur Verwirklichung dieser hohen Sache eine allge-meine freie Burschenschaft in ganz Deutschland . 5) Das Ganze darfnicht durch Eidesband zusammenhängen. Die Idee allein soll alle ver-einen. 6) Jedwedem Unreinen, Unehrlichen, Schlechten soll der Ein-zelne auf eigene Faust nach seiner hohen Freiheit zum offenen Kampfeentgegentreten. Das Ganze soll damit verwickelter Kämpfe überhobenbleiben. 7) Für das liebe deutsche Land kein Heil außer durch eine solcheallgemeine freie Burschenschaft. In Deutschlands innigverbrüderte edleJugend wird das Hohe und Herrliche wirklich schon eingelebt. 8) DerBrauch für die Burschenschaft muß allenthalben in seinen Hauptzügcngleich sein. 9) Für Urfeinde des deutschen Volksthums sind erklärt: a. dieRömer, b. Möncherei, v. Soldaterei- 10) Von einzelnen hervorleuch-tenden Männern und einigen Jünglingen höherer Art geht der neueGeist aus. Die Fürsten wissen deß wenig zu rathen. 11) Die Haupt-idee des (Bundes-) Festes ist: Wir sind allesammt durch die Taufe zuPriestern geweiht. I. Petr. 2, 9. Ihr seid ein königlich Pricsterthumund ein priesterlich Königreich." Aus diesem Mischmasch von Sinn undUnsinn geht nur soviel klar hervor, daß die Burschenschaften auf den ein-zelnen Universitäten dahin strebten, ihre Vereine zu einem großen natio-nalen Bunde zu erweitern, und daß die Begründung desselben mittelseines gemeinschaftlichen Festes veranstaltet werden sollte.

Dieses Fest war die Feier des dreihnndertjährigeu Jubiläums derReformation auf der Wartburg , welche zuerst Maßmann, damals Stu-