Schatten und Licht.
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Ächtes Kapitel.
Schatten und glicht.
Aus der Kriminalstatistik des 19. Jahrhundert«. — Die religösen Verirrungen.— Die Ultramontanen und die Pietisten. — Ein religiöses Nachtstück. —Die „Wissenschaft der Umkehr" und der fromme Sklavensinn. — Oppositionund Reaktion. — Das Bereinswesen. — Hegel und sein System. — DieLiteratur der Restaurationsperiode. — Das junge Deutschland. — Derliterarische Demokratismus. — Die Junghegelingen und die „tiibinger"Schule. — Der Materialismus. — Schluss.
Die Kamera obskura, in welche ich den Leser zunächst hineinsehenlasten muß, reflektirt sehr düstere Bilder, so düstere, daß wir vielleicht demTadel Wohlmeinender unterliegen, welche die Blößen des Vaterlandesunter allen Umständen gerne mit dem Mantel des Patriotismus bedecktsehen möchten. Allein diese Rücksicht kann mich nicht abhalten, eine kul-turhistorische Pflicht zu erfüllen, um so weniger, da ich der Ansicht bin,gerade in unserer Zeit liege die ernste Aufforderung, von allen Seitenher die Nation einer Selbstverblendung zu entreißen, aus welcher jeneunselige, in unserer ganzen Geschichte so oft wirksame, michelhafteTraumseligkeit mit Nothwendigkeit hervorgeht. Stolz aus unseren gei-stigen Reichthum, vergessen wir nur zu leicht, wie unendlich viel nochgethan werden muß, um die Fülle desselben dem Volke zugänglich zumachen, die Gold- und Silberbarren der Wissenschaft in gangbare Münzeauszuprägen oder, mit anderen Worten, die Stralen des Wissens undder Humanität auch in jene Schichten der Bevölkerung zu leiten, aufwelchen im 19. Jahrhundert noch so dichte Finsterniß lastet. Es ist eineunheilvolle Täuschung, die geistigen und sittlichen Verirrungen, derenwir zu gedenken haben werden, als vereinzelte krankhafte Erscheinungenaufzufassen und als solche geringzuachten: diese Verirrungen sindSymptome vom Vorhandensein eines Krankheitsstoffes, welcher durch denganzen gesellschaftlichen Körper verbreitet ist. Die Aeußerungen desUebels werden allerdings vielfach durch die materiellen Nothstände her-vorgerufen , weßhalb wir auch schon im vorigen Kapitel einige Erschei-nungen dieser Art zu berühren Gelegenheit hatten; dessenungeachtet aberist der Pauperismus nicht die einzige Quelle des Verbrechens. ImGegentheil tritt dieses in den wohlhabenderen und sogar in den reichstenStänden oft mit noch größerer Brutalität und jedenfalls mit mehrBösartigkeit hervor als in den ärmeren und ärmsten, was beweist, welcheallseitigen Schwierigkeiten die trotz alledem vorschreitcnde Humanisirungder deutschen Gesellschaft noch zu überwinden haben wird.