Veränderungen der Erdoberfläche. 137
erzeugt werden, muß noch mehr an Interesse gewinnen,wenn wir die Erscheinungen derselben in Verbindung mitden andern bekannten Äußerungen vulkanischer Thä-tigkeit betrachten, welchen wir ihre Charakteristik vor-angcschickt haben.
Gewöhnlich pflegt man als rein vulkanische Erschei-nungen nur die Ausbrüche thätiger Vulkane selbst zu be-trachten, und wenn gleich die Meinung, daß diese mitden Erdbeben in direoter Beziehung stehen und also muth-maßlich von derselben Grundursache herrühren, jetzt nichtmehr als zweifelhaft dargestellt wird, so ist es unstreitigdoch von Bedeutung für den Zweck dieser Darstellung,eine Übersicht von den Gründen zu geben, die uns ver-mocht haben, diese Meinung als die richtige anzusehen.
Zunächst ist es unstreitig von Wichtigkeit, hierbeidaran erinnert zu werden, daß alle vulkanischen Ausbrü-che, so weit wir bis jetzt von ihnen Kunde besitzen, im-mer von Erdbeben begleitet sind, welche mehr oder min-der energisch und verbreitet auftreten, je kräftiger dervulkanische Paroxysmus ist, dem sie angehören. Erdbebensind die gemeinsten unter den Vorzeichen, welche demAustreten feurig flüssiger Massen aus den Schlünden derVulkane gesetzmäßig vorangehen; sie stellen sich immerzuerst ein, oft wenn auf dem Gipfel der in Zwischen-räumen ruhenden Feuerberge kaum Spuren einer neuerwachenden Thätigkeit sichtbar sind; sie nehmen fort-während an Stärke und Häufigkeit zu bis zum Beginnender Ausbrüche selbst, und nur während die Vulkane imAuswerfen der Lava und im Ausstößen der Dämpfe undGasmassen begriffen sind, deren Versuch, einen Auswegzu finden, höchst wahrscheinlich die Erschütterungen ver-anlaßt, schweigen sie gänzlich. Diese Thatsache ist sodurchaus in allen vulkanischen Gegenden der Erde be-kannt, daß sie kaum noch irgend eines speciellen Belegsbedarf. In Neapel, Messi'na, Catania rc. ist es; eineallgemein verbreitete Votksmeinung, daß man von denBesorgnissen vor den Wirkungen der Erdbeben befreietsei, sobald sich Vesuv oder Ätna im Zustande des Aus-