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Anleitung zum Selbststudium der Geologie : nach dem Book of Science / von Karl Hartmann
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153
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Veränderungen der Erdoberfläche. 123

wir die Unregelmäßigkeit in dem Auftreten der Erschei-nungen selbst und die eben angeführte Wahrnehmung derwirklich beobachteten Hebung großer Ländertheile durchWirkung der Erdbeben berücksichtigen, welche uns weiterdarauf schließen läßt, daß selbst die Erhebung großerKontinente über den Meeresspiegel und die vielen älterenZerreißungen und Verschiebungen der Schichtungsverhält-niffe in den jetzt immerwährend beobachteten Gebirgen,die Folgen energischer Regungen der vulkanischen Thätig-keit früherer Perioden an Stellen sein können, an wel-chen man gegenwärtig keine Beweise derselben zu sehenmehr gewohnt ist. Die Hebung von Skandinavien in-nerhalb der geschichtlichen Zeit erleidet nicht den,gering-sten Zweifel. Sie ist neuerlich von Lyell von Äbo bisChristiania deutlich nachgewiesen. Unmittelbar mit LiesenHebungserscheinungen einzelner Theile des Festlandes las-sen sich die Erhebungen des Meergrundes in Verbindungsetzen, welche das Entstehen neuer Inseln durch die Wir-kung der Erdbeben veranlassen. Bei diesen Ereignissensind indessen gewöhnlich die Erdbeben in so inniger Ver-bindung mit vulkanischen Eruptionen, daß es sehr schwerhält, den Antheil zu scheiden, welchen die Bildung einesoder des andern an der Entstehung des neuen Landeshat; selten mag ein Stück früheren Meeresgrundes andie Oberstäche treten, ohne daß nicht ein Theil seinerMasse von hinzutretender Lava, von Asche und Bimsstein-bedeckungen vergrößert werde, und wir können sie dahereben so füglich bei den Erdbeben als bei den Ausbrüchenbetrachten.

Es gibt einige Gegenden des Meeres, welche sich be-sonders durch die Häufigkeit des Entstehens neuer Inseln,seit historisch bekannten Zeiten, vor andern auszeichnen,und von diesen mögen einige Beispiele genügen, um diesemerkwürdige Erscheinung kennen zu lernen.

In dem Archipel der azorischen Inseln ist das Er-heben des Meeresgrundes bis jetzt schon dreimal beobach-tet worden, und hat sich, wie zuerst von A. v. Hum-boldt bemerkt worden ist, in einer ziemlich regelmäßigen