Buch 
Anleitung zum Selbststudium der Geologie : nach dem Book of Science / von Karl Hartmann
Entstehung
Seite
175
JPEG-Download
 

Veränderungen der Erdoberfläche. 175

ten von Sand und Sandstein auf einigen Deltas, z. B. aufdem der Rhone; es sind Kalksteinmassen wie derLraver-tin bei Tivoli und an andern Punkten Italiens; es findkalkige Sandsteine und Menschenknochen, wie z. B. ander Küste der Insel Guadaloupe; es sind die Bildungender jetzt thätigen Vulkane; es sind endlich einige andereBildungen, die des besonderen Interesses wegen unsereAufmerksamkeit noch besonders in Anspruch nehmen.

Die Korallenbildung gehört ferner zu den Mit-teln, den festen Boden der Erdoberfläche zu erhöhen, in-dem ein allmäliges Fortschreiten daran unverkennbar ist.Diese animalisch-mineralische Bildung geht in den Mee-ren des heißen Erdgürtels und in seiner nächsten Nachbar-schaft, ungefähr bis zum 84. Breitengrade, besonders inder Südsee vor sich. Die Erzeuger der Korallen, soge-nannte Zoophyten, setzen ihre kalksteinartigen Häuser auffesten Meeresgrund und erhöhen sie allmälig bis zumSpiegel des Meeres, bis zur höchsten Höhe der Fluth.Hat der Bau die Meeresfläche erreicht, so wird er vonseinen stets nur in den obersten Theilen desselben hau-senden Bewohnern nicht fortgesetzt; seine unteren Theileaber sind längst schon vom Leben verlassen und Bestand-theile des unorganischen Reichs der festen Erdrinde ge-worden. Die Klippe aber, die durch diesen Bau ent-standen ist und mit ihrer Oberfläche nur über die nie-drigste Ebbe um einige Fuße hervorragt, wird nunmehrallmälig dadurch erhöhet, daß Ebbe und Fluth, und diesich an dem Korallenriff brechenden Wogen, Körper man-cher Art, als Muscheln und andere feste Bestandtheilevon Meeresgeschöpfen, auch Bruchstücke von dem Koral-lenbaue selbst, Sand und dergleichen, darauf abwerfen.Diese anfangs losen Bestandtheile verbinden sich zu einerfesten steinigen Masse. Diese Erzeugung von Stein magdem Kalkgehalt der festen Stoffe und vielleicht dem Salz-gehalt des dieselben durchdringenden Wassers, so wie derbrennenden Sonne des westindischen Himmels zuzuschrei-ben sein. Die Erhöhung der natürlichen, auf diese Weisegebildeten Decke der Korallenriffe nimmt so lange zu,