GEMJELDE VON DEM EINFALL DER BARBAREN.
Wir kommen nun auf einen der wichtigsten Punkte unsres geschichtlichen Studiums , aufden Einfall der Barbaren , die das römische Reich umstürzten ; er ist zugleich vielleicht derdunkelste von allen , und der dem Gedäehtniss am meisten Mühe macht. Da es beim HosenLesen eines Buchs kaum möglich ist, diesen Scenen der Unordnung und Verwirrung zu folgen,so hat der Verfasser von diesem Atlas durch das nebenstehende Gemälde versucht, sie auf einedeutliche und einfache Weise vor das Auge zu bringen. Man wird bei einiger Aufmerksamkeitunter den verschiedenen Farben, die es darbietet, sehr leicht die geographischen Umrisse desrömischen Reichs und die Provinzen, aus denen es bestand, erkennen; die Stellen nun, vondenen aus ein jedes der Barbarenvölker sich in Bewegung gesetzt , und wo es sich wiedeniedergelassen , sind auf jenem Schauplatze angedeutet , und der Weg , den es genommenist mit einem farbigen Streifen bezeichnet. So z. B. sieht man, wie die Anglen und Sachsenvon den Mündungen der Elbe aufbrechen , und über den germanischen Ocean nach Britannien!ziehen , wo sie die Heptarchie , d. h. jene sieben Königreiche gründen , deren Namen aufder Carte angegeben sind. Die Franken gehen über den Rhein, dringen in Gallien vor, undbemächtigen sich zuletzt auf Kosten der Burgundier und Westgothen des ganzen Landes ; dieseTtnnan her. auf ihrem Wege die illyrischen Provinzen verheerend, in Schlangen-Sie liessen sich kurze Zeit in dem südlichen Gallienwo ihre Herrschaft bis zu den Siegen der Saracenen
waren von der Donau her, auf ihrem Wege czügen durch Italien dahin gekommen,nieder, und zogen dann nach Spanien ,dauerte etc. etc.
Durch diese neue und einfache Darstellungsweise wird das Studium dieser dunklen Periodeunendlich gefördert, und man gewinnt eine unerwartete Klarheit. Die Verwirrung, die in denBüchern herrscht, verschwindet, das Chaos scheidet sich und die Ordnung wird leicht. Mankann sich ohne Mühe die Ursitze von allen diesen Völkern vergegenwärtigen , ihre Bewegungenin Masse verfolgen, und die Wirkungen davon im Einzelnen betrachten.
Um den Gebrauch dieses Gemäldes noch zu erleichtern und seinen Nutzen vollständig zumachen , haben wir unter demselben eine TabeUe angebracht, wo einem jeden einzelnenBarbarenvolke, das auf der Carte erscheint, eine besondre senkrechte Columne gewidmet ist.Auf der ersten Linie dieser Columnen findet man den ursprünglichen Wohnsitz des Volkesangegeben, auf der zweiten seine Hauptführer, auf der dritten die Provinzen, die es eingenommenoder durchzogen; die folgenden endlich enthalten eine kurze Skizze seiner Geschichte mit derAngabe seines weitern Schicksals.
Man hat auf der TabeUe zur Bezeichnung eines jeden Volkes dieselbe Farbe wie auf derCarte gewählt; nur ist dabei zu bemerken , dass man , bei der geringen Anzahl abstechenderFarben im Verhältniss zu den vielen Völkern , zuweilen genöthigt war, die nämliche Farbefür mehrere anzuwenden. Da man übrigens ihren Namen an den Punkten ihres Auszugs undihrer Ankunft , so wie an der Spitze der Columnen findet , so ist kein Irrthum und keineVerwirrung möglich. Will man sich z. B. mit den Franken beschäftigen , und man hat ihreFarbe auf dem Gemälde gefunden , so verfolgt man nur dieselbe Farbe auf der Tabelle , bisder Name Franken in die Augen fällt, und so umgekehrt. Diess wird hinreichen , um die Cartezu verstehen und leicht zu gebrauchen; wir wollen nun zu einigen allgemeinen Bemerkungenüber die Barbarenvölker übergehen und werden versuchen , sie nach einer Hauptabtheilungzu ordnen.
VON DEN BARBAREN, DEREN ANGRIFFEN DAS ROEMISCHE REICH UNTERLAG.
Wenn man, von den Mündungen des Rheins und der Donau ausgehend, den Lauf beider Flüsseaufwärts mit dem Auge verfolgt und sie in den Gegenden, wo sie entspringen, in Gedankenverbindet, so wird man ziemlich genau die Scheidelinie der Civilisation und der Barbarei inEuropa zu Anfang der christlichen Zeitrechnung gezogen haben.
Auf der einen Seite vereinigten sich alle Reize des Clima's , alle Beseligung des Ueberflusses,alle physischen und geistigen Genüsse , die im Gefolge der Künste und Wissenschaften zu seynpflegen; auf der andern dagegen war nichts als Entbehrung, Mangel an Allem und ein fastewiger Winter über den Gefilden. ~
Wilde Bewohner hielten sich unter dem Obdach dichtergegen das Wetter schlecht verwahrten Hütten als ihrer einzigenihren Unterhalt dem Zufall überlassend, und
reu
Wohnung auf, schweiften hordenweise umher,
schienen mehr der Gestalt als den Fähigkeiten nach dem menschlichen Geschlecht anzngehö
mehr in Bedürfnissen als in Genüssen. Sogar bis auf den Namen sollte
empfanden ihr Daseyn_ _
Alles diese Niedrigkeit bezeichnen ; man nannte jene unglücklichen Wesen Barbaren zumUnterschied von ihren glücklichen Nachbarn , die im Schoosse des Ueberflusses , mit allenWohlthaten der Natur und des Glücks überhäuft, stolz darauf waren , sich mit dem glorreichenNamen Römer zu schmücken.
Wenn man dieses getreue Bild des so getheilten Europa’s betrachtet, so hat man Mühe zubegreifen, wie den Römern noch etwas zu wünschen übrig bleiben konnte; welcher Gegenstandhätte sie aber vollends bei den armseligen Barbaren anlocken können ? Und doch finden wirdiese Römer , denen der Krieg eine Gewohnheit geworden, nachdem er aufgehört hatte fürsie ein Bedürfniss zu seyn , während eines Zeitraums von a5o Jahren , von Augustus anbeständig jenseits der Gränzen , die ihnen die Natur gezogen hatte ; immer beschäftigt jenezerstreuten Horden anzugreifen , zu verfolgen und vor sich her zu jagen. Nach dieser Zeitaber ändert sich das Schauspiel, und wir sehen eine furchtbare Rückwirkung von den gegenNorden zusammengedrängten Barbaren ausgehen. Mangel an Platz mochte sie antreiben, derVerfall des Reichs sie anlocken ; genug sie verlassen in Schwärmen ihre nordischen Höhlen,durchbrechen nun ihrerseits die berühmten Schranken, ergiessen sich gleich reissenden Strümerr
über den Süden , und geben für die zwei hundert und fünfzig Jahre römischer Einfälle zwei! -irr P ~\ kT r
' * zurück. premalcle euererolseu Wancle^iij^ö'«
hundert und fünfzig Jahre barbarischer Verheerung
Umsonst gelingt es einigen tapfern Kaisern , sie von den Gränzen zu verjagen , ja selbstbis in ihre entferntesten Wohnsitze zurückzutreiben ; sie kehren bald gegen minder glückliche,weniger geschickte Nachfolger zurück, und bleiben am Ende die Sieger.
Der mächtige Coloss, der so lange über alle Nationen um sich her die stolze Herrschaft geübt,
Rom fangt an zu wanken ; in seiner Grundfeste untergraben stürzt es endlich unter den
wiederholten Schlägen seiner wilden Feinde zusammen; die Sieger theilen sich in den unermess-l . ^ ", . . y , , -
liehen Nachlass , und in dem Grabe des alten Roms selbst erkennt das aufmerksame Auge die zi/PrldZ tiHP SZ& Sh€/ 7 / ttZezPz&tYjre&CCi?-
Wiege des neuen Europa.
Diess ist im Ganzen genommen die Skizze des berühmten Kampfes zwischen den Römernund ihren schrecklichen Feinden , den Barbaren.
So klar und bündig aber auch diese Hauptzüge erscheinen , so verworren und labyrinthartigsind die Einzelnheiten dieser Geschichte. Wohl haben viele ältere und neuere Schriftsteller übeUrsprung, Namen und Geschichte jener verschiedenen Völker geschrieben , sie weichen aber inihren Meinungen so sehr von einander ab , dass , sie in Einklang bringen wollen , seine Zeitverlieren Hesse. Je mehr man darüber liest, Auszüge macht und nachdenkt, desto grösser wirddie Verwirrung. Wollte man durchaus den Ursprung dieser unsteten Horflen äufsuclien, sowäre es wohl nöthig , sie bis in ihre undurchdringlichen Wälder oder bis in ihre tiefen Sumpf-länder zu verfolgen. Mit jedem Schritte , den man thut , verlieren sich ihre Spuren mehr;unmöglich lässt sich eine vollständige Ordnung unter sie bringen , unmöglich die Stelle ihresersten Auszugs mit voller Genauigkeit bestimmen. Ihre Entstehung verliert sich in der grossenNacht der Zeiten , ihr Name hat sich oft mit dem ihrer Sieger oder ihrer Verbündeten ver-schmolzen , selbst ihre Wohnsitze blieben nie auf lange Zeit fest, und waren bei ihrer Neigungzum Kriegführen und Herumziehen mehr einem Lager zu vergleichen , das mit jedem Siege,mit jeder Niederlage seine Stelle wechselte.
Da übrigens hier der Ort nicht seyn kann, die ungewissen und in Sagen gehüllten Nachrichtenvon jedem einzelnen Barbarenvolke zu verfolgen, und es nicht sowohl darauf ankommt, denNamen und die Entstehung jener Völker mit Gewissheit zu kennen, als die Revolutionen zubetrachten , die sie in der civilisirten Welt hervorgebracht haben, so werden wir jene gelehrtenund mühevollen Untersuchungen bei Seite setzen, und uns darauf beschränken, zur Unter-stützung des Gedächtnisses und Erleichterung des Ueberblicks jene Völker in Gruppen zuordnen. Zu diesem Ende lassen sich sämmtliche Barbaren , die das römische Reich angegriffenhaben, sehr zweckmässig in drei Classen theilen : die europäischen Barbaren , die mittlernund die asiatischen Barbaren.
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TABELLARISCHE DARSTELLUNG DER BARBARISCHEN VOLKER,
Die WESTGOTHEN.
Die GOTHEN.
Die HUNNEN.
NACHRICHT VON DEM ALTEN GALLIEN UND DEN GALLIERN.
So sehr w ir uns auch schon zu wiederholten Malen , und namentlich, wieder auf der linken Columne dieser Tafel, gegen jede zu sehr ins Kleine*gehende Untersuchung alterthümlieher Gegenstände erklärt haben, weilder Nutzen selten die verwendete Zeit aufwiegt, so wollen wir doch denaufgesparten Raum hier dem alten Gallien und seinen Bewohnern wid-men. Der Widerspruch, dessen wir uns vielleicht schuldig machen, magseine Entschuldigung in einer Art von Familiengefühl, von kindlicherVorliehe finden, die uns in Gallien unser ursprüngliches Vaterland, inden Galliern unsre wahren Väter erblicken lässt.
Das Land, das heut zu Tag den schönen Namen Frankreich trägt, unddas so lange unter dem Namen Gallien berühmt war, hatte in ganz alterZeit Bewohner , die sich Celten nannten , und von den Griechen undRömern Gallier geheissen wurden. Ueber den wahren Ursprung dieserVölker , über die Zeit, wann sie Asien, die gemeinsame Wiege allerNationen , verlassen , über den Weg, den sie genommen , und über die'Ableitung ihres Namens finden sich fast eben so viele Meinungen alsverschiedne Schriftsteller , ja es ist merkwürdig zu sehen , mit welcherSpitzfindigkeit oder gewaltsamen Verdrehung Schriftgelehrte und My-thologen , Alferthnmskundige , Sprachforscher und wissenschaftliche< Männer, alle nach ihrer eigenthümlichen Geistesrichtung, die Abkunftunsrer Väter bald von den Enkeln Japhets, bald von Herkules, Uranus ,
1 Pluto , Polyphem etc. herausbringen. Alle bekannten Sprachen dienenihnen zur Ableitung ihres Namens, bald finden sie ihn in ihrer Tapferkeitoder Stärke , bald in ihrem langen Haarwuchs , bald in ihrer weissenGesichtsfarbe , bald endlich in der blonden Farbe der Haare, und inhundert ähnlichen Dingen ; wird nicht sogar der Name Gallus oderHahn von Einigen als ein Beiname, den die Gallier von den Römernerhalten hätten , auf ihr stolzes keckes Wesen , verbunden mit ihrerEitelkeit im Putze , bezogen ? Wir lassen diese verschiednen Ansichtendahin gestellt. Unter den Schriftstellern, die sich mit der Geschichtedieses Volks beschäftigt, findet sich ganz besonders einer, der aus einerlöblichen Vorliebe, aber mit desto weniger Genauigkeit die Gallier schonmehr als 2000 Jahre vor Christus nach Gallien versetzt, sie von da einigeJahrhunderte später den grössten Theil von Europa, als Spanien, Italien,Griechenland und Germanien bevölkern lässt, und indem er sie so zuden Stammvätern aller berühmten Völker des elassisclien Alterthumsmacht, den Ruhm von allen grossen und herrlichen Thaten der altenGeschichte für sie in Anspruch nimmt. Gewiss hat er in seinem über-mässigen Wohlwollen nicht bedacht, dass ein so weitschweifiger Ruhmfür den Nationalstolz wenig Schmeichelndes habe ; was Allen augehört,pflegt man nicht hoch zu schätzen, und das menschliche Herz ist nuneinmal so, dass es durchaus etwas Eigenes, etwas Aussehliessendes ver-langt. Wir gestehen , dass wir diese Schwäche theilen, und daher mehrWerth auf den Schrecken legen, den unsre Väter den Römern einflössten,als auf allen Seitenverwandten-Ruhm , der uns treffen könnte, wenn siewirklich aus einem gemeinschaftlichen Stamm mit uns entsprossenwären. Gerne geben wir die ältern Jahrhunderte auf, in denen es möglichwäre einer solchen Ehre zu begegnen, und fangen die Geschichte derGallier weit später zu einer Zeit an , wo von keiner solchen Verwandt-{Schaft, die Rede seyn kann.
Es ist ein charakteristischer Umstand in der Geschichte unsrer Väter,dass sie nie etwas geschrieben haben. Vielleicht war es eine Nationalabneigung; vielleicht, da wir in viel neuern Zeiten es uns noch zur Ehrerechneten unsern Namen nicht unterzeichnen zu können, geschah esblos aus fortgepflanzter Familienähnlichkeit. Oder wäre es vielleicht einpolitischer Grundsatz der Druiden gewesen, die, um desto leichter dasVolk zu beherrschen, die Wissenschaft für sich allein hätten behaltenwollen ? Dann hätten sie aber doch wenigstens selber geschrieben ; undsollten sie denn in der Tliat viel gewusst haben ? Hesse es sich denken,auch bei der geheimnissvollsten Einrichtung, dass im Verlauf der Jahr-hunderte sich unter ihnen nicht einmal ein Unverschwiegener gefunden,dass hei ihrem Fall wenigstens nicht eine Spur ihrer Kenntnisse an denPag gekommen wäre? War es doch bei den Eingeweihten in Aegypten,bei den Magiern in Persien , bei den Braminen in Indien der Fall! Wiedem aber auch sey, so bleibt es eine unbestreitbare Tliatsaclie, dass vonder Geschichte unsrer Väter nirgends etwas zu finden ist, ausser in denGeschichten ihrer Nachbarn, deren Schrecken sie waren, und die, ohneGefahr der Widerlegung , von ihnen berichten konnten was sie nurwollten. Es kommt übrigens dieser Umstand unserm Nationalstolzinsofern zu Statten , als sich eben deshalb alles Ueble , was sie gesagthaben,'billig bestreiten lässt, während das Gute keinem Verdacht unter-liegt. Sie schilderten die Gallier als Barbaren ohne alle Kenntnisse, abertapfer im höchsten Grade. Nun liegen Unwissenheit und Barbarei in derdamaligen Zeit; und die haben wir seitdem gut gemacht; die Tapferkeitaber liegt im Blute, und die Geschichte von ganz Europa bezeugt, dasswir in dieser Hinsicht ihre würdigen Abkömmlinge sind.
Folgendes berichten uns die griechischen und römischen Annalen.Gegen das Jahr 600 vor Chr. zog ein Schwarm von 3oo,ooo Jüng-lingen , unter der Führung zweier Brüder , Bellovesus und Sigovesus ,Neffen des gallischen Königs Jmbigat, auf Abenteuer aus. Die eineHälfte erstieg die Alpen und gründete jn der Gegend des Po das cisalpi-nische Gallien der Römer, während die andern den Weg über den Rheinnahmen und ihre zahlreichen Sitze bis nach Illyrien ausdehnlen. Sie be-setzten auch Germanien, und gaben wahrscheinlich auf diese Weise denFranken ihre Entstehung, die, als sie 1000 Jahre später Gallien überzogen,nur in ihr eigentliches Vaterland zu ihren alten V erwandten zuriiekkehrten.
Wir haben daher bei dem gallischen Volke den Haupt stamm und zweigrosse Zweige zu unterscheiden : die eigentlichen Gallier, die italischenund die iUyrischen Gallier.
Zuerst von den italischen Galliern. Schon beinahe 200 Jahre hattendes Bellovesus Nachkommen im nördlichen Italien ein für die Geschichtedunkles Daseyn fortgeführt, als eine heftige Eifersucht der Anlass zuihrem Ruhm und zu ihrem Untergang wurde. Nicht weit von ihnen in derIVlitte der Halbinsel fiengen die Römer an sich zu erheben. Beide Völkerwaren sich bis dahin unbekannt gehliehen, und ihre erste Wechselredewar nun ein Streit , ihr erstes Begegnen eine Beleidigung , ihr erstesGegeneinanderstossen ein Kampf auf Tod und Leben. Das Unrecht warübrigens, nach dem Geständniss ihrer eignen Schriftsteller, ganz auf der!
Urland. Das nördliche China.Führer. Der her. Attila , Bleda.Durchzogne Länder. Illyr.,Gallien.
Die Hunnen , von Chiiia’s Gren-zen aufgebrochen, bringen durch
HAUPTABT HEILUNG DER BARBAREN.
Denkt man sich von der krimisehen Halbinsel bis an die Mündungen der Dwina eine unregel-mässige Linie gezogen , so finden sich die europäischen Barbaren zur Linken ; nimmt man eineweitere Linie von den Mündungen des Don bis zu denen des Obflusses , so liegen die asiatischenBarbaren zur Rechten ; den Zwischenraum zwischen beiden Linien neliman alsdann diemittlern Barbaren ein.
Europäische Barbaren.
Die europäischen Barbarenoder die Germanen waren durchihre schone Gestalt, durch ihreweisse Haut und langen Haarebemerklich.
Die allgemeine Sprache dieserVölker in mehrern verschiednenDialekten war das Deutsche.
Sie nährten sich von der Jagd,lebten unter Hütten, und wech-|selten ihre Wohnplätze nur wenndie Umstände sie nöthigten.
Sie trugen anliegende Kleider.Sie hatten nur ein Weib. Ihregrösste Streitkraft im Kriege setz-ten sie in das Fussvolk.
Unter der allgemeinen Benen-nung europäische Barbaren sinddie Franken, die Alemannen, dieGothen mit ihrer Untereinthei-lung in Westgothen , Ostgothenund Gepiden , ferner die Longo-1barden , Vandalen , Burgundio-1neu , Sueven , Heruler, Quaden,Markmannen , Anglen , Sach-sen , Dänen und Normannen zubegreifen.
Mittlere Barbaren .
Die mittlern Barbaren oderdie Scythen und Sarmaten ver-banden mit der Farbe und Ge-stalt der europäischen Barbarendie Sprache und Sitten der asia-tischen. Sie standen in derMitte, Iund bildeten so das Band zwi-schen jenen beiden ganz ver-schiednen Menschengattungen.
Da sie beständig südwärts zo-gen , so führten sie den Völker-rnassen rechts und links immer Jneuen Zuwachs zu, und nahmendie Stellen ein, die diese bei ih-ren Auszügen hinter sich leergelassen.
Unter der allgemeinen Benennung mittlere Barbaren sinddieSlaven, Wenden, Bulgaren,Bosnier, Servier, Croaten, Polen und Russen zu begreifen.
N. B. Die drei oben an derSpitze der Columnen befindli-chen Fahnen verweisen auf dreiganz gleiche, die auf der CarteJ angebracht sind.
Asiatische Barbaren.
Die asiatischen Barbaren oderdie Tartaren zeichneten sichdurch eine unedlere Gestalt desKörpers und durch die brauneoder dunkelbraune Farbe derHaut aus.
Ihre gemeinsame Sprache inverschiedenen Dialekten wardie slavische.
Sie waren Hirten, und lebtenals solche mitten unter ihrenzahlreichen Heerden, für die sieimmer neue Weiden aufsuch-ten. Sie lagerten sich unter be-weglichen Zelten, trugen weitefliegende Kleider, hatten meh-rere Weiher und setzten ihreHauptstreitkraft in die Reiterei.Kurz sie waren in Allem dasGegenspiel der europäischenVölker.
Unter der allgemeinen Be-nennung asiatische Barbarensind die Hunnen, Alanen, Avareu , Hungaren und Türken zubegreifen.
Diesen könnte man noch dieSaracenen oder Araber beifugen , die aber dem südlichenAsien angehören.
ihre Stösse die Alanen in Bewegung,vertreiben die Gothen aus demReich, das der alte Herrnanrich imNorden der Donau gegründet hatte,und verursachen durch ihren An-drang jene heftigen Versetzungender Barbaren Völker , die den Falldes römischen Reichs und dieGriin-dung der neuern Nationen zur Fol -ge haben.
Unter Attila ’s Anführung bildendie Hunnen ein ungeheures Reichvon der Donau bis an das baltischeMeer, von den Ufern des Rheinsbis an die Küsten des östlichenOceans. Da aber dieser Fürst, dendie erschrockenen Völker Gottes-Geisel nannten , mit 700,000 Bar-baren in Gallien einfiel, erlitt er imJahr 451 in den Ebenen von Chä-lons oder der Landschaft Sologneunweit Orleans , durch den römi-schen Feldherrn Aetius, mit Hülfeder Franken unter Meroveus undder Westgothen unter Tlieodorich,eine gänzliche Niederlage. Ueberdreimal hunderttausend Mann sollAttila in diesem Treffen verlorenhaben ; dennoch machte er im dar-auf folgenden Jahr einen Einfall inItalien und drang bis gegen Rom, woihn die Bitten des Papstes Leo von
Urland. Das südliche Schweden.
Hermanrich , Athanarich.Durchz. Land. Dacien, Illyrien.
Der Name Gothen ist die all-gemeine Benennung für mehrere
aus einem gemeinschaftlichenStamme entsprungenen Barba-renhorden. Dahin gehören beson-ders die Westgothen , die Ost-gotlien und die Gepiden. Schwe-den soll ihr Vaterland gewesenseyn; noch jetzt findet sich dortdie Landschaft Gothland mitOst - und Westgothland.
Schon im Jahr 260 hatten sichdiese Völker an den Ufern desNiester festgesetzt, und beunru-higten das römische Reich; Kai-ser Decius fiel mit seinem Sohnein einer Schlacht gegen sie.
Hermanrich , der Gothen Held,hatte das sonderbare Schicksal,noch in seinem achtzigsten JahrEroberer pu werden : in einemAlter, wo man gewöhnlich darandenkt das Leben zu verlassen,fing er erst an, den Grund zu ei-ner Monarchie zu legen, die sichdurch seine Eroberungen baldvon den Ufern der Donau bis andas Eismeer ausdehnte. Er warhundert und zehn Jahre alt, alser bei dem unerwarteten Ein-bruch der Hunnen ums Lebenkam, denen es glückte, mit demselben Stoss auch sein Reich umzustürzen.
der Belagerung der Stadt abhielten.
Darauf kehrte er, vom Raube schwer beladen , nach seinem könig-lichen Dorf in Pannonien zurück , und starb im Jahr 453. DieSoldaten legten seinen Leichnam in einen goldnen Sarg , diesen ineinen silbernen, beide dann in einen bleiernen. Sclaven mussten ineiner Einöde das Grab bereiten. Die Arbeiter wurden erwürgt, aufdass der Ort des Begräbnisses geheim bliebe.
Nach Attila’s Tode löste sich sein Reich auf, und die Hunnenvermischten und verloren sieb unter den vielen Völkerschaften, diesie unterjocht hatten.
Dauer. Sie erscheinen im Jahr 37a und endigen gegen 460.
Urland. Das südliche Schweden.Fritigern, der berühmte AlarichD. L. Italien, Gallien , Spanien.
Die Westgothen , von denHunnen geschlagen und verfolgt,erhielten von dem Hofe zu Con-stantinopel die Erlaubniss, überdie Donau zu gehen und sich inThrareien niederzulassen; kaumaber hatten sie dort Fuss gefasst,als sie sich empörten und KaiserValens , der ihnen entgegenzog,mit seinem Heere unter denMauern von Adrianopel den Un-tergang fand.
Glücklicher war Theodosius,der sie unterwarf und währendseiner Regierung in Ruhe erhielt.Nach seinem Tode aber brachensie unter dem berühmten Alarichwieder auf, verheerten die illy-rischen Provinzen und Italien,kamen bis nach Rom , das sieplünderten, zogen dann über dieAlpen und liessen sich, 4 5 Jahrenach ihrem Uebergang über dieDonau, im südlichen Gallien nie-der. Von da gingen sie bald überdie Pyrenäen , und über denTrümmern der Alanen , Suevenund Vanualen erhob sich ihr bei-nahe drei hundert Jahre dauern-des Reich, das endlich den ausAfrica gekommenen Saracenenunterlag.
Alarich starb zu Cosenza imsüdlichen Italien ; sein Heer lei-tete den dortigen Fluss ab, 11mden Fürsten zu begraben , undgab ihm dann den vorigen Laufwieder. Es war eine wichtigeSorge hei diesen Völkern , dieUeberreste ihrer grossen Männerder Welt zu verbergen.
Siehe den Tod und die Begräb-nissart des Attila in der Columnevon den Hunnen hier zur Linken
Dauer. Von 376 bis 712.
Die OSTGOTHEN.
Urland. Das südliche Schweden.
Führer. Theodorich.Durchzogne Länder. Illyr., Ital.
Die Ostgothen , nachdem sieeinige Zeit den Hunnen unter-worfen waren , erlangten nachAttila’s Tode ihre Unabhängig-keit wieder, folgten den Voran-gegangenen Westgothen über dieDonau, und liessen sich in Moe-sien nieder.
Theodorich der Grosse, derHeld dieses Volks , war als Gei-sel am Hofe zu Constantinopelerzögen worden, und erwies demKaiser Zeno grosse Dienste. Die-ser adoptirte ihn, bewilligte ihmdie Ehren des Triumphs , undtlieilte ihm sogar Italien zu, woerst kurz Odoacher, der Königder Heruler, dem weströmischenReiche ein Ende gemacht hatte.Theodorich blieb Sieger im Kam-pfe gegen Odoacher, und wardder Gründer einer neuen Monar-chie , die er durch Gesetze befe-stigte , durch »weise Sorgfalt inBlüthe brachte.
Der berühmte Cassiodorius ,,durch Geist und Wissenschaftausgezeichnet, war der Canzlerdieses Fürsten.
Sechzig Jahre nach Gründungdes Reichs wurde die ostgothi-sche Macht durch Narses , Feld-herrn des morgenländischen Kai-sers Justin, zerstört.
Jornandes , der im sechstenJahrhundert lebte, Seeretär derKönige und später Bischof vonRavenna war, hat die Geschichtedieses Volks geschrieben.
Siehe die Geographie der Ge-■ schichte Taf. 3 dieses Werks.
Siehe auch Gibbon in seinerGeschichte vom Verfall des rö-mischen Reichs.
Dauer. Von 493. bis 553.
die das römische reich
ß e Alanen.
ÜBERZOGEN, URSITZE, ANFÜHRER, SCHICKSALE UND ENDE DIESER VÖLKER
' rw„ ANGEL-SACHSEN. | Die S
Die LONGOBARDEN.
Die Küsten des halt. Meers.
Führer. Albotn.
Durchz. Länd. Illyrien, Italien.
Die Longobarden , deren Va-terland man an die baltischenKüsten verlegt, und die auf ih-rem Zuge gegen Süden die He-ruler zerstörten, erhielten vomKaiser Justinian, um sie den Ge-piden entgegenzusetzen, Wohn-sitze in Pannonien.
Bald kam es zwischen beidenVölkern zum Kampf, der mitder völligen Vernichtung derGepiden endigte.
Narses, der sich über Justinund die Kaiserin Sophie zu be-klagen hatte, rief später die Lon-gobarden nach Italien. An ihrerSpitze zo gAlboin, den das Heernach der Einnahme von Pa via,Mailand etc. zum König ansrief.
Das longobardische Reich,das beinahe das ganze nördlicheItalien umfasste, bestand gegen200 Jahre und ward durch Carlden Grossen zerstört. Deside-rius war der letzte longobardi-sche König.
Siehe das Gemälde der neuernWeltgeschichte , Tafel 2 , unddie Geographie der Geschichte,Tafel 3 dieses Werks.
Die Longobarden haben eineSammlung von Gesetzen und Ge-bräuchen hinterlassen , die , inBetracht der Zeit da sie ein-geführt worden , merkwürdigsind ; besonders zeichnen sichdie Bestimmungen über Lehenund Feudalgebräuche aus, die,nach mehrern Schriftstellern, heiden Longobarden zuerst anfge-kommen seyn sollen.
Siehe Gibbons Geschichte vomVerfall des römischen Reichs.
Dauer. Von 568 bis 774.
!' Küst m des easp. Meers.Resj^diMj Gunderich.D. ^dlien u. Spanien.
H^ ^asten, die ausihrefl filzen jenseits desDon den Küsten descaspÄen Meers vonden Hunnen vertriebenworö e «, schlossen sichnachdem kurzen Auf-entl^fl in Pannoniendem^gehenren Völker-scht^e unter Rade-gast^ n 5 nach der grossenNieH^age aber, die die-ser ^Italien erlitt, zogder e Er res t über denRb* n uacb Gallien,draflp ei *dlich bis überdie P^näen u. lies« sichim etlichen SpanienniecM- Ihre Existenzwar a Er von keinerDaü^ö s ie verschwan-den P ls auf ( j en Flamenvor Vi* 1 ^gera , denNasalen, dieWall*« Führung ansGalfi en Kamen.
Iailerj wa ren diegrausten Und blut _■gier# unter allenBarh^u - Horden „ dieZWl5 f,vierten u.fünft* Jahrhundert diecivi# lrte Welt über-sch^Euiten.
das Gemälde der' ,e o j elt g<*eHidbte,’ ie Geographieder ^Vhte , Taf. 3
dies^ Werks, und Gi}>bon Lll J chichte vom
Ver ( ^ es römischenR eic» s -
Daud' Von 3 7 6 bis 417
Die BURGUNDIER. 1 Die VANDALEN. I Die SUEVEN.
Küsten des halt. Meers.Führer. Gundechar.Deutschland, Gallien.
j Küsten des halt. Meers.Führer. Hermanrich*Gallien, Spanien.
Küsten des halt. Meers.
Führer. Genserich.
Gallien, Spanien, Africa.
Die Burgundier , Sueven und Vandalen verlassen im fünften Jahrhun-dert ihre Wohnsitze am baltischen Meere , und nachdem sie auf ihremZuge gen Süden die Alanen aufgenommen , gehen sie über die Alpen,ergiessen sich in Italien und theilen sidh dort in zwei Hauptmassen, wovondie eine die Länder am Poflnss verheert, während die andre unter demberühm teil Radegast , der Beschreibung nach ein wahres Wunder an Gestaltund Stärke, sich gegen Florenz zur Belagerung wendet. Schon ist dieunglückliche Stadt ihrem Falle nah , als der tapfre römische FeldherrStilichon herbeieilt, und sie durch die berühmte Schlacht befreit, in derRadegast beinahe mit seiner ganzen zahllosen Schaar umkommt. Nunziehen sich die rückwärts gebliebenen Barbarenschwärme nach Germanien,und irren dort auf gut Glück umher , bis sie durch einige Ueberläufervon dem ihnen unbekannten Gallien erfahren ; alsbald nehmen sie dieRichtung gegen den Rhein und beginnen ihren Raubzng in jene neuenGegenden.
Siehe Gibbons treffliche Geschichte von der Grösse , dem Verfall unddem Untergang des römischen Reichs.
Die Burgundier blei-1ben im südöstlichen Gal-lien zurück , und grün-den dort in der Nähe desfränkischen ein Reich,das sich über hundertJahre erhält, bis es derMacht des erstem unter-liegt.
Von Gombald oderGondebald, einem ihrerKönige , rührt die be-rühmte Sammlung vonGesetzen u.Gebräuchen,eine höchst schätzbareUrkunde, her, die v. denHistorikern gemeinig-lich das GundbadischeGesetz genannt wird.
Siehe die Geographieder Geschichte Tafel 3dieses Werks und Gibbons Geschichte desVerfalls des römischenReichs.
Dauer.Yo n 4 r3 bis 536.
Die V andalen ziehendurch Gallien über diePyrenäen , lassen sichkurze Zeit im südlichenSpanien nieder , setzendann über die Meerengenach Africa , verheerendie römischen Provin-1, gründen über Car-thago’s Trümmern einReich, schiffen sich wie-der nach Italien ein undnehmen Rom mit Sturm,nach sechs hundert Jah-ren als Rächer des altenCarthago. Nun kehrendiese Barbaren , derenZerstörungswut sprichwörtlich geworden,nachAfrica zurück , wo ihreMonarchie nach einerDauer von mehr als hun-dert Jahren durch Beli-sar, den berühmten Feld-herrn Justinians , zer-stört wird.
Dauer. Von 409IÜ8 534
Die Sueven dringenals Gesellen des Verhee-rungszugs zugleich mitden Alanen und Vanda-len in Spanien ein, setzensich im westlichen Thei-le fest, und gründen einReich , das nach hun-dert und achtzig Jahrenvon den Westgothen zer-stört wird.
Von allen Barbaren-Völkern, die in das römi-sche Reich eindrangen,hat vielleicht keines eineweniger bedeutende Ge-schichte.
Siehe das Gemälde derneuern Weltgeschichte,Taf. 2, und die Geogra-phie der Geschichte, Ta-fel 3 dieses Werks. AuchGibbons Geschichte desVerfalls des römischenReichs.
Dauer.Yon 409bis 582.
Die FRANKEN,
Die Ufer des Rheins u. d. Weser.Führer.Pharamnnd, Chlodwtch.Ueberzogne Länder. Gallien.
Die Franken, über deren Ur-sprung eine Menge verschiednerMeinungen ausgestellt worden,waren, der allgemeinernMeinungzufolge , ein Bund von mehrerngermanischen Völkerschaftenzwischen dem Rhein und derWeser, die sich zur Behauptungihrer Unabhängigkeit gegen dieRömer vereinigt hatten.
Nach langen und vielfältigenKämpfen mit den Letztem ge-lang es ihnen, sogar mit Bewil-ligung der Kaiser, auf dem lin-ken Rheinufer festen Fuss zu fas-sen , von wo sie aümählig unterBegünstigung der Unruhen unddes Verfalls des Reichs weitervordrangen. Man fängt gemei-niglich ihre Geschichte und denZeitpunkt der Gründung derfränkischen Monarchie mit Pha-ramund, einem ihrer Führer,gegen das Jahr 420 an.
Chlodwich, einer von seinenNachfolgern , unterwarf dengrössten Theil von Gallien, wardder Held seines Stammes und isteigentlich als der Gründer desfränkischen Reichs anzusehen.
Vielleicht ist die Bemerkunghier nicht uninteressant, dassunter allen Barbarenvölkern, diedas römische Reich eingenom-men , die Franken und dieAnglcndie einzigen sind, die die Revo-lutionen der Zeit überlebt undmit ihrer Selbstständigkeit auchihre Namen bis auf den heutigenTag gebracht haben.
Ausser den allgemeinen Ueber-sichten dieses Werks siehe nochdie 3 besondern genealogischenTabellen No. 9,10 und 11.Dauer. V. 420 bis a. d. lieut.Zeit.
Die ANGEL-SACHSEN.
Ursitze. Die Ufer der Elbe.
Führer. Hengist und Horsa.Ueberzogne Länder. Britannien.
Die Anglen und Sachsen leb-ten an den Mündungen der Elbe,als sie von den Britten zu Hülfegerufen wurden, die, nachdemdie Römer das Land verlassen,allein nicht mehr im Stande wa-ren , sich gegen ihre Nachbarn,die Picten und Scoten, zu ver-theidigen.
Unter Anführung zweier Brü-der , Hengist und Horsa, lande-ten nun die Anglen und Sachsenin Britannien ; anstatt aber dasLand zu schützen, eroberten siees für sieh mit Hülfe andrer Völ-kerschaften, die ihnen bald nach-folgten. Sieben verschiedene Kö-nigreiche bildeten sich auf dieseWeise in Britannien, die unterdem Namen der Heptarchie be-kannt sind. Im Verlauf der Zeitaber erfolgte die Vereinigung al-ler dieser Reiche theils durchErbschaft theils durch Erobe-rung unter dem einzigen Egbert.Mit ihm beginnt die englischeMonarchie, die bis auf den heu-tigen Tag fortbesteht.
Georg III ., der kurz verstorbneKönig, war ein Lineal-Abkömm-ling und Erbe jenes Egbert. Zwi-schen ihnen liegen fünfzig Kö-nige und sechs und dreissig Ge-nerationen , deren man ein undfünfzig seit Hengist und Horsazählt.
Von der englischen Geschichtefindet sich das Allgemeine aufTaf. 2, 3 und 4, die Ausführungdes Einzelnen auf der chronolo-gischen und auf der geographi-schen Specialcarte dieses LandesTaf. i3 und 14.
Dauer. Von 460 bis auf denheutigen Tag.
SARACENEN.
Ursitze. Arabien.
Führer. Ahnheer, Abderacliman.
Africa , Spanien , Gallien.
Die Saracenen , oder die un-ter Mahomed vereinigten arabi-schen Stämme, gelangten in ganzkurzer Zeit unter der Anführungder Califen, ihrer Statthalter undNachfolger, zur Eroberung einesungeheuren Gebietes. Währendsie im Osten Persien und Syrienunterwarfen und bis vor die Tho-re von Constantinopel drangen,überschwemmten sie auf der an-dern Seite Aegypten, Africa, dieInseln des Mittelmeers, Spanienund ergossen sich bis nachFrank-reicli, wo ihnen nur die Tapfer-keit und Geschicklichkeit CarlMarteis Einhalt zu thun ver-mochte. Sie erlitten in der Ge-gend von Poitiers eine vollstän-dige Niederlage, worauf sie sichnach Spanien zurückzogen undüber den Trümmern der West-gothen ein 780 Jahre mit mehroder minderm Glanze dauerndesReich gründeten. Durch Fer-dinand und Isabelle wurden sieendlich theils unterworfen theilsvertrieben, nachdem sie im Jahr1492 auch das Reich Granada,ihre letzte Zuflucht , verlorenhatten. Das Reich der Saracenenin Asien wurde von den Tartarenim J. 1248 zerstört. Nichts alsder Name (und zwar könnte mansagen der verrufene Name) istuns von diesem mächtigen Volkegehlieben , das einem grossenTheil der Erde Gesetze gab. Dochverdienen die Saracenen vonBag-dad, zur ZeitHarun-al-Rasclnds,einer rühmlichen Erwähnung, dasie den Künsten u. Wissenschaf-ten einen obwohl nur augenblick-lichen Glanz verschafften.
Dauer. Von 632 bis 1492.
ANDRE BARBARISCHE NATIONEN. ..eine Verbindung vieler germanischer StämmeAlemanni , allerlei Mannen. Nach Einigen käme jedoch dieser Namevon dem Fluss Altmühl in Franken , der ehemals Alemanus hiess.Die Alemannen versuchten mehrere Angriffe auf Italien und Gallien,wurden aber am Ende durch Julian 876 zurückgetrieben , undChlodwig schlug und unterwarf sie 496 hei Zülpich. Von der Zeit an
blieben sie in ihrem Vaterlande , und. noch jetzt bezeichnen die Fran-zosen mit ihrem Namen sämmtliche deutsche Völker.
Die Alemannen, f Die Gepiden hatten einen gemeinschaftlichen Ursprung und nahen Zusammenhang mit den Westdaher der Name| gothen, von denen sie sieh trennten , nachdem sie aus Schweden in Germanien angelangt waren. ^
Die Heruler , einer von den vielen Völkerstämmen auf germanischem Boden , sollen von den LongobM’ ^zerstört worden seyn. Zwar nennt man gewöhnlich Odoacher , der das abendländische Reich umstürzte 1 ^König der Heruler ; er war aber eigentlichmur ein Heruler von Gehurt, und stand im Dienste der Kaiser -eine Menge barbarischer Miethtruppen. Da er sich nun anAugustulus absetzte , nahm er den Titel König der Heruler an.
Die Avaren , von den Türken ausDie Bulgaren , ein scythisches Wandervolk
verschiednen Abtheilungen die Croaten
Mähren ,
- und an die Ufer der Donau , wo
lachen etc. bildeten. , ^
Die Wenden und Slaven lebten an den Küsten des baltiscb ^ ®d Norwegens , brachtenDie Djenen und Normannen , Völker von den Seekusten u Küsten landeten die-
im neumen und sehnten Jahrhundert Unheil nher Baropa, da sie ^^maeldand und
der Spitze derselben empörte und den E aiSer j Strome hinaufschifften, nnd die Länder durch Raub und Brand verwüsteten.
8 Asien vertrieben, erscheinen in derMitte des sechsten Jahrhunderts an derDoH^'folgten den Avaren gegen Ende des siebenten Jahrhur 10
Frankreich erfuhren dieses Loos ; in England und Irland brachen sie ein.
Die Hungaren kamen gegen das Ende des neunten Jahrhunderts aus dem Osten er 0 gaKer , und versetzten lange Zeit das griechische Reich und Deutschland in Noth. Vie e sm
Wal- { geneigt, sie für ein türkisches Wandervolk zu halten , ja man geht so weit, ihnen sogar einenI gemeinsamen Ursprung mit den Lappen zu gehen. Woher käme aber denn heut zu Tag ihr\ ungeheurer Unterschied ? Sollten sich die Ungarn durch Vermischung mit den andern Völkernso sehr in ihrem Aeussern vervollkommnet haben, oder wären die Lappen durch die Strengedes Clima’s und die Armseligkeit des Landes so sehr in dem ihrigen heruntergekommen ?
Die Türken wohnten am Fusse des Imaus im mittlern Asien; erst Sklaven einer scytliischenHorde, empören sie sich gegen diese, gelangen selbst zur Herrschaft und unterwerfen Alles umsich her. Ihre Fürsten , mit dem Titel Sultane, werfen sich mit Gewalt zu Statthaltern derCalifen von Bagdad auf, dringen in Kleinasien ein und endlich bis nach Constantinopel.
Seite der Römer. Brennus , der gallische Fürst, belagerte Clusium , eine vonRom nicht gar entfernte Stadt., als römische Gesandte zu ihm kamen und ihnmit übermüthigen Worten aufforderten, davon abzustehn. Da er sieh weigerte,verletzten sie das Völkerrecht, begaben sich auf eine hinterlistige Weise in dieFestung , erschienen an der Spitze der Belagerten nnd tödteten sogar mit eignerHand mehrere gallische Häuptlinge ; der Senat aber billigte ihr Betragen.
Brennus liess nun Clusium und zog gegen Rom ; die Römer wurden in Stückegehauen , ihre Stadt geplündert und verbrannt; nur ein Felsen und eine HandvollVertheidiger blieben noch der aufkeimenden Republik ; aber dieser Felsen wardas Capitol und diese Handvoll Vertheidiger waren Römer; sie sollten noch dieHerrn der Welt werden. Wenig fehlte freilich damals, so wäre Rom mit seinerkünftigen Grösse, das jetzt so berühmte Rom , in der W iege erstickt worden.Unaufgehalten wären nichts desto weniger die Jahrhunderte vorübergezogen,aber freilich hätte sich Alles anders gefügt; von andern Begebenheiten , vonandern Menschen würden wir lesen, und, gestehen wir nur, es möchte ihnenschwer geworden seyn , ein so grosses Schauspiel darzubieten, eine so gewaltigeGeschichte zu bilden , wie die Römer gethan haben.
Der Kampf, der unter Brennus zwischen beiden Völkern begonnen, zog sichdurch 200 Jahre fort, und die Blätter der römischen Geschichte sind in diesemlangen Zeitraum mit beständigen Angriffen und unzähligen Gefechten angefüllt.Ohne Zweifel wird das Nationalgefühl hierbei oft der Wahrheit in den TV eggetreten seyn, manche Niederlage verkleinert, manchen Sieg übertrieben haben;nur den Hass der Römer, ihren Schrecken und ihre Besorgnisse darf man fürgewiss annehmen ; Gefühle, die sich jeden Augenblick in ihren ausserordent-lichen Massregeln offenbaren. Hatten sie nicht einen öffentlichen Schatz ganzallein zum Kriege gegen ihre furchtbaren.Feinde bestimmt, wären nicht besondreOpfer für diese Fälle erdacht, und sind nicht sechs bis acht Dictaturen Beweisegenug , wie nahe die Gefahr sie oft drängte ? Roms Einnahme und Plünderungdurch Brennus konnten sie nicht aus dem Sinn bringen. Aber ausser dieserCatastrophe , die sie nicht leugnen können, ob sie sich gleich bemühen sie zubemänteln , findet man noch in ihren Annalen das Geständniss , dass die Gallierbei Clusium im Jahr 295 eine ganze Legion und bei der Belagerung von Arezzo,im J. 254 , 13,ooo Römer niedermacliten, ihr ganzer Einfluss auf die schreck-liche Niederlage bei Cannae wird zugegeben und eben so wenig verhehlt, wie sieim darauf folgenden Jahre 2 5,000 Römer in dem Walde Litana aufgerieben.
Diesen Hauptthaten der Gallier i n dem blutigen K ampfe stehen nun freilich auchzahlreiche Niederlagen, schreckliche Unfälle gegenüber, unter denen der Tag LeiTelamon endlich ihr Schicksal entschied. Ihre ganze Macht wurde erdrückt, diebeiden K önige, die sie anführten, gaben sich den Tod. Gleich darnach gingen dieRömer zum erstenmal über den Po, besetzten nach und nach das Cisalpinische, nah-men die Haupstadt Mailand ein, u. unterwarfen vollends die Einwohner des Landes.
Wenden wir uns nun zu den illyrischen Gaüiern, so finden wir, dass sie nichtweniger berühmt, aber auch nicht weniger unglücklich waren als die italienischen.
Dreihundert Jahre hatten sieb die Nachkommen des Sigovesus in den Gegendender Donau nngekannt aufgehalten, als der Geist der Wanderung, der ihre Väterbelebt hatte, auch sie nach fremden Ländern trieb. Da fiel ein Haufen von ihnenüber Maeedonien her, schlug, tödtete den König, und durchzog die Provinzen,während andre in Griechenland eindrangen , und trotz dem eines Leonidaswürdigen Widerstand der Griechen den delphischen Tempel plünderten. Anden Pforten von Byzanz gründete eine Rotte dieser Abenteurer ein kurzdauerndesReich, andre gingen über den llellespont und legten in Asien , in dem Lande,das von ihnen den Namen Galatia erhielt, den Grund zu einer Macht , dieSchrecken und Verderben um sich her verbreitete. Die Siege der Gallier in Asien,was sie in Italien , in Sicilien , in Maeedonien und Africa vollfülirten , machtenbald ihren Namen berühmt, der Ruf ihrer Tapferkeit verbreitete sich überall.Unter alle Fahnen vetlangte man Gallier als sichre Bürgen des Sieges. So erschienennun in allen Theilen der bekannten Welt gallische Streitkräfte, aber in so wenigerVerbindung unter sich und dabei in so grosser Anzahl, dass ein neuerer Schrift-steller , aber mit Unrecht, auf den Gedanken gekommen , der Name Gallier seyblos eine allgemeine Benennung gewesen, mit der die Römer jeden unbekannter,und ihnen furchtbaren Feind bezeichnet hätten.
So viel kühner Muth , so viele Tapferkeit und Helden thaten konnten jedochdie Gallier nicht vor dem Joch der Römer schützen. Die Zeit war gekommen,wo sich alle Völker vor ihrer unwiderstehlichen Macht beugen sollten.
Fünfhundert Jahre lang hatte Rom um seine Wiege her zur Vergrößerungseines Gebiets mühsam gekämpft ; es war Herr von der ganzen italischen Halb-insel,und stand als Coloss den übrigen Völkern gegenüber. Jetzt kamen-die Römernach Asien, und die dortigen Gallier, jene den Nachbarvölkern so furchtbarenGalater, erlitten bald eine Niederlage, von der sie sich nie wieder erholten. Auchdie Scordisker und Tauris ker, gallische Stämme, die an der Donau gebliebenoder nach Thracien vorgerückt waren , erfuhren ähnliche Schläge , nachdemMaeedonien eine römische Provinz und sie Nachbarn der Legionen geworden.Auf diese Weise endigten nun die berühmten Nachkommen der Gefährten desBellovesus und Sigovesus , als ein denkwürdiges Beispiel, wie wenig Muth alleinausreicht, wenn nicht ein weiser Sinn ihn leitet. Hat doch SaUust, der grössterömische Geschichtschreiber, ohne Bedenken ausgesprochen, dass die Römervon den Galliern in dem Waffenruhm übertroffen worden, wie ihnen die Griechenan Erzeugnissen des Geistes voranstanden, und der einsichtsvolle Polvb bemerkt,dass die Römer ihre Kriegskunst hauptsächlich den Galliern zu verdanken haben.Alle alten Schriftsteller endlich kommen darin überein, dass, wenn diese VölkerKriegszuclit und Vorsicht gekannt, wenn sie eine Vereinigung, einen National-geist und einen ihrer würdigen Führer gehabt hätten, sie mit ihrer Tapferkeitdie Welt würden erobert haben. Aber von all diesen Eigenschaften lag nur derMuth in ihrem Wesen, die andern seidenen sogar ihrem Charakter geradezu zuwidersprechen; die verschiedenen Zweige der streitbaren Gallier, die wir erwähntaben , standen niemals in irgend einer Nationalberührung, ja sie bekämpftensich oft einander selbst, und nie warein Einverständniss, ein gemeinschaftlicherPlan in ihren Unternehmungen ; darum mussten sie auch unterliegen.
Nachdem alle gallischen Colonien bezwungen waren, fingen die Gefahren desMutterlandes an. Der Name Gallier hörte nicht auf die Römer zu beunruhigen,und ihre eingewurzelte Politik trieb sie stets zur Weltherrschaft an; sie ergriffendaher die nächste günstige Gelegenheit, gegen jene Feinde zu ziehen, und alsdas von seinen Nachbarn gedrängte Massilia um römische Hülfe bat, eilten siedie Alpen herab und griffen die Gallier an. Aix und Narbonne wurden gegründet,Tolosa eingenommen , wo Caepio unermessliche Schätze fand; doch war diess nurdas Vorspiel grossem Unglücks für das gallische Volk, nur das Signal zu seinerspätem Unterjochung ; seine Bestimmung reifte. Im eignen Lande angegriffen,ohne Vereinigungspunkt, ohne politische Einsicht, mussten sie der tiefenGeschicklichkeit des colossalen Roms nothwendig unterliegen. Alles vereinigtesieh gegen sie, sogar der Fall der Republik , der sich damals bereitete ; denn erwar mit auf ihr eignes Verderben berechnet. Caesar nämlich , der im Geheimenden Gedanken hegte, sein Vaterland zu unterjochen, bedurfte dazu krieggeübteTruppen, ungeheure Schätze, zahlreiche AUiirten und einen persönlichen Waffen-ruhm , der seinem Riesenplan entspräche. All dieses schien ihm nun die EroberungGalliens zu bieten , und er mochte sich desshalb die Provinz gleiches Namens vonden Leiden andern Triumvirn haben zutheilen lassen, die, in der stürmischenNachbarschaft der Gallier nur Anlässe zu Verlegenheiten erblickend , leichtdarein willigten ,und vielleicht des guten Handels froh, ihren CoUegen anzuführenmeinten , von dem sie eben überlistet wurden.
Caesars Feldzug in jenem Lande bietet nun das glänzende, lebhaft bewegteSchauspiel eines anhaltenden Kampfes dar, welchen Genie, Taktik, Ordnungund Kriegszucht gegen einen wilden , unbedachtsamen und blinden , aber soausserordentlichen Muth führten , dass er dem Helden selbst Bewundrungabnüthigte. Man muss seinen eignen Commentar darüber lesen , wovon hierAuszüge zu geben nicht am Platz wäre. Dort wird man sehen, dass die Gallierihre Vorfahren noch nicht verleugnet hatten , dass sie noch dieselben warenwie damals, als sie unter Brennus Rom eingenommen, dass sie aber auch mitdenselben guten Eigenschaften die nämlichen Fehler verbanden. Die Römerdagegen waren unterdessen um eine dreihundertjährige wohlangelegte Erfahrungreicher geworden ; der Fall der Gallier war daher sehr natürlich ; doch blieb ihnennoch der traurige Trost, die Art von Ruhm, dass sie nur einem der schönstenCharaktere des Altertlmms , dem berühmtesten Römer , dem Caesar unterlagen.
So viel als historische Skizze von einem Volke , von dem wir unstreitig , seyes nun als unmittelbare Nachkommen oder durch zufällige Vermischung, ab-stammen. Wem aber für diese Behauptung die Thatsaclien der Geschichte nichtgenügen , der mag in der Familienähnlichkeit mit dem Bilde der alten Galliereine weitere Bestätigung finden. Alle griechischen und römischen Geschicht-schreiber berichten einstimmig, dass die Gallier unbeständig, leichtsinnig, nachNeuem begierig waren , mit lustigem Sinne Gefahren trotzend , so unwider-stehlich im Gluck als leicht zu entmuthigen durch Hindernisse, und ohne alleFestigkeit im Unglück. Wi r finden sie gastfrei und leutselig hei sich, bei Fremdenherrisch, rasch eine Unbild zu rächen, noch rascher vielleicht Streit anzufangen,unruhig, schwer zu befriedigen, immer zum Tadel, zum feindlichen Neckenihrer Führer geneigt, die sie als das gemeinschaftliche Pfand ihrer Sicherheit undRuhe hätten in Schutz nehmen sollen ; Menschen , die die herrlichsten Thatenmehr aus Neigung als aus Pflichtgefühl vollbrachten, die Alles für den Ruhm thaten,und um zu zeigen, dass sie Gefahren verachten, wenig oder nichts für die gemeineSache , für das öffentliche Wohl. Im Uebrigen geistreich, liebenswürdig, frivol,voU Biederkeit, Freimütliigkeit und Anmuth. So werden die Gallier geschildert.Und wer von uns erkennt nicht in diesem treuen Gemälilde seine Nation wie ineinem Spiegel wieder ? Glücklich noch, wenn es ihr hei dieser Mischung von gutenund schlechten Eigenschaften vergönnt wäre, den schlechten Theil der Erbschaftvon sich zu weisen ; aber sie vermag es nicht. Wir sprechen es frei ans, weil dieLiehe zum Guten Freiinuthigkeit fordert, und weil die Natur des Uebels, so wiedie Aussicht auf Hülfe uns mit Gedanken glücklicher Besserung erfüllen. Unterjenen Fehlern sind manche von leichter Art, sie dürfen auf Nachsicht Anspruchmachen ; die übrigen schweren und wesentlichen aber finden sich bei uns unterdie unmittelbare Aufsicht einer erlauchten Versammlung gestellt, welche fortanfür die Gesinnungen und Grundsätze , für den Ruhm und die Wohlfahrt derkünftigen Generationen zu sorgen hat ; sie wird die Absicht des Fürsten, dieHoffnungen des Vaterlandes nicht täuschen. Es gibt keine Nationalfehler, keineöffentlichen Tugenden , die sich nicht durch heilsame Institutionen überwindenoder erwerben lassen. So viele Kenntnisse der Alten , so viele Erfahrungen derJahrhunderte bilden unsern Reichthum ; an uns ist es , ihn wohl zu verwenden.Und was liesse sich z. B. nicht alles erwarten von einer zweckmässig eingerichtetenVerbindung dreier berühmter Schulen aus der alten Zeit ; wir meinen diespartanische Erziehung , die Grundsätze der Stoiker und die schönen Eigen-schaften des Ritterthums. Die erste würde uns die volle Entwickelung allerphysischen Kräfte des Menschen sichern, die andre eine gänzliche Herrschaftüber alle Leidenschaften verschaffen , die dritte endlich würde uns zur Aus-übung alles dessen führen , was nur immer in der geseUschaftlicben Verbindungder Menschen anziehend und liebenswürdig erscheint.
Verleger : Johann Velten in Carlsruhe. — Gedruckt bei G. Braun. 1826.
No. VIII. EINFALL DER BARBAREN.