Band 
Zweyter Band.
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Sechstes Buch.

zialstädten zu blühen anfiengen. Was vorzüglich denFortgang des Christenthums beschleunigte, war die gefäl-lige Art der Jesuiten, mit der sie sich in die Gebraucheund in die Sitten der Chinesen zu schicken wußten. Siemachten ihren Neubekehrten die Religion sehr bequem. Siekonnten , ohne in der Hauptsache aufzuhören Heiden, undGötzendiener zu seyn, doch Christen, und wenn sie sich einbesonderes Verdienst um die Ehre und den Nutzen der Ge-sellschaft Jesu erwarben, auch Heilige werden *).

Gleichwohl erhuben sich von Zeit zu Zeit einige Stür-me wider die Jesuiten. Die Bonzen sahen es nicht mitgleicdgältigen Augen an, daß sich mitten unter ihnen einso sonderbares Gemische von Götzendienst und Christen-thum verbreitete. „Wir wollen es euch gerne erlauben,„sagten sie zu den Jesuiten, den Herrn des Himmels an-„zuberen; aber dieß können wir euch nicht verzeihen, daß», ihr unsern Gottheiten ihre Herrschaft über die Erde strei-„ tiq machet." Auf solche Erinnerungen antworteten dieJesuiten nur mit einem übermüthigen Stolze. Den Bon-zen aber war eS unerträglich, sich von fremden Barbarenhöhnen zu lassen. Sie suchten Gelegenheit zur Rache.Schon hatten sie einen Verschnittenen, welcher das Ora-kel der Maitressen des Kaisers war, auf ihre Seite ge»bracht, und es wäre ihnen wahrscheinlich gelungen, durchdiesen Kanal den Jesuiten beyzukommen; wenn nicht derschlaue Ricci durch einen Meisterstreich die List und dieIntrigue seiner Gegner zu Schanden gemacht hätte. Denngerade um die Zeit, als die christlichen Missionaire ins Ge-

*) Von dieser Art Heiliger war eine junge, schöne Chiueseri«,Namens Kandide Hin, deren heiliges stud erbaulichesLeben die Jesuiten ganz außerordentlich rühmen. Sie tön,«en in diesem Falle nicht als Undankbare gescholten werden.Dieses heilige Frauenzimmer hinterließ ihnen bey ihremSterben ein ungeheures Vermögen. «ls,crixrioii

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