Geschichte der Jesuiten. 349
angelegcnheit werde verfügt haben; besonders nachdem ersich, wie es zur Genüge erwiesen ist, nicht etwa aus Eti-quette, oder aus Schalkheit, sondern in der ernstlichstenUeberzeugung, daß es zur Rettung seiner Seele höchstnothwendig sey, einen Beichtvater hielt. Und ist es dennso etwas ganz Außerordentliches, wenn ein solcher Regentmit solchen Leidenschaften und mit solchen Ueberzeugun-gen die Orakel seines Gcwissensrathes höher schätzt, alsdie Ausspcüche der Politik und der Staarsklugheit? Mandarf nicht glauben, daß das Beichttribunal nur allein inden Augen der niedrigsten Dolkskiasse ein fürchterlichesGericht ist. Ein listiger Iesuile kann vor diesem Gerichteden größten Monarchen eben so schrecken, nls ein blöd-köpfiger Dominikaner den unwissendsten Tagelöhner. Dieseso gewöhnliche Erscheinung liegt in der Natur des Katho-lizismus, tind in dem unseligen Wahne, in der Persondes Priesters, der von Sünden losspricht, einen bevoll-mächtigten Statthalter Gottes zu sehen.
Wenn la Chaise die Vertilgung der Huguenvttenbeförderte, so that er lm Grunde weiter nichts, als wasfeine Ordensgenossen von der Zeit ihres Entstehens herimmer mit ganz besondern; Eifer versuchten. Daraus,daß sie die Ketzer unversöhnlich haßten, haben sie nie einGeheimniß gemacht. Auch verschwiegen es die Huguenot-icn zu keinen Zeiten, daß der Jesuitenorden ungemein vielzu den Verfolgungen beytrug, denen sie unterliegen muß-ten *). Unter Ludwig XIII. gelang es jenen, dieseals Aufrührer und als gefährliche Unterthanen verhaßtzu machen, deren einziges Absehen dahinging, sich der
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