Geschichte der Jesuiten. 567
annahm, und die andere dieselbe verwarf. Die Zerrüt-tung in der französischen Kirche wurde von dieser Zeit anallgemein. Der König ließ dem Le T «llier freye Hän-de, und dieser rachsüchtige und unternehmende Jesuiteübte eine Gewalt aus, die allen Standen, und selbst denhöchsten Gerichtshöfen furchtbar wurde. Die Schreckender despotischen Willkühr betäubten alle Franzosen, unddie Jesuiten triumphirlcn mit frechem Hohngelächlcr überdie Unschuld *).
Die Macht dieses schrecklichen Ordens hatte bereitsihre höchste Stufe erreicht; und es war schon an dem, daßle Lellier und seine Genossen durch die Absetzung desCardinalerzbischofcs von Noaillcs die Früchte ihrerstrafbaren Rache einerndten sollten, als Ludwigden i. Hcrbstm. 1715 in die Ewigkeit gieng.
Kurz vor dem Hinscheiden dieses Monarchen eräug«netcn sich Umstände, die sowohl in Rücksicht der päpstli-chen Unigcnitusbulle, als besonders auch des Jesuitenor-dens von äußerster Wichtigkeit sind. Ehe er aus denHänden des Cardinals Rohan das Abendmahl empfing,überreichte ihm sein Beichtvater ein Papier, auf welchemdas vierte Ordensgelübde der Jesuiten geschriebenwar, und welches Se.,Majestät mit Andacht lasen"). Vordrey Jahren schon ließ er denKönig, ehe er ihm das Abcn-mahl reichte, an den Stufen des Altars die drey ersten Ge-lübde des Ordens beschwören f). Freylich mag es die Weltselrsam finden, wie ein so großer König sich dazu habeentschließen können, ein Profeßjesuite zu werden; denn
*) Pragmatische Geschichte der Nachtmahlsbulle. Th.r V. S. yy.
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