»94 Sechzehntes Buch.
Es ist nicht glaublich, daß die erste» Ankläger dieserGesellschaft es darauf abgesehen habe», eine so allgemeineVerfolgung zu veranlassen. Ihnen war es vielleicht nur umBefriedigung einer Privatrache, um die Unterdrückung ein-zelner Menschen zu thun, die ihren stolzen Absichten imWege stunden. Allein sie dachten wohl nicht, daß sie durchdie erste Bewegung, die sie der Verfvlgungsmaschine gaben,zugleich alle bekannte und unbekannte Jesuiten in Thätigkeitbringen, und ihnen Gelegenheit verschaffen würden, ohnegroßes Aufsehen, und beynahe unbemerkt, nun selbst jeneMaschine fortbewegen zu können. Denn wenn sich jene nichtscheuten, unter dem Verwand allgemein schädlicher Absichtendie Jlluminacen zum Gegenstände einer wüthenden Verfol-gung zu machen, so würden sie sich doch, wenigstens diejeni-gen unter ihnen, welche sich durch Gelehrsamkeit und Ein-sichten einen Ruhm erworben haben, schämen, dem AuSlandeund der Nachwelt als Verfolger eben dieser Gelehrsamkeitbekannt zu werden. Die Jesuiten sind im Gegentheil überLiesen Punkt keiner Beschämung fähig. Vielmehr sehen siees für eine sehr verdienstliche Sache a», alle Menschen, dieihnen an Einsichten überlegen sind, durch unaufhörliche Be-kämpfungen zu ermüden. Ehe es Jlluminatcn in der Weltgab, befehdeten sie ihre Gegner mit der Unigenitusbulle.Sie bürdeten denjenigen, welche dieselbe verwarfen, die
richtet worden sind; und sich gleichfalls cinschleichen und ver-breite» wollen; und wiewohl nun dieselben noch zurZeit für Religion und den Staat nicht so gefähr,lieh, sondern ganz unschuldig und unbedeutendzu seyn scheinen; so ist jedoch nicht ohne Grund zu besor-gen, daß sie in der Folge wenigstens in allerley Ausschwei-fungen ausarten dürsten; daher Höchstgedachte Se. Kurfürst!«Durchlaucht auch diese wie alle andere dergleichen Gesellschaftenund Verbrüderungen bey schwerster Strafe verbieten, welches zuJedermanns Abmahnung und Warnung hiermit öffentlich kundgemacht wird."