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1 (1833) Einfache Mittel / übersetzt und erläutert von Friedr. Phil. Dulk
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303
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Chinarinden 3oZ

hohen lind kalten Gebirgen muß aber das Schälen am folgenden Tage ge-schehen. Tritt Regenwetter ein, so wird kaS Schälen bis zum heitern Wet-ter verschoben; denn man muß sehr besorgt sevn, daß die Rinde nicht naßwird, weil sie dann weniger leicht zusammenrollt, eine dunklere Farbe, ei-nen üblen Geruch und einen sehr ekelhaften Geschmack erhält und leicht schim-melt. Das Schälen selbst geschieht ausfolgende Weise.- Der Chinarinden-schäler (6s-°srillero) hält den Stamm oder Ast mit der linken Hand fest,setzt dann mit der rechten Hand ein Messer quer in die Rinde bis alt denSplint, hebt die Rinde etwas auf, und zieht nun schnell einen so viel alsmöglich langen Streifen ab. Diese Streifen kommen sodann auf ausgebrei-tete Decken und Tücher, jedoch stets so, daß jeder frei liegt, damit die Luftvon allen Seiten Zutritt habe, indem auf dem schnellen Trocknen das cha-rakteristische Zusammenrollen beruht. Doch geht dieses Trocknen auf denBergen selten so gut von statten , als in den Ebenen; auch stellen sich dortzu oft Gewitter ein. Die getrocknete Rinde kommt in Säcke, und wird indie Magazine weiter geschafft, wo sie in Kisten und SuronS (AeMett) ver-packt, und als HandelSwaare nach Europa gebracht wird. Die Verpackung'darf jedoch nicht eher geschehen, als bis die Rinde völlig trocken ist.

Bei den Rinden überhaupt unterscheiden wir: die Oberhaut tLplsermir), die eigentliche Rinde (Lortex) und den Bast (Ickkier). Unter der Epi-dermis befindet sich die eigentliche Rinde, die oft nach dsm Alter des Ge-wächses verschiedene Schichten bildet, und aus einem gewöhnlich grünen Zell-gewebe besteht. Unter der Rinde liegt der Bast, von einigen Autoren auchdie Saftlage genannt. Dieser Bast zeigt sich im frischen Zustande als einemehrenkheils weißliche Schicht, die sich durch einen scheinbar faltigen Bau,und durch große Dehnbarkeit und Zähigkeit auszeichnet. Die scheinbaren Fa-sern sind übrigens nichts anders als Saftröhrchen, die theils parallel lau-fen, theils auseinander weichen, und sich wieder zusammendrängen, in derenAwischenräumen sich gedrängtes Zellgewebe der Rinde in horizontalen Fort-sätzen befindet. Die Dehnbarkeit und Zähigkeit des Bastes ist die Ursache,daß sich dieser Theil bei einigen Bäumen, z.B,Linden und Ulmen, rinnen-förmig ablösen läßt, welcher der im gemeinen Leben sogenannte Bast ist.Mit einer neuen Splintlage, welche sich im Frühjahre von dem Baste trennt,sich an die ältern Hotzlagen anschließt, und den neuen Holzring bildet, er-zeugt sich auch jährlich eine neue, aber ungleich dünnere Bastlage, die durchdie zwischen Holz und Rinde durchströmenden Säfte von dem Splinte ge-trennt wird, und die nun sich der Rinde anschließt.

Bei den Chinarinden findet sich zwar auch die Oberhaut, aber nichtüberall. Die Rinde einiger feinen und mittlern Röhren ist freilich oft nochganz damit bedeckt, bei andern mittlern und manchen dicken Röhren ist siehingegen nur noch auf einigen Stellen oder fieckweise vorhanden. Bei densogenannten flachen Stücken fehlt sie zuweilen ganz. Die Rinde fehlt nurbei der sogenannten Ll-ins regiu ganz; bei allen andern Fieberrinden istsie vorhanden, oder doch nur auf einzelnen Flecken abgesprungen oder ab-