Buch 
1 (1833) Einfache Mittel / übersetzt und erläutert von Friedr. Phil. Dulk
Entstehung
Seite
726
JPEG-Download
 

726

IViootiana

Da der narkotische Stoff von Vauguelia nicht rein und abge-sondert dargestellt worden war, so unternahm Hermbstädt (Schw.N. I> 1.1821. S. 442.) eine neue Analyse. Die getrockneten zerkleiner-ten Tabaksblätter wurden mit ihrem sechsfachen Gewichte destillirtenWassers in einer Retorte heiß digerirt, und dann der dritte Theil derFlüssigkeit etwas warm überdestillirt. Das trübe Destillat enthielt deneigenthümlichen Stoff des Tabaks theils gelöst, theils eingemengt. Esreagirt weder alkalisch noch sauer, Gallustinctur erzeugte darin weiße,in Säuren und in Alkalien lösbare Flocken. Als ein sehr concentrirtesDestillat von 6 Pfund Tabaksblättern'5 Tage lang in einem leicht be-deckten gläsernes Cylinder aufbewahrt worden war, hatte es sich aufge-klärt , und auf der Oberfläche desselben befand sich eine weiße blättrig-krystallinische Substanz abgesondert, welche das Nicotianin in reinemAustande darstellte. Um den im Destillat gelöst gebliebenen Theil desNicotianins zu trennen, wurde es mit basischem essigs. Dleioryd gefällt,der weiße Niederschlag vollkommen ausgewaschen, durch Schwefelsäurezersetzt, jedoch so, daß diese nicht vorwaltete, und nun das vom schwe-felst Bleioryde abfiltrirte Fluidum an der Luft langsam verdunstet. DasNicotianin blieb als eine weiche krystallinische Materie zurück, mit derzuerst erhaltenen vollkommen übereinstimmend.

Dies Nicotianin hat folgende Eigenschaften: 1) Auf der Zunge undim Schlunde erregt es einen eigenen Reiz, dem des Tabaks ähnlich.S) Sehr wenig davon in die Nase gebracht reizt zum Niese». 3) Zueinem Gran verschluckt erregt es Schwindel, Uebelkeic und Neigungzum Erbrechen. 4) In der Wärme wird es flüssig. 5) Im Wasser undAlkohol ist es gleich löslich. 6) In der Wärme verdunstet es, und ver-breitet einen Geruch, demjenigen ähnlich, welcher nach dem Raucheneiner sehr feinen Sorte Tabak verbreitet wird. 7) Mit der Salzsäureging es keine Verbindung ein; beim Verdunsten entwich die Salzsäure,und das Nicotianin blieb unverändert zurück.

Beim Rauchen des Tabaks macht das Nicotianin die Hauptwirkung,das Angenehme seines Reizes wird aber durch das brenzliche Oel, wel-ches sich beim Rauchen erzeugt, verdorben.

Die Produkte der trocknen Destillation des Tabaks nach Unver-dorben s. bei Ölen exprsrss im 2ten Theile.

Die Saamen sämmtlicher Tabaksarten scheinen nach Schübler sichauf fette Oele benutzen zu lassen, die als Brennöl und selbst als Speiseölbenutzt werden könnten. Der Saamen des gewöhnlichen roth blühendenTabaks giebt zs — 36 Procent fettes Oel. Das kalt gepreßte Oel istklar, gelblich, schwach inS Grünliche spielend, ohne Geruch, mildschmeckend, dünnflüssig, trocknet an der Luft.

Der Tabak wird selten und dann wohl vorzüglich im Aufgüsse zuKlystieren, auch wohl im Ertracte innerlich gegeben.