Geschichte der Naturwissenschaften. 9
der kleinsten Differenzen. Man strebt alles in mathematischeFormeln zu bringen, oder doch in Zahlen auszudrücken. Inder Natur ist nichts oder alles groß und klein; und durchunvorgesehene Reihen von, Folgerungen führten oft kleineIrrthümer zu großen, so wie gering geachtete Wahrheiten zurErkenntniß größerer. Es wäre daher sehr verfehlt, jenenGang unserer Zeir, alles in Zahl, Maß und Gewicht fassenzu wollen, zu tadeln. Jedoch jene ungeheuere Verirrung mußman tadeln, welche da wähnt, mit Sichrere, Wage und Ellen-stab den Geist fassen zu wollen, welcher in den Dingen lebt:jene beschränkten Köpfe muß man bedauern, die, mit Scheel-sucht auf jede höhere Bestrebung blicken, und getreu einerallmälig wieder flacher werdenden Zeit, so viel in ihren Kräf-ten liegt, jeden Glauben an höhere, nur dem Geiste zugäng-liche Wahrheiten, zu Gunsten eines hohlen Materialismuszu zerstören suchen. Je beschränkter Ansichten dieser Art sind,desto ausschließlicher treten sie auf, woran sie Jeder erkennenkann. Man kann indeß mit Gewißheit hoffen, daß wenn auchdiese einseitige Richtung durchlaufen ist, man endlich erkennen
*) Ein charakteristischer Ausdruck dieser Richtung ist NslWsxe'sAufruf. 1833 las lll->bb->»e in der brittischen Association fürden Fortschritt der Wissenschaften, einen „Aufruf an die großenAkadcmicen Europas, zur Verfassung einer Art wissenschaft-licher Encyklopädie in Zahlen" vor. Er will ste „die bestimm-ten Verhältnisse (I-s Lonsiantes) in Natur undKunst" nennen, undsie soll alle Thatsachen enthalten, die man in den verschiede-nen Wissenschaften und Künsten in Zahlen ausdrücken kann.So in der Astronomie die konstanten Größen des Planeten-systems, Entfernungen, Umlaufszeit, Neigung der Bahn,Schwere auf jedem Planeten rc.; in der Chemie die Atomen-gcwichte der Körper, Proportion der Elemente der verschiede-nen zusammengesetzten Körper, der Säuren mit ihren Basen,Metalle mit dem Sauerstoff rc. Die Zahl der bekannten Thiere,Pflanzen der verschiedenen Klassen, mit Angabe der fossilenund lebenden, — Geschwindigkeit der verschiedenen Körper,Längen der Flüsse und Quantitäten ihrer Wasser, — Bevöl-kerung, Ausdehnung, Einkünfte der Staaten und Städte —Höhe und Raumbedeckung aller Gebäude, Tempel, Kirchen,Pyramiden, Thürme, Säulen, — Maaße und Gewichte, —Zahl der Bücher in den verschiedenen Bibliotheken rc. DasWerk soll alle 6 Jahre rcvidirt werden. Man würde dadurchunendlich viel Nachschlagen und Zeit ersparen. — Für diesenVorschlag hat sich die brittische Association intcrcssirt, undeine bedeutende Summe hicfür bewilliget.