494 Allgemeine Naturgeschichte, ill Buch.
Eine nur etwas aufmerksame Betrachtung des Sternhim-mels lehrte bald, daß nur wenige der mit freiem Auge sicht-baren Sterne ihren scheinbaren Ort unter den andern andern,wahrend die allermeisten zu allen Jahreszeiten, und von denverschiedensten Standpunkten ihre Lage und Entfernung gegeneinander beibehalten. Man nannte diese letztem daher Fir-sterne, wahrend die ersten (ausser der Sonne) Planeten undKometen hießen. Der Name Fixsterne ist freilich jetzt ganzunpassend, da ohne Zweifel alle Sonnen eine eigene Bewe-gung durch den Raum haben, und die Doppelsterne sich ausser-dem umeinander bewegen. — Nach allen Seiten erfüllen dieleuchtenden Sternheere den Raum, hier zerstreuter, dort dichterstehend, und nach einer gewissen Richtung in einen größtenKreis, in eine leuchtende Zone zusammengedrängt, welcheals Milchstraße allbekannt ist. Das freie Auge glaubt indieser Welt des Lichtes die größte Einförmigkeit zu erkennen, inwelche nur die verschiedene scheinbare Größe und Stellung eini-gen Wechsel bringt: das Fernrohr schließt hingegen in ihr einenüberraschenden Reichthum von Bildungen auf, und zeigt ausserden einfachen dem freien Auge sichtbaren Sonnen, zahlreicheSysteme aus 2, 3, 4 oder vielen Sternen bestehend, oft inherrlichen Elementarfarben prangend, dicht gedrängte Gruppenvieler Tausend zusammen gehörender Sterne, und wunderbargestaltete Nebelflecken, in welchen sich nur noch der vereinigteSchimmer der fernsten Sternsysteme spiegelt, oder wo desHimmels leuchtender Bildungsstoff erst der Formen harrt,welche er annehmen soll. Schon aus dem, was die äussere Er-scheinung lehrt, geht eine außerordentliche Verschiedenheit derkosmischen Bildungen hervor, die man mit Recht für so mannig-fach erklärt hat, wie es nur immer die sekundären Organismenunserer Erde sein können. — Je mächtiger und lichtstarker dieFernröhre sind, je tiefer sie in den Raum eindringen, destomehr erweitern sich die Grenzen der sichtbaren Weltschöpfung.Von dieser Seite erscheint also der Gedanke einer Begrenzungderselben nicht gerechtfertigt. Olbers's bekannte, später mit-zutheilende Berechnung über die Trübung, welche das Lichtbei seiner Fortpflanzung im Weltraum durch den Aether er-