262 Allgemein« Naturgeschichte, tu. Buch.
rungsweisen zu ihrer Gewinnung aber als bekannt vorauszusetzen,sollten eigentlich alle bloß theoretischen Erörterungen vermiedenwerden. Weil jedoch manchen Lesern die Hauptsätze aus dertheorischen Astronomie, welche zum Verständniß des 2ten und3tcn Hauptstücks nöthig find, vielleicht unbekannt oder nicht voll.kommen gegenwärtig stnd, so folgen hiemit in möglichster Kürzeeinige der nöthigsten Erläuterungen.
Bekanntlich bewegt steh die Erde, deren sphäroidischc Gestaltaus der Ansteht ferner Gegenstände, Reisen im gleichen Meridiannach Nord oder Süd, Reisen um sie selbst, Schatten bei Monds«finstcrniffcn, und der Gestalt anderer Wcltkörpcr bewiesen ist, ineiner elliptischen Bahn um den Ccntralkörper unseres Systems,und zugleich um ihre eigene Axe. Aus der letzter» oder tägli-chen Bewegung folgt, daß sich der ganze Himmel mit allen Ge-stirncn täglich einmal von Ost nach West um die Erde zu bewegenscheint: indem die Sterne, gleich der Sonne, über den östlichenHorizont heraufkommen, nach und nach den Scheitelpunkt oderdas Zenith erreichen (dem das unsichtbare Nadir oder der Fuß-punkt um 180« entgegengesetzt ist) sonach kulminiren, hieraufzum westlichen Horizont hinabsinken und endlich unter selbem ver-schwinden. Daß aber nicht der Himmel mit seinen Myriaden vonSonnen sich um die kleine Erde bewegt, sondern diese um sichselbst, wird entschieden t) durch Fallversuche; schwere vonhohen Punkten niederfallende Körper fallen nicht ganz senkrecht,wie es bei einer ruhenden Erde geschehen müßte , sondern erhalteneine kleine östliche Abweichung, wie sie bei einer von W. nachO. sich bewegenden Erde erfolgen muß; 2) durch die unter demAcquator größere Schwung- oder Centrifugalkraft, wodurchdie Schwere daselbst vermindert wird, die Körper also we-niger wiegen und die Pendel der Uhren verkürzt werden müssen,wenn sie nicht zurückbleiben sollen; 3) aus der Abplattungder Erde an den Polen, welche (ihrerseits durch die Gradmessungenbewiesen) aus der Umdrehung einer ehemals flüssigen Masse umihre Axe nothwendig folgt; 4) durch die beständigen Ostwindeder Aequatorialzone, so wie die Bewegung des Oceans daselbstvon Ost nach West, weil Meer und Atmosphäre als flüssige Massen,der sich drehenden Erde nicht schnell genug zu folgen vermögen,daher stets etwas zurückbleiben, und hiedurch sich in einer derRotation entgegengesehen Richtung zu bewegen scheinen; s) durchdie sichtbare Axendrehung anderer Himmelskörper. — Aus derBewegung der Erde um die Sonne bei bestimmter Neigung ihrerAxe entsteht wieder der Schein, als verändere die Sonne ihrenOrt unter den Sternen des Himmels jeden Tag, indem sie vonWest nach Ost fortrücke, bis sie endlich, wie man aus dem Ein-