III. Das britische Reich. L) Schottland. 581
Der nordwestliche Theil von Schottland oder das Hoch-land im weitem Sinne des Worts, wird von dem südöstlichendurch eine Linie getrennt, die sich etwa von der Mündung des^lydc nordostwärts bis zum 6. Linsirü erstreckt. -Alles jenseitderselben gelegene Land ist ein wildes Gebirge mit vielen baum-losen Haidcn, wo der Ackerbau nur, besonders gegen W., au-'ßcrst spärlich betrieben wird. Zu den großartigen Aussichtenvon seinen rauhen Bergen gesellt sich hier noch die auf dasMeer. Hier herrscht die gaelische Sprache beinahe ausschließ-ich; hier nimmt der Reisende Abschied von der englischen Rein-lichkeit, von dem Wohlstände, den guten Wirthshäusern u. s. w.Mit Ausnahme der Häuser reicher Lairds findet man hier nursteine, von Steinen ohne Mörtel aufgeführte Hütten ohne Fuß-boden, ohne Fenster und Kamine, mit einem elenden Dacheichs Haidekraut. Das in der Mitte brennende Torffeuer sendetAnen Rauch durch -die Thür und eine Oeffnung im Dache,^o elend, wie die Wohnung, sind auch die Nahrungsmittel:Milch, Kartoffeln, Fische sind die gewöhnlichsten; dazu kommt,Mer nicht häufig, Haferbrod , welches zu dünnen, harten Kuchen8ebackew wird; der Whisky ist das allgemeine Lieblingsgetränk.Kühe, Schaafe und Ziegen machen den einzigen Reichthum aus.^eld ist wenig vorhanden und es giebt abgelegene Inseln an derWestküste, wo dasselbe beinahe unbekannt ist. Handel und Ge-werbe sind hier nur an wenigen Küstenpunkten zu finden, undb>e Folgen davon sind Armuth und ein hartnäckiges FesthaltenEer Gewohnheiten und Einrichtungen. Hier, und noch mehrden westlichen Inseln, finden sich noch häufige Spuren derKststen Verfassung. Das Volk ist in viele kleine Stämme ge-teilt, wovon jeder ein Oberhaupt oder einen Laird hat, nachWelchem der ganze Stamm benannt wird, lind zwar so, daß""e Individuen eines Stammes den nämlichen Namen führenllid nur durch ihre Taufnamen oder den Namen des Aufent-Rltsvrtcs unterschieden werden. So giebt es ganze Gegenden, .
alle Einwohner Macdonald, Macleod u. s. w. heißen. DersMrd ist zugleich der einzige Grundbesitzer; er verpachtet bedcu-Theile des Ganzen an ärmere Glieder seiner Familie, die.Unfalls von dem Volke mit Ehrfurcht betrachtet werden undWieder Unterpächter haben. In neuern Zeiten haben aber'dieAbsucht und die Bedrückungen vieler Lairds theils Auswan-AMngen veranlaßt, theils die Zuneigung und Verehrung ihrerü?t<Mrmgenossen sehr geschwächt. Nur auf einigen Inseln istpatriarchalische Verhältniß noch in seiner alten ReinheitAblieben. Die ebenfalls in neuerer Zeck angelegten LandstraßenKanäle haben bis jetzt noch wenig zur Bereicherung desbeigetragen; jedoch ist die Bevölkerung auch hier seit" wahren ansehnlich gestiegen.