IV. Die Niederlande. H.) Holland. 621
kene Fischerei in fernen Meeren, besonders der Wallfisch: undder Heringsfang. Letzterer wird gewöhnlich an den Küsten vonEngland und Schottland betrieben, und beginnt gesetzlich mitdem 24. Juni. Er war im Anfange des vorigen Jahrhundertsso bedeutend, daß jährlich 1500 Buisen (beusen) (Schiffe)'auf diesen Fang ausliefen; die Concurrenz der Engländer, Schwe-den, Dänen, Preußen rc. hat aber dies Geschäft, trotz allerBemühungen der Regierung, außerordentlich (bis auf den zehntenTheil) vermindert. Der holländische Hering galt sonst für denbesten, weil die Holländer die Zubereitung und Verpackung des-selben am Besten verstanden; auch sollen sie das Einsalzenoder Pökeln um's Jahr 1350 erfunden haben. SchlechtereSorten Heringe, wie die in der Süder- und Ostsee gefangenen,werden bloß getrocknet und geräuchert, und heißen dann Bück-linge. — Die Niederlande haben kein Salz; sie holen daherSee- und Steinsalz aus Portugal, Spanien und England,wissen es aber gut zu reinigen (rafsiniren), indem sie es nocheinmal im Seewasser auflösen und die dadurch entstandene Sooleversieben. Ueberhaupt bestand die Betriebsamkeit der Holländerzu der Zeitz als sie ihren höchsten Gipfel erreicht hatte, bei derArmuth ihres eigenen Landes, besonders darin, die rohen Pro-ducte andrer Länder herbeizuschaffen und sie dann auf mancher-lei Weise verarbeitet und veredelt wieder auszuführen. Sohatten sie große Branntweinbrennereien, ohne nur für sich selbsthinreichendes Getreide zu bauen; sie bleichten und bleichen nocheine Menge Leinwand, die bei Weitem nicht alle im Lande ge-webt ist; sie verfahren den von ihnen gemahlenen Lraß in allenördlichen Gegenden. Sie lassen die Smalte (s. unten) ausDeutschland kommen und wissen sie so fein zu mahlen und zu-zurichten, daß sie einen großen Gewinn davon haben. Siehatten eine große Menge Schneidemühlen, um das aus Deutsch-land und dem Norden kommende Holz in Bretter zu verwan-deln und Spanien und andre südliche Länder damit zu versehenu. s. w. Natürlich mußte dieser Gewinn aufhören, sobald andreLänder ihre Producte selbst verarbeiten lernten, und dies, dieunendlich gestiegene Industrie in England, Frankreich, Deutsch-land und Belgien, ist wohl ein Hauptgrund, weßhalb jetzt dieFabriken in den Niederlanden nur noch ein Schatten sind vondem, was sie ehemals, vorzüglich im Anfange des vorigenJahrhunderts, waren. Zu den bedeutendsten Fabriken gehörteehemals die Papiermacherei, und obwohl auch diese sehr^genommen, so gehört doch immer noch das holländische Pa-p>er zu dem schönsten. Zwei Umstände trugen früher am Mei-nst dazu bei, diese Fabriken blühend zu erhalten. Die schöneEinwand und die vortrefflichen holländischen Bleichen liefertennatürlich die feinsten und besten Lumpen; dazukam, daß, wäh-