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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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Europäisches Staatensystem.

gehörenden Romanche-Flusses gelegen ist. Hier ist es auch, wo die langeReihe der Glätschcr ihren Anfang nimmt, die in den Hochthälern derCentralalpen einen unerschöpflichen Wasserschatz für die Alpenströme dar-bieten. Die Glaciers de la Berarde können als die Mitte dieses Theilsder französischen Alpen angesehen werden, von der aus sich das Glätscher-feld des Chardon eine Stunde weit bis an den Col-de-Saip erstreckt.

Die Passe, welche in diesen Gegenden über die Alpen führen, errei-chen hin und wieder eine Höhe von mehr als 16VN; so der Col Lan-get am Mvnt Viso, der 1618» hoch und ohne alle Vegetation ist; wasauch von dem Col-de-Traver fette gilt, welcher am Nordabhange desViso das Dauphine mit Piemont vereinigt, eine aus der Bergwand ge-sprengte Felsengallerie von 222 Fuß Breite und nur 4 Fuß Breite, derenScheitelpunkt 1558« über dem Meere steht, größtentheils aber wiederverschüttet ist, und nie eigentlich in Gang gekommen zu sein scheint.Die Passage über den Mont Genövre dagegen, eine alte Römer-Straße,ist zu den Prachtwerken der neücrn Wcgebaukunst geworden, eine trefflichefahrbare Chaussee, welche aus dem Durance-Thal in's Dova-Thal nachSusa führt, und das südliche Frankreich auf dem kürzesten Wege mit denEbenen von Piemont verbindet. Brianyon liegt auf französischer Seiteam Fuß des Passes, der in seinem Scheitelpunkt 968« hoch ist. Dahingelangt man auf zwei Straßen, einer Seits aus dem untern Rhone-Thalvon Avignon im Durance-Thal auswärts über Süsteron und Embrun;anderer Seits aus dem mittleren Rhone-Thal, von Lyon über Grenvble,von dort im Val Nomanche aufwärts, der bei Bourg d'Oysans zu einemder engsten und wildesten der französischen Alpenthälev wird, über denCol-de-Lautaret in das vom Guisanne bewässerte Vallöe de Mone-tier nach Brianyon. Auch diese Straße, welche in der Einsattlung zwi-schen dem eigentlichen Alpenkamme und der abgesonderten Gebirgsgruppeder Pics des Arsines das 1116« hohe Gebirgsjoch übersteigt, und auf dieim obern Theil des Val Rvmanche zahlreiche Glatscher herabhangen, istmit einem großen Aufwand an Kräften zu einer der gangbarsten und treff-lichsten Passagen im Alpeugcbirg umgcschaffen worden.

Wenn man auf den Ebenen von Lyon das Auge gegen Osten wendet,so erblickt man senkrechte, gelbliche, hin und wieder rostfarbige Felsen-wände auf einmal anheben, und hintereinander emporsteigen. Diese Felsen-wände bezeichnen den Zug des Jura, der sich am Rhone, da, wo dieserStrom an der Gränze mit Savvien das Gebirge durchbricht, um seinenLauf gerade westwärts gegen Lyon und die steilen Ostabfälle Hochfrank-reichs zu nehmen, von den Alpen absondert, und nun als selbstständigesGebirge gegen NO. zieht, um als Scheidewand zwischen Frankreich undder Schweiz zu dienen.

Wenn man aus den fast wagerechten Ebenen des Bresse-Bugeyund der Franche-Comte, die sich zu einem mittlern Niveau von nur 130«über der Meeresfläche erheben, ostwärts wandert, so ersteigt man überzwei Terrassen die Scheitelfläche des Jura. Die Erhebung der erstenTerrasse von W. her ist ziemlich steil, beträgt aber nur IgN bis 14ü«über der Ebene. Ihre Oberfläche ist fast ganz platt, mit Laubholz be-standen und etwa 34 d. M, breit. Am Ostrande dieser Terrasse zieht