828 Europäisches Staatensystem
Nach einem Berichte ist die Bevölkerung folgendermaßen auf dieProvinzen vertheilt: die Provinzen Minho und Douro enthalten aufdie m Legua 2920 Seelen, Tras oö Montes 816, die beiden Beira 1000,Estremadura 506, Alem-Tejo 332, Algarve 628. Im Durchschnitt fürjede Legua folglich 890 Seelen.
Nach obgenanuter Zählung würden im Durchschnitt nur auf jedeFeüerstelle 3^» Bewohner kommen, und selbst in dem so sehr bevölker-ten Llssabon und seinem Distrikte würde man nur 4^/,„ Bewohner rech-nen können, was durchaus unrichtig erscheint. Die Schwierigkeiten derEntwerfung der Haüserzahl und der Volkstabellen liegt sowohl in demschlechten System der Numerirung der Häuser, als auch vorzüglich inder schlechten Führung der Kirchenbücher, in den selten die Sterbefälleder ärmern Klaffe und der unmündigen Kinder angegeben werden.
Die Kommission, welche die Zählung vom Jahre 1838 zusammenzu-stellen hatte, und an deren Spitze Oberst Franzini steht, gibt für dieBevölkerung von Portugal und Algarve 3,221,1/4 Seelen und 827,947Feüerstellen oder Familien in 3692 Kirchspielen, in 382 Concelhos an.Geboren sollen sein 99,097, gestorben 67,541, Ehen geschlossen 23,598,Kinder unter 7 Jahren 513,017. Aber auch diese Angaben sind schwankend.
Mit Ausnahme der Stadt Lissabon, stellen sich die Verhältnisse derehelichen Geburten zu den unehelichen nach der mittleren Zahl von 5Jahren wie 54,264 legitime Geburten zu 5740 unehelichen, oder wie13:1 heraus, mithin um 2 Zahlen ungünstiger für die Moralität wiein Frankreich. Würden alle Kinder in Lissabon lebend zur Welt ge-bracht, so würde sich wahrscheinlich das Verhältniß der legitimen zu denunehelichen wie 3 : I verhalten. Die Ehen in Portugal stellen sich zurBevölkerung wie 1 : 136 heraus, welches hauptsächlich der Unmoralitätder Menschen zugeschrieben werden kann. Den nachtheiligsten Einflußauf die Bevölkerung Portugals übten in früherer Zeit Kriege, Intoleranz,Erdbeben, Pest und böse Seüchen, ferner die Zunahme der Unfruchtbarkeitdes Bodens, die Armuth, das liederliche Leben und die Mißverhältnisseder vielen Staatsdiener, Dinge, die zum Theil noch auf das Land ver-derblich einwirken. Hierzu kommen noch: der Hang der Portugiesen z"einem ehrlosen Leben, zu einer gewissen Ungebundenheit, und die vielenheimlichen Laster, die in Dörfern und Städten zu Hause sind.
2. Stammverfchiedenheit, Sprache und Volkscharakter.
Die Portugiesen sind ein Mischvolk, zum Theil jüdischer, zum Theilmaurischer Abkunft, und bilden die gesammte Volksmasse des Landes,bis auf die Fremden in den großen Städten, die aus Engländern, Fran-zosen, Spaniern und einigen Deütschen bestehen.
Außer den Portugiesen findet man Juden, die eine eigene Na?ebilden und mancherlei heftige Verfolgungen litten, so daß sie aus demLande fliehen mußten und jetzt nur in geringer Anzahl vorhanden si"^Die in den Handelsstädten Lissabon, Porto, Setnval u. s. w. m-findlichen Kreolen und Neger sind selten seßhaft, und haben deßharkeinen Einfluß auf die Bevölkerung. .
Die Sprache der Portugiesen gehört zu den romanischen, ist aberviel mit arabischen Wörtern vermischt, mit dem Castilischen verwanm-hat viele Nasenlaute und eine entschiedene Beimischung der französilch"'und englischen Sprache. . r
Die Portugiesen sind mehr klein als mittelgroß, und haben un