956
Eüropäisches Staateusystem.
Stoffe und Bänder nach Neapel ausführt. Die Fabrikation der Metall-waaren steht noch auf einer sehr niedrigen Stufe der Kultur. Eisengie-ßereien befinden sich bei der neuen Straße von Capo di Moute nnd zuCardinale in Calabrien. Eine Gewehrfabrik besteht zu Torre dell' Anun-ciata, südlich von der Stadt Neapel, wo auch eine Pulvermühle ist.Messer-, Stählarbeiten u. dgl. m. werden fast ausschließlich zu Campo-baffo in der Provinz Molise gefertigt, doch wird der Bedarf nicht befrie-digt. Eisenhvchöfen sind hauptsächlich in den Provinzen Principati.Knpferhämmer gibt es zu Vietri, Torre dell' Anunciata und zu Bottaro.Kupfergeschirre liefert Agnone in Abruzzo citeriore. Glasfabriken exi-stiren nur wenige, nnd zwar in der Nähe von Neapel. Porzellan liefertdie königl. Manufaktur zu Neapel. Die Arbeiten in Thon und Fayencesind nur gewöhnliche, doch werden viele nach anderen Provinzen undnach dem Kirchenstaate ausgeführt. Die Schmuckarbeiten in Korallenund Lava sind berühmt und werfen einen ziemlichen Gewinn ab. DieGerbereien zur Bereitung der Haüte großer Hauöthiere sind nnbedeütendund befriedigen durchaus nicht die Bedürfnisse des Landes. Große Werk-stätten für Lederwaaren gibt es zu Neapel, Castellamare, Capua, Aversa,Messina und Palermo. Die Fabrikation der Handschuhe ist sehr bedeü-tend und es werden viele in das Ausland ausgeführt. Ein eigenthüm-licher Zweig der Industrie ist die Verfertigung der Vivlinsaiten, die inganz Europa Ruf haben. Die Seife- nnd Wachsfabriken sind meistensnur auf die Hauptstädte beschränkt und befriedigen in den feinern Fa-brikaten nicht den Bedarf. Die Papierfabrikation steht noch sehr zurückund feinere Sorten müssen von Frankreich, der Lombardei und demKirchenstaate bezogen werden. Die Olbereitung geschieht auf eine wenigkunstgemäße Weise. Die Tabacksfabriken sind ohne Bedeütsamkeit, da-gegen verdienen die Zuckerraffinerien und die Fabrikation des Brannt-weins aus Wein angeführt zu werden. Eigenthümlich in Neapel undden Umgebungen dieser Stadt sind die Maccarvnibäckereien. Der Schiff-bau ist unbedeütend.
Den Handel anlangend, so ist dieser jetzt vielseitiger als frühernnd wird durch die vielen Häfen begünstigt, doch ist der Seeverkehr ent-weder bloßer Küstenhandel oder ganz pajfiv. Die Handelsflotte zählteim Jahre 1833 in den Iv Bezirken der Marine-Kommissionen, in welchedie Hafenplätze vertheilt sind, 4668 größere Schiffe und Fahrzeuge von131,709 Tonnen und außerdem 2590 Barken unter 26 Palm« Länge miteiner Tragbarkeit von 31 >9 Tonnen. Davon besaß Neapel allein gegen dieHälfte der Schiffe und Barken. Entferntere Schifffahrts-Expeditionenfinden jetzt mehr als in früherer Zeit statt und man findet die neapo-litanische Flagge gegenwärtig auch in der Levante, in Konstantinopel,Odessa, an den Küsten Afrika's, in Lissabon, den englischen Häfen, inden nordamerikanischen Freistaaten und in Brasilien. — Siciliens Han-del ist vom Festlande abhängig und seine ganze Handelsflotte zählt jetztgegen 2000 Schiffe und 6üv Barken. Für den Handel auf der Inselist durch die Vollendung des Hafens von Catania in neüerer Zeit ge-sorgt worden und dre Blüthe dieser Stadt wird gewiß dadurch raschsteigen.
Die Gesamm t-Ei n fu hr des Reichs diesseits der Menge beträgtim Durchschnitt jährlich gegen I5,00v.v00 Ducati (17, «6«,000 Thlr.),wovon 5 Sechstbeile auf die Hauptstadt Neapel kommen; ein gleichesVerhältniß gilt für die Ausfuhr. Sämmtliche Zollgefälle des Festlandes