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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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Das Königreich Griechenland.

I0S7

schulen, höhere Bürger- oder Stadtschulen, Gymnasien und eine Univer-sität. Volksschulen zählt Griechenland jetzt bereits 535, von denen 35Vnoch auf alte Art, 185 aber nach dem neuen System eingerichtet sind;diese werden von 26,995 Schülern besucht; die Theilnahme daran steigtjährlich um 2VVV, wozu noch die 20,»00 Schulkinder kommen, welche diena» alter Art eingerichteten Schulen besuchen. Unter den regelmäßigenSchulen finden sich 17 Mädchenschulen. Die höheren Bürger- oderStadtschulen (auch hellenische Schulen genannt,) sind für die bestimmt,die zwischen der arbeitenden und gelehrten Klasse stehen bleiben wollen,und zählen drei Klassen. Es existiern 26 solcher Schulen, die von 3500Schülern besucht werden sollen. Gymnasien zählt man vier, nämlich zuAthen, Nawplia, Syra und Patras, mit 6VV Zöglingen. Eine Univer-sität befindet sich zu Athen,Otto-Universität« genannt. Sie besteht ausden vier Fakultäten der Theologie, der Rechte, der Medizin und derPhilosophie, welche letztere die philosophischen, historischen und physisch-matbematischen Wissenschaften in sich begreift. Im ersten Jahre zähltedie Universität 52 wirklich immatrikulirte Studenten, außer andern Zu-hörern, im December 1838 dagegen schon I5V, und jetzt über 3VV. ImJahre 1840 betrug die Zahl der Theologie - Studirenden 10, die derRechte 38, (andere ordentliche Zuhörer waren 99), der Medizin 28, (an-dere ordentliche Zuhörer 2), und die der Philosophie 4V, (andere ordent-liche Zuhörer waren 15).

Außer diesen Unterrichts-Anstalten gibt es »och welche für besondereBernfSzwecke, wie z. B. eine polytechnische Schule, Schifffahrtsschulen zuSyra und Nawplia, eine Militärschule u. s. w. Von den übrigen An-stalten, welche die Förderung und Belebung der geistigen Kultur im All-gemeinen zum Gegenstand haben, sind zu nennen: die königliche archaeo-logische Gesellschaft, der botanische Garten und die Bibliothek zu Athen,die zwar noch im Werden begriffen, aber doch ein rühmliches Zeichen vondem Streben nach geistiger Bildung sind.

Die artistische Bildung der Neügriechen ist noch zurück, läßt aberebenfalls Fortschritte erwarten. Wenden wir uns zu den Wissenschaften,so finden wir in manchen derselben schon recht tüchtige Arbeiten, na-mentlich in der Geschichte, Philologie, Poesie und schönen Literatur, undwir brauchen nur die Namen folgender Männer zu nennen: EwgeniosBulgaris, Korais, Kumas, Gasis, Vamwas, Nhiso Nerulos, Sutzo,Christvpnlos, Sakellarios, Darwaris, Kokoniö, Theotokis, Patusas,Kaisis, Jkonomos (ein ausgezeichneter Philolog und Redner), Mustoxi-dis, Atbanastos, Pvlyzoides, Skarlatos, Byzantios, Konstantin Schinas,Churmusis. Panagiotis Sutzo, Ambrosios Phrantzis, Kaftorchis, fernerPkilippidis, Spyridion Waletas, Perdikaris, Nangkawi, Trikupis undviele andere.

Von gelehrten Zeitschriften erscheinen: eine theologische, eine juri-dische, eine medizinische und eine archaeologische. Politische Zeitschriftengibt es mehrere.

Blicke auf die politische Geschichte.

Da die Geschichte des alten Griechenlands bekannt ist, so könnenwir uns hier kurz fassen. In der letzten Zeit der römischen Herrschafthatte Griechenland mehrmals Einfälle roher Völker zu erleiden; so imdritten Jahrhundert von den Gothen und Herulen. Als Theodvsius dasrömische Reich in das mvrgenländische und abendländische theilte, kam