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Eüropäisches Staatensystem.
stapha, mußte aber den Heldentod für das Vaterland sterben. ImJahre 1824 entstand durch Kolokotronis ein Bürgerkrieg gegen Kolet-tis, Guras trat gegen Odyssews auf und dem Sultan kam 1825 einHeer unter Ibrahim zu Hilfe, der bei Modon landete, sich Nawarinsbemächtigte, von Tripolitza aus Morea verwüstete und viele Tausendevon Griechen als Sclaven verkaufte. Im Jahre 1826 war die Hoffnungder Griechen auf Befreiung fast ganz verschwunden, denn ein großerTheil des Landes war verwüstet und verloren gegangen. Durch einenTraktat (am 6. Juli 1827) zwischen England, Frankreich und Rußland,sollte ein Waffenstillstand herbeigeführt werden, allein der Ncis-Effendierklärte, daß der Sultan jede Einmischung ablehne. Endlich erfolgte dieKatastrophe von Nawarin und neben der Wirksamkeit der vermittelndenMächte suchten sich die Griechen nach Kräften gegen ihre Unterdrückerzu vertheidigen; leider dauerten jedoch die Partheiungen fort. In diesermißlichen Lage beriefen die Griechen den Grafen Kapodistrias zum Prä-sidenten ihres Freistaats, den englischen Lord Cochrane ernannten sie zuihrem Groß-Admiral, und den General Church zum Oberbefehlshaber zuLande, und am 30. August 1828 kamen auch französische Truppen zuHilfe, worauf im October 1828 Morea vom Feinde geraümt wurde.Durch ein Konferenz-Protokoll zu London vom 16. November 1828 wardbestimmt, daß die drei genannten Mächte Morea und die Kykladen un-ter ihre Garantie stellten, indessen dauerte der Kampf im Jahre I82Snoch im nödlichen Griechenland fort. Die Generale Church und Dpsi-lantis nahmen Wonitza und Missolunghi, während die Türken mit Ruß-land beschäftigt waren und durch chen Frieden zu Adrianopel vom14. September 182S wurden endlich die Türken vermocht, dem Traktatevom Jahre 1827, so wie dem Akte vom März 1829, wonach Griechen-land einen christlichen Fürsten unter türkischer Oberherrlichkeit erhaltensollte, beizutreten, und Griechenland ward durch das Konferenz-Protokollvom 3. Februar I83V als unabhängiger Staat anerkannt. Die Konfe-renz vom 3. Februar 1836 hatte den Prinzen Leopold von Sachsen-Co-burg zum Erbfürsten von Griechenland bestimmt, der aber die Annahmeder griechischen Krone verweigerte. Durch diese Zögerung wurden imJahre 1831 neüe unglückliche Bewegungen hervorgerufen. In der Mainabrach unter Anton Mawromichalis ein Aufstand aus, doch verhindertedie Anwesenheit der Franzosen weiteres Blutvergießen. Allein in Hydraund auf den Inseln bildete sich eine Gegen-Regiernng und am 4. Okto-ber desselben Jahres ward zu Nawplia der Präsident Kapodistrias vonden Gebrüdern Konstantin und Georgivs Mawromichalis ermordet.Ueberall brach nun der Sturm der Leidenschaften los und es kam end-lich eine Zwischen-Regierung zu Stande. Unterdessen hatte Prinz Oltovon Baiern in Folge des Staatsvertrags vom 2. Mai 1832 die KroneGriechenlands angenommen und dieß erregte große Frcüde im Volke,denn im Lande herrschte Anarchie und Bürgerkrieg. Kolokotronis hattesogar am 15. Januar 1833 die französische Besatzung in Argvs über-fallen, wurde jedoch zurechtgewiesen und die Ankunft des Königs ain25. Januar (6. Februar) 1833 machte dem Unheil ein Ende. Zur Anstrechthaltung der Ordnung lieferte Baiern ein Truppenkvrps und die er-forderlichen Geldmittel besorgten die drei Schutzmächte. Bei der Min'derjährigkeit des Königs ward eine Regentschaft ernannt; gegen dieseentstand aber eine Verschwörung und das Schwert mußte dem Landewieder Ruhe verschaffen. Nachdem König Otto am 1. Juni 1835 voll-