Karte 
Erster Band, enthaltend in vier Abtheilungen die Erscheinungen der anorganischen Natur: 1. Meteorologie und Klimatographie. 2. Hydrologie und Hydrographie. 3. Geologie. 4. Tellurischer Magnetismus
Entstehung
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VORBEMERKUNGEN

ZUR

DRITTEN ABTHEILUNG.

N°. 1. Erdkarte zur Uebersicht der Verkeilung des Starren und Flüssigen, so wie der Verschie-denheit der Oberflächen-Gestaltung. Nebst Andeutungen zu einer arithmetisch-geographischenEntwicklung der wagerechten und senkrechten Ausdehnungen.

Das starre Element der Erdoberfläche und ihrtropfbar-flüssiges Element sind die beiden Haupt-Erscheinungen und die vornehmsten Factoren beiBetrachtung der geologischen Gestaltung der Erd-rinde. Was diese Karte bezweckt, das sagt ihreziemlich lange Ueberschrift, noch besser aber dieAnsicht des Blattes selbst: _ Darstellung der geo-logischen Verhältnisse nach jenen Haupt-Erschei-nungen; _ Vertheilung des festen Landes und der

Inseln und des Oceans, wo uns, stellen wir uns aufden Durchschnittspunkt des Aequators und des Me-ridians von 100° östlicher Länge von Paris (120°von Ferro) eine nordwestliche Hemisphäre der gröss-ten Masse Landes, und eine südöstliche Hemisphäreder grössten Masse Wassers entgegen tritt; dem-nächst Typus der Oberflächengestalt nach Gebirgs-und Hochländern, nach Flach- oder Tiefländern,nach Bodenbeschaffenheit: Savannen (Prairien inNord-Amerika, Llanos und Pampas in Süd-Amerika),Wald-Ebenen (Selvas. im Gebiet des Amazonen-Stroms), Wüsten und Steppen (in Afrika und Cen-tralasien u. s. w.), Moose oder Tundren (in Sibirien).

Neben der altüblichen Eintheilung der Landflächein fünf Erdtheile ist es versucht worden, die vonSteffens ausgefiihrte Gruppirung in drei grosse Welt-

theile, _ denen noch die Inselwelt des Grossen und

Stillen Oceans als vierter, und das muthmasslicheFestland um den Südpol als fünfter zugezählt wer-den kann, _ durch ein ansprechendes Colorit her-

vorzuheben, wenn gleich diese Gruppirung auf dieEntstehung der Gestalt der Festländer von keinemdurchgreifenden geologischen Einfluss sein kann.

Jeder dieser drei Welttheile besteht aus zwei Län-der-Abtheilungen, einer nördlichen und einer süd-lichen. Der erste Welttheil ist Amerika, der NeüeContinent, mit seinen zwei Hälften: Nord- und Süd-Amerika. Der zweite Welttheil besteht aus der west-lichen Hälfte des Alten Continents, und hat Eüropanebst Kleinasien, Armenien und dem Kaukasus zurnördlichen, und Afrika mit Arabien zur südlichenAbtheilung. Der dritte von Steffens Welttheilenwird von der grossem oder östlichen Hälfte desAlten Continents gebildet, und besteht aus der nörd-lichen Landabtheilung Asien, und der südlichen,Australien, der auch die Inseln des Asiatischen oderIndischen Archipelagus, nebst der Reihe der west-australischen Inseln bis nach Neuseeland hinauf zu-gezählt werden müssen.

Die Entdeckung der Inselwelt, Polynesiens, gehörtvornehmlich dem achtzehnten Jahrhundert, und seitden Tagen des grossen Seefahrers James Cook, fastallen seefahrenden Nationen Eüropas an; die Auffin-dung dagegen von Land innerhalb des südlichen Po-

PHYSIK. ATLAS ABTH. III.

larkreises ist ein Eigenthum des neünzehnten Jahr-hunderts und es haben daran Engländer, Anglo-Ame-rikaner, Franzosen und Russen ihren Theil; dieNamen Biscoe, Balleny und James Ross, Wilkens,Dumont dUrville und Bellingshausen erinnern andie gefahrvollen Schifffahrten, denen die Entdeckungeinzelner Küstenstriche zu verdanken ist, welchedie Vermuthung vom Dasein eines südlichen Fest-landes einiger Massen rechtfertigen können.

Zerlegt man die gesammte Landfläche in 1000Theile, so kommen auf den ersten der SteffensschenWelttheile 275, auf den zweiten 296, auf den drit-ten aber 421, und endlich auf Polynesien 8 dieserErdtheile. Das muthmassliche Südpolarland mussbei diesen Bestimmungen ausser Art bleiben. Wasvon seinen Umrissen nur auf Vermuthung beruht,ist auf der Karte mit einer punktirten Linie be-zeichnet worden.

A. von Humboldt hat die physikalische Erdbe-schreibung (im Jahre 1842) mit einem numerischenElemente bereichert, dessen Bestimmung bisher fastgar nicht versucht worden ist. Der Unglaube andie Möglichkeit einer solchen Bestimmung ist viel-leicht die Hauptursache dieser Vernachlässigunggewesen. Die Erweiterung aber unseres orographi-schen Wissens, wie die Vervollkommnung der Kar-ten grosser Länderstrecken hat ihm den Muth ge-geben, sich einer mühevollen, sehr unfruchtbarscheinenden Arbeit zu unterziehen, deren Zweckdie genäherte Kenntniss der mittleren Höheder Continente, die Bestimmung der Höhe desSchwerpunkts ihres Volumens ist. Der gelehrte Ver-fasser bemerkt über das Ergebniss seiner Unter-suchungen Folgendes:

Wenn man es versucht, die mittlere Höhe derContinental-Erhebungen über dem jetzigen Niveauder Meere zu bestimmen, so heisst das, den Schwer-punkt des Volumens der Continente über dem jetzi-gen Meeresspiegel aufzufinden; eine Untersuchung,die ganz verschieden ist, statt des centre de graviUdu volume den Schwerpunkt der Continental-Masse,centre de graviU des masses, aufzufinden, da derüber das Meer sich erhebende Theil der festen Erd-rinde keinesweges von homogener Dichtigkeit ist,wie die Geographie und die Pendelversuche lehren.

Der Gang der einfachen Rechnung ist der, dassman jede Gebirgskette als ein dreiseitiges, horizon-talliegendes Prisma betrachtet. Die mittlere Höheder Gebirgspässe, welche die mittlere Höhe derGebirgsrücken bestimmt, ist die Höhe der Seiten-kante des liegenden dreiseitigen Prisma, senkrechtauf die Fläche gefällt, welche die Basis der Ge-birgskette ausmacht. Die Hochebenen sind als ste-