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Dritte Abtheilung.
bildung gelangt. Sie lassen sich als eine weiter-streckte, durch massige und schiefrige Gesteine aus-gefüllte Spalte betrachten, deren Bildung mit einerTrennung und theilweisen Zerstückelung und Auf-richtung der vorhandenen geschichteten Felsmassenverknüpft war. Die nördlichen und südlichen Kalk-alpen sind, ihrer Hauptmasse nach, die emporgeho-benen Bänder dieser Spalte; die Centralkette dage-gen wird theils durch abgerissene, mehr oder wenigerumgewandelte Gesteinmassen jüngerer Bildung, theilsdurch die emporgehobenen Glieder der älteren For-mationen, und theils durch die massigen Gesteine,deren Hervortreten die Geologie mit der Ursacheder die Erdrinde berstenden Kraft in Verbindungbringt, zusammengesetzt. In der Profilzeichnung istdurch eine steile Schichtenstellung die Störung an-gedeütet, welche die Schichten der, dem Jurakalkund der Kreide parallelen, Gesteine der Kalkalpenerlitten haben; erst bei den jüngeren Tertiär-Gebil-den verliert sich dieselbe.
Dies führt zu der Schlussfolge, dass die Haupt-epoche der Gestaltung der Alpenkette in die Periodeder Tertiär-Bildungen fallt.
Was die Karte No. 13 anbelangt, so ist das Biesen-gebirge zu einer ersten geologischen Monographiegewählt worden, weiles unter allen Gebirgen Deütsch-land’s, mit Ausnahme der Alpen, verhältnissmässigdie grösste Masse sogenannter Urfelsarten in manch-faltiger Gliederung enthält. Zu der Karte gehörendie Profile m und n auf dem Blatte No. 14. Für dieschlesische Gebirgsseite sind haupsächlich C. vonBaumer und v. Carnall die Gewährsmänner bei derBegränzung der Gebirgsformationen, für die böhmi-sche Seite ist es Zippe.
Aher auch ein zweiter Gesichtspunkt ist bei derZeichnung dieser Karte festgehalten worden, der Ver-such nämlich, die gegenseitigen Höhen Verhältnisse undNeigungsflächen auf das System der Niveau-Linien zustützen, die hier in Abständen von 100 oder 600 Fusseingetragen worden sind; ein sehr schwieriger Ver-such, wenn gleich zahlreiche Höhenmessungen, min-destens für die schlesische Seite, vorhanden sind. Wereine derartige Monographie unternimmt, wird es füh-len, dass die Hypsometrie, trotz scheinbarer Beich-haltigkeit an Stoff, nur erst am Ende ihres Anfangssteht; dass erst dann Ordnung und Zuverlässigkeitin eine Verbindung orographischer und geologischerKarten gebracht werden kann, wenn die topographi-schen Aufnahmen von Gebirgssystemen die, meistganz willkürliche, Schätzung der Flächenwinkel auf-geben und an ihre Stelle wirkliche Höhenmessungentreten lassen. Mit Ausnahme der neüen topographi-schen Vermessung von Frankreich ist dafür in an-deren Ländern Seitens der leitenden Behörden derar-tiger Arbeiten sehr wenig, oder gar nichts geschehen!
Bei der Karte vom Pariser Tertiär-Becken aufNo. 14 liegt die leitende Idee zum Grunde, denFreün-den des Physikal. Atlas ein Gegenstück zu geben zurKarte vom Biesengebirge, oder einen Gegensatz derjüngsten Sedimentgesteine im Pariser und den an-gränzenden Becken zu den krystallinischen Massen-und metamorphischen Schiefergesteinen im Biesen-gebirge.
Die Karte ist eine Kopie derjenigen, welche derVicomte d’Archiac seinem Versuche über die Coordi-nation der Tertiär - Gebirge von Nord - Frankreich,Belgien und England beigefügt hat'. Ich entlehne aus
dieser gehaltvollen Abhandlung die nachstehendenkurzen Andeütungen zur Erlaüterung der Karte undzur Ergänzung dessen, was weiter oben (p. 17) offengeblieben ist.
Unter dem Ausdruck „Tertiär-Gebirge” begreiftman sämmtliche Meeres- oder Süsswasser-Ablage-rungen zwischen der Kreide und dem eigentlichenDiluvium. Der Ausdruck ist gleichbedeütend mitder Bezeichnung „Molasse-Gruppe” (p. 15).
Das Pariser Tertiär-Becken ist von den analogenBildungen in Belgien getrennt durch einen Streifender Kreide-Formation, welcher, in der Gegend vonAvesnes und Hirson beginnend von OSO. nachWNW. an den Pas-de-Calais streicht, und jenseitsdesselben in England unter derselben Normal-Bich-tung fortsetzt bis zum Clay-Hill bei Warminster inWiltshire (ausserhalb des Bahmens der Karte). Die-ser Kreidestreifen bildet die Wasserscheide zwischenden Maas- und Scheldeflüssen einer Seits und denSeine- und Kanal-Zuflüssen andrer Seits, und trenntsomit das Pariser oder Seine-Becken von dem Ter-tiär-Becken in Belgien.
Auf beiden Seiten des Kreidestreifens scheinen sichdie verschiedenen Abtheilungen oder Stockwerke inumgekehrter Eichtung zu neigen und an Mächtigkeitin dem Maasse zuzunehmen, als man sich von ihmentfernt, um denjenigen Theilen zuzuschreiten, welchefür Mittelpunkte alter Becken angesehen werden. InBelgien verschwinden diese Lagen unter den Alluvio-nen in den Niederlanden; in Frankreich aber siehtman die verschiedenen Tertiär-Glieder in vorsprin-genden Absätzen über der Kreide liegen, gleich denZiegeln eines Dachs, so dass die nördlichen Lagensich nicht mehr in der Mitte, und die der Mitte nichtmehr im Süden finden. Daraus folgt, dass diesesBecken zwar einen geographischen Mittelpunkt hat,für den man Paris annimmt, nicht aber ein geologi-sches Centrum, von dem aus gleich Strahlen die kor-respondirenden Lagen stets wieder aufzufinden wären.Während der Epoche der Kieselkalkbildung befandsich die Stelle, wo Paris steht, ungefähr in der Mittedes Süsswasserbeckens; während der folgenden Pe-rioden wurde aber das Centrum mehr nach Süden ge-rückt.
Das Tertiär-Gebirge zeichnet sich durch grosseManchfaltigkeit seiner Bildungen aus, was begreif-licherweise auf das Verlangen geführt hat, dieselbeneinzelnen Perioden unterzuordnen. Ausser der Ein-theilung in die drei Formationen der unteren Braun-kohlen , des Grobkalks und der oberen Braunkohlen(s. oben p. 15) hat man das Tertiär-Gebirge in vierStockwerke vertheilt, wie unser Idealer Durchschnittauf No. 11 zeigt; zugleich aber wieder in drei Perio-den, welche man mit demNamenEocene, Miocene undPliocene belegte, wobei von den Fossilien ausgegan-gen und als erwiesen angenommen wurde, dass inallen tertiären Ablagerungen fossile Muscheln undSchnecken vorkämen, die mit den jetzt lebendendurchaus identisch seien. Je nachdem nun unter denMuscheln eines Beckens eine mehr oder minder grosseZahl solcher identischer Muscheln gefunden wurde,bestimmte man die Periode, welcher dasselbe angehö-ren sollte. Die älteste oder Eocene-Periode, als derenTypus der Londonthon und der Pariser Grobkalk an-genommen wurden, sollte 3 % lebender Muschelnenthalten, d. h. unter 100 Species sollten sich 97 aus-gestorbene und 3 lebende Species von Mollusken be-