n
seine Vorträge unmittelbar, und in immer weitern Kreisen mittel-bar, für würdiges, gediegenes, lebendiges, echt wissenschaftlichesAuffassen und Verarbeiten des geographischen Stoffs wirkt — wel-chem von unsern Lesern wäre diess fremd geblieben? — Wie ori-ginell beleuchtet nicht Bitters neuere kleine Schrift, womit er dasJubelfest Schnepfenthals schmückte*), eine Seite, die bisher imHalbdunkel lag! —
In dieser 18jälirigen Periode sind manche gediegene geogra-phische Werke, auch grössere Unternehmungen des Grabstichelsund Steindrucks gefördert, fortgesetzt, angefangen worden. — An-dere Productionen dieser Zeit haben sich durch geringe Preisstel-lung, selbst bei gewisser Eleganz, zu iiberbictcn gestrebt, nichtohne Keckheit sich oben an stellend**).
Zwischen diesen Allen sind unsere Leistungen fortgewachsenund haben, ohne Herold mit Trompetenstoss, Eingang und Aner-kennung gefunden. Den Unternehmern ward dadurch der Muthbewahrt, in dem mühsamen Tagwerke mit wachsendem Eifer fort-zuschreiten.
Diess der kurze Inbegriff der innern Geschichte unserer Un-ternehmungen von 1816 bis jetzt. Deuten wir noch mit Wenigeman, was zum Aeussern gehört.
Der Hand-Atlas in 50 Karten ist xon 1816 bis 1823 in 4Lieferungen (von denen die 2 t0 und 4 te in zwei Abtheilungen zer-fiel) ausgegeben worden; — der erweiterte Plan voranlasstc Zuga-ben , neue und veränderte Bearbeitungen, die in 5 Snppl.-Lieferun-gen bis 1831 und in einer 6 ten und 7 ten (neu bearbeitete Auflagenenthaltend) bis 1833 erschienen sind. Damit wurde der Hand-Atlas eigentlich geschlossen, er bestand dermalen aus fünf undsieben zig Karten***).
Es leuchtet ein und ergiebt sich aus dem successiven Erschei-nen, dass ein durchaus befriedigendes Eingreifen der spätemZugaben in den frühem Plan nicht zu bewirken war, und dass,hätte man gleich Anfangs die Absicht auf 75 K. gerichtet, eine"andere Anordnung getroffen worden wäre. Indessen sieht mandoch auch, dass hierin geschehen ist, was die Umstände erlaub-ten. — Uebrigcns sind fast alle Karten im Laufe der Zeit theilsmehrfach verbessert, theils ganz neu bearbeitet worden. Ebenso bringtfortwährend jedes Jahr Verbesserungen oder neue Bearbeitungen,und es ist daher der Hand-Atlas von 1830 ein anderer, als dervon 1833, gegen welchen wieder der von 1835 oder 1836 mancheVorzüge haben "wird.
Was die mittlere Amgabe des Hand-Atlas in LXIII Kartenanlangt, so glaubte man einem viel genährten Wunsch nach einemetwas wohlfeilem und doch möglichst vollständigen Hand-Atlas,so viel nur irgend tliunlich, entsprechen zu müssen. — Den Be-sitzern dieser mittleren Ausgabe steht es frei, noch eine weitereAuswahl von den unter den 63 nicht mit begriffenen Karten zutreffen, die ihnen auf Begehren billigst überlassen werden. —
Eine noch nebenbei, zuerst im Jahre 1830, erschienene Aus-wahl aus dem Hand-Atlas in ein und dreissig Karten, welchenüthig' wurde, um einem Nachdruck zu begegnen, entbehrt freilichvieler Special-Karten, die man ungern vermissen wird, bildet aberdennoch ein dem Bedürfniss allgemeinerer Anschauung geographi-scher Verhältnisse genügendes, vollständig abgerundetes Ganze.
Gedenken wir auch noch der Verfasser, Gehülfen und Anstal-ten, durch die unser Unternehmen gefördert worden. ■
Die Verfasser dieser geographischen Karten sind, ausser demHerausgeber Stieler selbst, nach der Zeitfolge des Anfangs ihrerTlieilnahme:
Vorerst unser Veteran in der graphischen Erdkunde, HofrathO. G. Beichard -}-), der unser geographisches Unternehmen mitbegründen half. In neuern Zeiten hat derselbe seine Müsse mehrder alten Geographie gewidmet und, wie bekannt, sich darineinen Namen erworben; aber die Liebe zu diesem seinem frühemPflegling ist nicht erkaltet.
Näclistdem II. Hübbe, jetzt in Hamburg, in einem andernwürdigen Wirkungskreise. — In der kurzen Zeit seines Antheilsam Hand-Atlas hat er, wie man weiss, mehreres Gediegene ge-leistet.
Fast gleichzeitig beginnend: J. G. Bär ff), des Herausgebers
*) „Ueber das historische Element in der geographischen Wissenschaft.”
**) Genauer betrachtet, hat es mit der gerühmten beispiellosen Wohlfeilheit soviel nicht zu sagen, auch scheint die Aufgeblasenheit mancher Ankündigun-gen und gigantischen Versprechungen wirklich nicht zu imponiren. - Meh-rere in neueren Zeiten erschienene Ifand- und Schul-Atlanten sind alsCopienund Nachdrücke unserer Karton leicht zu erkennen, wenn auch die Heraus-geber so aufrichtig nicht waren, wie der eines in Frankreich erscheinendenAtlas, anzuerkennen, wer ihnen den Grabstichel geführt hat.,
***) Anmerk. 1847. Nunmehr in 83 Karten, nachdem aus der VIHten bisXlilton Suppl.-Lief. acht neue Nummern hinzugokommeu sind,t) Geboren 26. Juni 1768 zu Schleiz, gestorben 11. Sept. 1837 zu Lobenstein.ff) Geboren 6. Marz 1789 zn Molschleben, gestorben 28. Mai 1848 zu Gotha.
Süeler treuer Gehiilfe, ohne dessen prüfendes Auge seit einer Reihevon Jahren und bis jetzt fast keine Zeichnung dem Grabstichel,keine Platte der Presse übergeben wird. Doch diess ist der ge-ringere Tlieil seiner Leistungen. Anderer Orten ist mehr darübergesagt worden. Seine Verdienste im geodätischen und hypsometri-schen Fach sind nicht unbeachtet geblieben.
Hierauf Ilauptmann v. Stnlpnagel, seit 10 — 11 Jahrenrastlos tliätig an unserer Werkstätte'. Ein meisterhafter Zeichner,mit jedem Jahre mehr des Stoffes und der Behandlung mächtig,mit sicherem Blick Spreu vom Waizen zu unterscheiden befähigt.
Seit mehreren Jahren auch Dr. Heinrich Berghaus. Diesemin der geographischen Welt sattsam gekannten Namen noch etwasbeizufügen, möchte leicht als Anmassung gedeutet werden. HerrProfessor Berghaus , Mit-Begründer der geogr. Gesellschaft in Ber-lin, hat uns seit einigen Jahren auf mehrfache WÄse durch seineThcilnalimc erfreut, nicht nur durch Mittheilung werthvoller No-tizen, Materialien und Bemerkungen, sondern auch: selbst Handanlcgond, wie die neuern Blätter einiger Theile von Asien zeigen.Wir dürfen hoffen, auch ferner mit Früchten beschenkt zu werden,die Seinem Interesse für unsere geographischen Arbeiten entspros-sen sind.
Unvergessen bleibt ferner, was von vielen Seiten durch Rath,gütige Lösung von Zweifeln, auch unaufgefordert, in jeder Hin-sicht für unsern Hand-Atlas geschehen ist. — Die nahe und fern• stehenden würdigen Männer, von denen dieses ausgegangen, sindunsers Dankes gewiss.
Billig aber erkennen wir auch das Verdienst unserer tüchti-gen und flcissigen, zum Tlieil der Kunst mit ausgezeichnetemEifer ergebenen, Stecher an, deren Namen die Blätter selbst, Zeug-niss von ihren Leistungen gellend, tragen. Zu ihnen gehört auchL. Michaelis , seit länger als 30 Jahren mit dem Herausgeber desHand-Atlas zu geographischen Arbeiten verbunden, eifrig und ge-wissenhaft in jeder Beziehung, jetzt Inhaber und Vorsteher einervorzugsweise für solche Zwecke errichteten Kupferdruckerei, wes-halb sein geübter Grabstichel wenig mehr in Anspruch genommenwerden kann.
Wenn aus allem diesem das Bestreben hervorgeht, den ge-steigerten Anforderungen an unsern geographischen Productionenfortwährend nach Kräften zu entsprechen, so kann leicht Jemandauf die Frage kommen: warum nicht Stahlstich von uns ange-wendet werde, dessen Vorzüge vor Kupferstich man in neuern Zeitenvielfach herauszuheben sucht?
Hierauf diene zur Antwort, dass, so sehr auch der Stahlstichfür andere Kunstleistungon sich empfehlen mag, er für geogra-phische Blätter, bei denen es auf Correctlieit ankommt, am we-nigsten geeignet ist, minder wegen Schwierigkeit der ersten Aus-führung und des damit verbundenen längem Zeitaufwandes, alsum deswillen, weil Verbesserungen, zumal von grösserm Belang,auf Stahlplatten (wie auch bei Steingravirungen) nicht ohne grosseSchwierigkeit zu bewerkstelligen sind, und—welche geographischeKarte bedürfte nicht schon nach Vollendung des Stiches und dannim Laufe der Zeit, der Nachhülfe und mancher, durch den Fort-schritt gebotenen Berichtigung?
Der Stahlstich ist daher nur da gut und anwendbar, wo Be-richtigungen sich nicht nüthig machen, oder wo man es mit derCorrectlieit nicht so genau nimmt. Er gereicht besonders demVerkäufer zum Vortheil, der in einem Zug 20 bis 30 TausendAbdrücke zum Verkauf bringen will.
Die Kupfcrphittc verträgt Correcturen, ohne dass sie und derAbdruck leidet. Man beschränkt sich auf die Zahl der eben nö-thigen Abdrücke und erhält die Platte immerwährend correct, indemmau bei jedem gegebenen Anlass, es scy durch neu erlangte Hiilfs-mittcl, durch Veränderungen in den politischen Verhältnissen, oderdurch Entdeckung dieser oder jener Unrichtigkeit, sich alsbald zurVerbesserung anschickt.
Wenn es sonach als ein besonderer Vorzug geographischerBlätter für den Käufer angopriesen wird, dass sie in Stahlsti-chen ausgeführt sind, so werden Sachkenner anderer Ansicht seyn.Nicht einmal, erhöhete Eleganz der Ausführung gewährt der Stahl-stich vor dem Kupferstich bei geographischen Productionen.
Hiermit übergeben wir unsern Lesern den Iland-Atlas und dieNachweisungen darüber, den Wunsch beifügend, dass ihnen derGebrauch Vergnügen und Belehrung gewähren möge. Dankbarwerden wir jede fernere Veranlassung zu grösserer Vervollkomm-nung unsers geographischen Werkes aufnehmen und nach Mög-lichkeit benutzen.
Gotha, im December 1834.
Stieler. Perthes.