Bericht über die Blätter des Hand-Atlas.
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11. Europa, zur Uebersicht der Flussgebiete und Hölien-züge. Von Ad. St. 1819. —■ Neue Auflage gez.von F. v. St. 1839. Bev. 1854.
Eine neue Bearbeitung dieser zuerst im J. 1819 entworfenenKarte machte sich um so mehr notliwendig, als schon damals dieAusführung der, durch Tunkte verschiedener Stärke nach Maas-gabo der Höhen, angegebenen Höhenzügen dem Verfasser unbe-friedigend erschien. Diese Höhenzüge sind auf dem vorliegen-den Blatte nunmehr durch feine Striche (durch doppelte für wirk-liche Höhen, durch einfache für Landrücken) bezeichnet und' ver-mögen so eine bessere Uebersicht zu gewähren; die Wichtigstenfinden sich genannt. Flüsse sind möglichst vollständig aufge-nommen, so wie alle Haupt-Canal-Verbindungen.
Die Colorirung bezeichnet die Gebiete der oceanischenWasserbecken, wobei auch zugleich jedes Flussgebietdurch farbige Abgrenzung hervorgehoben erscheint.
Die Betrachtung dieser Karte leitet auf interessante Wahr-nehmungen, z. B. ergiebt sich aus dieser Darstellung der grossemWasserbecken, wie die Gebiete der Binnen-Meerc (das Caspischeund Schwarze) mit ihren Zuflüssen weit nach Norden und Nord-westen eingreifen und die längsten Flussläufe für sich in Anspruchnehmen, während das grössere Mittelländische sich ausserdem Nil, mit Ebro, Rhone, Po und Küstcnflüsscn zu begnügenhat, wobei dieses auf der Nordseitc von hohen steilen Gebirgen,jene meist nur von Landrücken eingeschlosscn werden. Dieschon länger vermuthete tiefe Einsenkung des (Jaspisdien Seeshat sich durch das im J. 1837 von russischen Gelehrten (Fuss,Scibler und Bawitsch) unternommene grosse trigonometrische Ni-vellement bestätigt, indem als nächstes Ergebniss einer vorläufi-gen Berechnung zuerst bekannt gemacht wurde, dass der Wasser-spiegel des Caspisclien Meeres 101, 2 Russische, oder 94, 9alte Pariser Fuss tiefer liege als der des Schwarzen Meeres. Nacheiner definitiven Berechnung im Jahre 1839 sollte der Niveau-Un-terschied zwischen dem Caspisclien und schwarzen Meere 76,3 perFuss betragen; die allerneueste Revision der Rechnungen ergiebtaber als entscheidendes Resultat für die Einsenkung des Caspi-Seesunter das Niveau des schwarzen Meeres 80,17 per Fuss (Jahres-bericht der Kais. russ. Aeadcmie der Wissenschaften v. 1848). Esist die Senkung des Bodens dieser Gegend also doch nicht so be-trächtlich, als sic nach der frühem barometrischen Messung von1 arrot und Engelhardt (1811) angenommen ward. — In Betreffder Senkung des »Sees von Tiberias und des Todten Meereshat sich aus den von Lieut. Symonds im Jahre 1841 ausgeführtengeodätischen Operationen ergehen, dass der Spiegel des ersteren328,7, der des Todten Meeres 1230,66 pariser Fuss tiefer liegt,als das Niveau des Mittelländischen Meeres. Näheres hierüberam Schluss der Erläuterung des vorstehenden Blattes.
Leicht zu übersehen ist auch hier die Scheidungslinie derNordwestabdachung Europa’s und der Abdachung zu den innernMeeren, von der Südspitze Spaniens (Insel Tarifa) bis zur Quelledes Petschora am Ural.
12. Europa mit politischer Begränzung . Von Ad. St.1819. Verbessert und neu gestochen 1826 ü. 1833.—■ Neue Bearbeitung von F. v. St. 1839. NeueAufl. 1854.
Die Schwierigkeit der Illumination auf gegenwärtiger Karte,besonders in und um Deutschland, ist möglichst überwunden wor-den. Russland hat zugleich innere Begränzung zur Uebersicht derHauptbestandteile, welche geschichtliches Interesse haben, erhalten.
Der neuen Bearbeitung ist eine bedeutend grössere Ausdeh-nung gegeben worden, so dass die Karte alles, was man zu Europazu rechnen pflegt, enthält: Die Azoren, Spitzbergen, Nowaja-Semlja (dieses nach den Untersuchungen des Ilrn von Baer).
Im Osten und Südosten reicht das russische Reich seihst indenjenigen Gebietsteilen (Gonv. Perm und Orenburg), welcheman, obgleich in politischer Beziehung diese Unterscheidung keinegrosse Bedeutung hat, gewöhnlich zum europäischen Russlandzählt, über die durch den Kuban, Tcrek, Caspi-See, Fluss Ural undUralkette bis zur ICara-Mündung gebildete natürliche Gränze Europa’sgegen Asien hinaus, eine Gränze, die gleichwohl auch in klimati-scher wie ethnographischer Hinsicht keine strenge Scheidewandzwischen beiden Continentcn bildet.
Das liier Angeführte gilt auch für die Blätter No. 37 a und 39.'
Zur neuen Auflage von 1854 hat der nordwestliche Theilder Küste von Africa eine ganz neue Darstellung erhalten, welchesich auf Benutzung des „Atlas de l'Algerie, dressö sur les cartes,publ. par lc l)6pbt de la Ouerre ct d’pres les travaux de Mss.ItcnoUf Üarret et Warnier, par L. Bouffard. Avec une carte de laGrande Kabylie par Mss. Daumas et Fabar. Paris 1848.“ gründet.
13 a . Spanien und Portugal. Neue Bearbeitung 1834—1837.Neue Auflage 1854.
Diese Karte gründet sich hauptsächlich auf Honnefs mit vie-len Special-Cartons ausgestattete:
Mapa civil y Militär de Espana y Portugal, con la nueva divi-sion en distritos, enriquccido de los planes partioulares de 34Ciutades y puertos principales etc., constriiido s'obre las obser-vacioncs aströnomicas y näuticas mas uuevas, sobre los masautenticos mapäs, y sobre las operaciones .gdodesicas hecliaspor los oficialcs Espafiolcs, Eranccses d Ingleses durante laguerra de la independoncia, porDonAUjo Donnetctc. Paris, 1823.Der weitläufige Titel, der . nicht einmal vollständig hier wie-der gegeben worden, gieht wenigstens im Allgemeinen Rechenschaft
voii den vom Verf. gebrauchten Hiilfsmitteln, unter denen die ope-raciones geod. h. p. 1. of. Esp., Pr. d Ingl. dur. 1. gu. d. 1. indep.,wenn sie dabei wirklich zum Grunde liegen, von besonderer Wich-tigkeit sind; auch hat diese K. hei genauer Vergleichung mit densonst vorhandenen-Materialien, insbesondere auch der von Hum-boldt und Andern über die wahren Verhältnisse zwischen Hoch-mut Tiefland gegebenen Aufschlüsse dem Verf. unserer Karte das-selbe Vertrauen eingeflösst, dessen sie überhaupt geniesst, wenngleich die Tcrraindarstcllung und Chorographie auch hier wie aufallen Karten der Pyrenäischen Halbinsel viel zu wünschen übriglässt. Daher sagt auch der Kritische Wegweiser bei der überausgünstigen Beurthoiluug unserer vorliegenden Karte (VII. Bd. p. 101):,jSo wissen wir doch vom Innern der Halbinsel so viel wie garnichts, und es sind nur isolirte Punkte, welche von dem CentrumMadrid radicnfiirmig auslaufen, deren geographische Lage annä-hernd genau bekannt ist.”
Wer graphisch mit Liebe zur Genauigkeit arbeiten mag, weissübrigens, wie schwer cs hält, ja wie es meist unmöglich ist, ausBeschreibungen und allgemeinen Andeutungen Umrisse und Tcrrain-darstellungen zeichnend nicdcrzulcgen, wenn einigermassen ins De-tail dabei gegangen werden muss.
So viel ist aber gewiss, dass wir von Niemand ein für denjetzigen Stand unserer Kcnntniss von der Iberischen Halbinseltreueres und vollständigeres Bild hätten erwarten dürfen, als vomBr. Berghaus in seiner vortrefflichen Karte von dem iberischenHalbinsel - Lande, welche 1834 in einem sehr grossen Blatte inMünchen ausgegeben worden, wenn diese mit Angabe des Terrainsversehen wäre, wie solches nnsers Wissens die Zeichnung enthält.Die sehr grosse Anzahl von Bergnamen und IIöhen-BestimiAungen,die man auf dieser Karte findet, enthält auch reichen Stoff dazu,und hei einem Maasstab, der sich zu dem unserer Karte wie 12zn 5 verhält (im Flächenraum fast 6 mal sogross), lässt sich schonviel ausfiüircn.
Ueber das, was für Spanische Geographie seit 40 bis 50 Jah-ren geschehen ist ( Fischers Reisen, dessen Gemälde von Spaniennach Alex. La Borde, Antilion, Bourgoing, und andere bekannteWerke inbegriffen), findet man in mehreren Aufsätzen unserer geo-graphischen Zeitschriften ziemlich alles beisammen.
v. Zach. Allg. Geogr. Eph. IV. p. 28 sqq., Recens. v. MentelleK. in 9 Bl. mit verdientem Tadel der Lopezischen Karten,und pag. 542, womit eine kleine nach damaligem Stand ver-besserte von Ad. Stieler gezeichnete Karte von Sp. u. Port.(1799) ausgogoben worden;
v. Zacli monatl. Corresp. I. p. 319 ff. mit Nachrichten über To-fino’s Küsten-Karten;
Bcrtuch Allg. Geogr. Eph. XXVI. p. 71. Ree. von Mentelle’s oh-gedacliter K. — Dem Recens. scheint die frühere Anzeige nichtbekannt gewesen zu seyn;
Hertha III. p. 5 ff., wo Schröder: Ueber die Aufnahme derKüsten etc. deutsch gegeben ist;
Hertha XI. p. 535 fl', u. XII. p. 410 ff., wo die Span. Blätterdes Atlas universel von v. d. Maelen ausführlich beurtheiltwerden, und
Hertha IV. p. 5 ff., ein 'höchst interessantes Schreiben A. v. Hum-boldt’s über die Gestalt und das Klima des Hochlandes derIberischen Halbinsel.
Dieses und was in XII. der Hertha über den physischen Cha-rakter Spaniens gesagt ist, verdient besondere Beachtung und dientzur Berichtigung älterer Darstellungen der Gebirgszüge. Begreiflichkann es aber noch nicht auslangcu, ein treues und vollständigesBild zu gehen.
Seit der neuern Kintlieilung Spaniens in 51 Districte sind wirmit einer noch neuern in 49 Districte beschenkt worden, durchDecret der Königin-Regentin. — Beiden liegt die bekannte bishe-rige mehr historische und nationelle Eiutheilung zum Grunde, diesieh auch in ihren Hauptgestalten gewiss noch lange Zeit erhaltenwird. Wer mag genau wissen, nach welchen dieser Eintheihmgendie Verwaltungsbehörden jetzt organisirt sind? Indessen gehen wirhier den Haupt-Inhalt jenes Decrets, für Diejenigen, welche In-teresse daran haben, mit einigen Bemerkungen darüber.
Art. 1) Das Spanische Gebiet sowohl auf der Halbinsel als auf dennahe liegenden Inseln wird in 49 Provinzen abgetheilt,welche den Namen ihrer Hauptstädte führen sollen; mitAusnahme von Navarra, Alava, Guipuzcoa und Bisoaya, dieihre gegenwärtigen Benennungen beibehalten.
Art. 2) Andalusien ,■ welches die Königreiche Cordova, Jaen, Gra-nada und Sevilla umfasst, zerfällt jetzt in folgende achtwie nn-(Provinzen: Cordova, Jaen, Granada, Almeria, Malaga, Se-
Kfl™ \ villa, Cadiz und lluelva;
1 Arragonion in drei Prov.: Saragossa, Huesca und Teruel.(Hier ist die Prov. Calatayud eingegangen.)
Das Fürstenthum Asturien bildet die Prov. Oviedo.
Neu-Castilien bleibt fernerhin gctlieilt in die fünf Prov.:Madrid, Toledo, Ciudad-lleal, Cuenca und Guadalaxara.
Alt-Castilien zerfällt in acht Prov.: Burgos, Avila, Sego-via, Soria, Logrono, Santander, Valladolid und Palencia.(Hier ganz etwas Neues, dass beide zuletztgenannte Pro-vinzen vom Königr. Leon zu Alt-Castilien geschlagen sind;da doch bis jetzt alle geographischen Lehrbücher, und auchdie Karte von Donnet diese zu Leon gerechnet haben.
Catalonien theilt sich in vier Prov.: Barcelona, Tarra-cjona, Lerida und Gerona; 'Estremadura umfasst die Provinzen Badajoz und Caceres ;
Galicien, die Prov.: Ooruna, Lugo, Orense und statt Vigo,Bontevedra.
Das Königreich Leon zerfällt in Becm, Salamanca undZamora (hier fällt die Provinz Ponferada oder Villafrancaweg); das Königreich Murcia in Murcia und (statt der bis-herigen Chinchilla) Albacele.
Das Königreich Valencia in Valencia, Alicante und Ca-stellon de la Plana (liier fällt die Provinz S. Felipe weg;.
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wie un-sereKarte.