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Die Wandgemälde von S. Angelo in Formis / Franz Xaver Kraus
Entstehung
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19
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VON FRANZ XAVER KRAUS

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Schwieriger und ungewisser ist die Erklärung des unter der Geschichte Kains und Noahs geordneten grofsen Bildes, welches einen zu Gericht sitzenden Königmit Krone und Scepter zeigt: hinter ihm ein Diener, der das Schwert trägt, nebenihm ein älterer und ein jüngerer Mann, beide in vornehmer Hoftracht, mit reich-besäumten Unter- und Oberkleidern. In der Mitte der Darstellung sehen wir einenjungen vornehm gekleideten Mann auf das Rad gespannt, das Uber einem mit Blumenbewachsenen Hügel dahingerollt wird, zur Rechten (vom Beschauer gen.) erblicktman wieder ein grofses Rad, unter welchem ein Haufen gemarterter Toten oderSterbenden. In der Ecke eine Anzahl von Staunen oder Schrecken ergriffener Zu-schauer; über dem Rade steht ein mit reich verbrämtem Unterkleide bekleideterHeiliger in der Haltung des Orans. Sein Antlitz ist bartlos, mit einem weifsge-ränderten Nimbus umgeben, wie dasjenige des auf dem Rad Liegenden; bei beidenfehlen die Farbenflecke auf den Wangen nicht. Caravita hat für diese von Schulzund Salazaro gar nicht erwähnte Darstellung keine Deutung. Ich vermute in ihr dieMarterung des hl. Georg von Kappadocien , und zwar die in der Legenda aureageschilderte Scene: »sequenti die iussit (rex) Georgium poni in rota« etc. 1 ) Der zweiteHeilige könnte der eben von ihm bekehrte und vor ihm zu Tod gebrachte Magussein. Dabei bleibt freilich die in dem Martyrium des Heiligen nicht erwähnte Scharder übrigen Gemarterten (nur die Königin Alexandria wird noch vom König hin-gerichtet, und man könnte sie in der Frau neben dem Rade vermuten) unerklärt.

Schon Caravita fand unter den eben besprochenen Gemälden die Reste vonMedaillons, welche allem Anscheine nach sich in beiden Abseiten fortsetzten und dieSerie der Cassineser Äbte von Benedikt bis auf Desiderius darstellten. Eines der-selben, nahe dem im südlichen Seitenschiffe aufgestellten Altäre mit dem schlechtenÖlbilde Benedikts und seiner Schüler, S. Placidus und S. Maurus, trägt die Bezeichnung

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H (Johannes) ABBAS. Es ist der 35. Nachfolger des Stifters von Monte-Cassino , der-s

selbe, welcher die Mönche von Teano in jenes Kloster S. Benedikts zu Capua über-führte, von dem S. Angelo seiner Zeit abhing, ehe die Bischöfe von Capua es denCassinesern entzogen. Auch dies Detail ist interessant. In den Zwickeln über denArkaden des Mittelschiffes, in S. Georg auf der Reichenau, finden sich ähnliche Brust-bilder in Medaillons eingeschlossen. Abgesehen von der Stelle, wo diese Medaillonsangebracht sind, bietet Anordnung und Behandlung dieser Bildnisse in beidenKirchen die gröfste Analogie. Auch an den Kapitellen des Schiffes in S. Angelo siehtman kleine Gestalten von Mönchen und Äbten in ihrer Kutte, dem Scapulare, mitihren Büchern.

) Sanct Georgs-Legende war auch auf der Reichenau wohlbekannt; man vergl. denvon Mone, Hymn. lat. med. aev. III, 318, aus einer Reichenauer Handschrift publiziertenHymnus, wo auch unserer Scene Erwähnung geschieht:

te tyrannus super rotamgladiosam statuitquam divina virtus totammox rumpendo destruit.

(Schluss folgt.)

Gedruckt in der Reichsdruckerei.