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4 (1839) Erster Theil, enthaltend die Staaten des Deutschen Bundes, so wie die Gesammtländer der Preussischen und der Österreichischen Monarchie / von Dr. Heinrich Berghaus
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Europäisches Staatensystem.

den Meridian von etwa Long. 66'/,° als äußersten Punkt auf der Ost-seite an.

Will man bei den Gränzbestimmungen nur auf das feste Land Rück-sicht nehmen, so findet sich der westlichste Punkt auf der iberischen Halb-insel, im Kap la Rvca, welches um ungefähr einen Grad östlicher liegt,als das Kap Sybil, nämlich in Long. 11° 50' 20" W. von Paris.

Eüropa hat von Süden nach Norden gerechnet eine Ausdehnung von35'/s", von Westen nach Osten 7V", wenn man von der westlichen SpitzeIrlands rechnet. Diese Erstreckung vermindert sich um 50', wenn nurdas Festland in Betracht gezogen wird; aber sie vermehrt sich um 14°,in sofern man geneigt seyn will, die Insel Island mit in Betracht zuziehen, denn die westlichste Landspitze dieser Insel, der Fuglebiarg oderStaalbiarg, liegt in Long. 26° 50' 48" W. Paris.

Island ist von dem nächsten Punkte des festen Landes von Eüropafast 150 deütsche Meilen entfernt. Weit geringer ist die Entfernung vonAmerika: der nächste Punkt von Grönland mag etwa 50 bis 60 Meilenvon Islands Nordwestspitze abstehen. Dennoch ist mehr als ein Grundvorhanden, der uns berechtigt, Island als einen Zubehör von Eüropa zubetrachten; insbesondere ist es die Uebereinstimmung der klimatischen Ver-hältnisse und der dadurch bedingten Vegetation mit den nördlichen Gegen-den von Eüropa.

Zu den natürlichen Bestandtheilen Eüropa's gehören von den Inselnim Atlantischen Ocean die Färöer, die Shetländischen und Orkney Inselnoder Orkaden; dann, wie sich von selbst versteht, die Britischen Inseln;ferner von den Inseln des Mittelländischen Meeres alle in der westlichenHälfte desselben liegenden, die Balearen, Pithyusen, Corsika, Sardinienund Sicilien. Die griechischen Inseln, sagt L. von Buch, sind nicht spo-radisch zerstreüt, oder cycladisch versammelt, sondern durch sie werden dieGcbirgsreihen des feste» Landes in gleicher Reihe, und mit gleichen Ge-birgsarten fortgesetzt, bis in weiter Entfernung die einzelnen Erhebungennicht mehr als Inseln aus dem Meere aufsteigen können. Sie sind dahernothwendige und wesentliche Bestandtheile von Griechenland selbst, und sosehr, daß man mit vollem Rechte, und bloß von der Natur geleitet, aufden aüßersten Felsen von Stampalia setzen könnte: »Hier ist Eüropa undnicht Asten," und auf den westlichsten von Eos und Callimene: »Hierist Asien und nicht Eüropa."

Eüropa ist, nächst Australien, der kleinste Erdtheil. Wenn man sei-nen Flächenraum 1 setzt, so ist der Flächenraum von Afrika 3,r,von Amerika fast 4, und der von Asien 5,-. Dennoch ist Eüropader wichtigste unter allen großen Landmassen der Erde, und das verdanktes seiner günstigen Lage, zum allergrößten Theil innerhalb der gemäßigtenZone, und der überaus vortheilhaften Gestaltung seiner aüßern Umrisse sowie der Bildung seiner Oberfläche.

Kein Abschnitt von Eüropa reicht in die heiße Zone, nur ein sehrkleiner gehört der kalten Zone an. Eüropa liegt zum größten Theil inner-halb der glücklichen Klimate, wo der Mensch von der Natur aufgefordertwird, thätig und arbeitsam zu sein, wenn er sein tägliches Brod verdienenwill, wo der Boden, dem er seine Hauptnahrungsstoffe verdankt, einer