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Europäisches Staatensystcm.
Westen sendet zur Küste des Deütschcn Meeres und des Englischen Ka-nals. Südwest-Eüropa dagegen besteht aus einem Gemenge größerer undkleiner Hochländer, die bald als Gebirgsketten, bald als Gebirgsgruppen,bald als Vergebenen niedrigerer Art auftreten, die im Zusammenhangeallerdings wol als ein Ganzes betrachtet werden können, nichts desto we-niger aber manchfaltig unterbrochen und sogar getrennt sind durch tiefeindringende Thaler und Ebenen, wodurch auf kleinem Raume eine Viel-fachheit der Bodensormen entsteht, die nirgends anderswo auf dem weitenErdrunde wieder gefunden wird, es sei denn, daß man sie dereinst imKontinent von Australien entdecken möchte. Nvrdwest-Eüropa ist, vondiesem physikalisch-geographischen Standpunkte aus, einzig und allein dieSkandinavische Halbinsel, deren Grundkaraktcr durch den des Hochlandesausgesprochen ist.
Diese Ansicht von der Zerlegung des Kontinents in drei Theile ge-winnen wir, wenn wir uns in die Mitte des Erdtheils stellen, auf denPunkt nämlich, wo der Parallel von Lat. 50" N., durch denjenigen Me-ridian geschnitten wird, welcher 20° östlich von Paris entfernt ist. Vondiesem Punkte aus den Blick gegen den Untergang des licht- und wärme-strahlenden Gestirns gewendet, fällt er auf den Westen von Europa, aufdie von dem festen Lande getrennten Inseln Britannien und Irland.
Ich halte eS für überflüssig, auf eine nähere Nachweisung der Ver-theilung der beiden Haupt-Bodensormen einzugehen, da das Allgemeinederselben in meinen ersten Elementen der Erdbeschreibung enthalten ist,und das Besondere weiter unten in der Schilderung der einzelnen Länderund Staaten seine Stelle finden wird. Doch will ich die quantitativenVerhältnisse dieser beiden Formen hier wiederholen, wobei es jedoch nichtunbemerkt bleiben darf, daß diese Zahlen nur auf ganz allgemeinenSchätzungen beruhen, von denen es wünschenswerth gewesen wäre, daß 'jüngere Autoren sie durch Erneüerung der Rechnung verificirt hätten, stattsie, mit einigen Veränderungen in den Namen, abzuschreiben, ohne dieQuelle, aus der sie schöpften, zu nennen. Meine, vor vielen Jahren vor-genommenen Schätzungen, welche ich zum ersten Male in den oben erwähn-ten Elementen der Erdbeschreibung (Berlin 7830) bekannt gemacht habe,-geben folgender Maßen den
Flächeninhalt -es Festlandes von Europa
in deütschcn Quadratmeilen.
1. Gebirgsländer.
Das Alpenland.4,500
Die westliche Hälfte des wcsteüropäischcn Berggürtels 4,500
Die östliche Hälfte desselben.4,600
Das Plateau von Deütschland.3,800
Das Gebirgssystem der griechischen Halbinsel . . 6,300
Der Bergzug der Apenninen-Halbinsel .... 2,800
Das Castilische Hochland, Spanien und Portugal 10,000
Das Skandinavische Gebirge. 9,500
46,000