Eürvpäisches Staatensystem. — Deutsches Land.
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3. Gestalt der Oberfläche; geognostischer Karakter;
Mineral-Erzeugnisse.
Fast in keinem andern Lande Eüropa's ist die Manchfaltigkeit derBoden-Gestaltung, welche unsern Erdthcil zu einer kleinen Welt für sichkarakterisirt, so deutlich ausgesprochen, als gerade in unserm Vaterlande.Der Wechsel zwischen Loch und Tief, zwischen Berg und Thal, Tafellandund Flachland ist so viclartig, er scheint auf den ersten Blick so verworrenund regellos zu sein, daß es den Erdbeschreibern noch immer sehr schwerfällt, einen Gesammtüberblick von dem Verhalten der deütschcn Gebirgezu geben. Ich glaube daher, die Vorstellung hier wiederholen zu dürfen,welche ich mir von der Verbreitung und dem geographischen Zusammenhangeder Gebirge Deütschlands verschafft, und die ich zum ersten Male vor acht Jah-ren in den »Ersten Elementen der Erdbeschreibung« bekannt gemacht habe.
Ich will hier weniger von den Alpen reden, die mit einem nicht un-beträchtlichen Abschnitt ihres Centralzuges, so wie mit ihrem ganzen Ost-flügel, innerhalb der deütschcn Gränzen fallen; ich will hier vorzugsweisevon den Gebirgen niederer Art sprechen, welche einen sehr großen Theilvon Deütschland mit ihren verschiedenen Gliedern und Zweigen erfüllen.
Wie der südliche Theil Deütschlands von den Alpen, so wird dermittlere von einer langen Zone von Unebenheiten durchzogen, die zu dem-jenigen Bcrggürtel gehört, welchen ich den Westeüropäischen genannthabe. Dieser Bcrggürtel zerfällt in zwei Hälften, eine westliche und eineöstliche; beide treffen sich in Deütschland. Die westliche Hälfte streicht inder Normalrichtung von SSW. nach NNO., vom Golf von Lion bis zurEmsquelle; die zweite oder östliche Hälfte beginnt hier, und folgt einerSO.Richtung bis zum Donau-Delta. Dieß sind die Hauptzüge diesesBergwalles, der das Hochland von Westeuropa von dem Flach- oder Tief-lande des Kontinentes scheidet, dessen karakteristische Merkmale wir im42stcn Kapitel unserer physikalisch-geographischen Umrisse kennen gelernthaben. (ll. Bd., S. 557 ff.)
Die Hardt und das Niederrheinilche Schiekergebirge.
Von dem westlichen Theile dieses Berggürtels fällt die nördliche, klei-nere Hälfte der Mittclgruppe innerhalb Deutschland, und dann außerdemein großer Theil der nördlichen Gruppe, der niederrheinischen Vorterrasse.Jene Mittelgruppe ist durch den Gcbirgszug der Vogesen gezeichnet, deraus deütschem Gebiet Hardt heißt, und hier eine Höhe von 160^ bis25<si erreicht, mit dem Calmet oder Kalmuck, als beträchtlichster Gipfel»ek-hebung, in Lat. 4S° 20h Long. 5° 4kU O., von 34«< Höhe. Steil fälltdie Hardt gegen O. in das Rhcinthal, und gegen N. in die schmale Ebenevon Kaiserslautern, die nur 125^ hoch ist, und das Rheinthal mit demSaarthal, an der Mündung der Blies, in Verbindung seht.
Jenseits der Ebene von Kaiserslautern, die kaum eine Meile breit,aber zwölf Meilen lang ist, und bei diesen Dimensionen als eine Thal-rinne erscheint, erhebt sich die nördliche Gruppe des westeüropäischen Berg-hügels, welche in der Normaldirektion von SW. nach NO., eine Plateau-landschaft bildet, die von den Quellen der Sambre über die Maas, die