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4 (1839) Erster Theil, enthaltend die Staaten des Deutschen Bundes, so wie die Gesammtländer der Preussischen und der Österreichischen Monarchie / von Dr. Heinrich Berghaus
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Europäisches Sraatensystem.

namentlich der Granit, zu Tage, sonst aber besteht der Harz, seinerHauptmasse nach, aus Thonschiefer und Grauwacke. Neich ist die Schiefer-formation an Erzen; von großer Wichtigkeit ist daher der Bergbau amHarz, der auf die edeln sowol als fast auf alle unedle Metalle betriebenwird. Unter den deutschen Gebirgen steht der Harz nur dem Erzgebirgein Rücksicht des Mineral-Reichthums nach. Der Oberharz ist vorzugs-weise die Heimath des Grubenbaus auf Silber, aber auch der Unterharz,die Gehänge desselben im Mansfeldischen, sind nicht arm daran. Hieram östlichen Fuß des Harzes brechen die ergiebigsten Salzquellen hervor,die auf einer langen Linie von Arteru bis Salze, unfern der Saale-Mündung, der Gegenstand eines sehr fleißigen Betriebes sind. Auch amOberharz, unmittelbar an seinem nördlichen Fuß, finden sich Salzsooleu.

Das sechste und letzte Glied endlich liegt in der nordwestlichenVerlängerung der Thüringischen Terrasse und des Harzes. Es ist einGemenge kleiner Plateau's und Höhenzüge, die hier zu geringer HöheHerabsinken, in ihrer Gesammtheit und in der Mitte von dem tiefen Thaleder Weser durchzogen, weshalb wir diese ganze, über 25 Meilen langeLandschaft mit dem Namen der Weser-Terrasse belegen können. Sieberührt auf ihrem Zuge das niederrhcinische Schicfcrgcbirge.

Unter ihren Plateau's sind zu bemerken: Der Solling, zwischender Leine und der Weser, mit dem Moos Berge, welcher der Scheitelpunktund 263hz hoch ist; die Vergebene von Pader born, in der Gabelungder Diemel und Weser, wo der Köter Berg, mit 251hs, der höchste ist.Am Wcstende dieser Ebene steigt eine schmale Bergkette auf, der Tcüto-burger Wald, welcher die Gränze gegen das Flachland bildet, indemer gemeinschaftlich mit dem Nordrande der niedcrrheinischen Vortcrrasseden westfälischen Gebirgsbusen bildet, in welchem die Eins entspringt,mit deren Lauf der Teütoburger Wald anfangs parallel zieht, um endlichgegen ihre Ebene abzufallen. Auf diesem letzten Zuge erhebt sich die Berg-Kette in dem Fören Berge bei Jburg noch auf 166^ absolute Höhe;aber dies ist auch die letzte Anstrengung, welche die Natur bei Hebungder Berge im nordwestlichen Deütschland gemacht hat; denn von nun ansenkt's sich rasch, vbwol jenseits, auf der Westseite der Ems, noch ein Maleine kleine Anschwellung Statt gefunden hat, in der Anhöhe nämlich, vonwelcher das Bentheimer Schloß weit und breit auf die Heide- und Moor-Flächen des nördlichen Westfalens und des östlichen Hochlands herablickt.Bei Rheine bricht die Ems durch Felsen-Ufer! Als Nordrand diesessechsten Gliedes ist der Saütel und die Minden sehe Bergkette zubemerken, die von der Weser in einem Qucr-Thale, der sogenannten West-fälischen Pforte, durchbrochen wird.

Dieses letzte Glied in dem langen Kettensystem ist aus Flötz- undTertiär-Gebilden aufgebaut, die hier in so großer Mauchfaltigkeit und schein-barer Unregelmäßigkeit auftreten, daß es nur einem geologischen Genie,wie es mein verstorbener Freund Friedrich Hoffmann war, möglich seinkonnte, dieses Labyrinth der Formationen zu entwirren. Auf sein großesWerk über die orographischen und geognostischen Verhältnisse Norddeütsch-lands muß ich denjenigen Leser nothwendiger Weise verweisen, welcher ein spe-kielles Interesse an der natürlichen Gestaltung des deütschen Vaterlandes nimmt.