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4 (1839) Erster Theil, enthaltend die Staaten des Deutschen Bundes, so wie die Gesammtländer der Preussischen und der Österreichischen Monarchie / von Dr. Heinrich Berghaus
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Deütsches Land.

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Herbst. Nennen wir jeden Tag, an welchem sich Nebel zeigt, er mögenur kurze Zeit oder den ganzen Tag dauern, einen Nebeltag, so findetsich, nach den vorhandenen Beobachtungen, daß Dcütschland, von derNordseeküste bis auf das Plateau von Baicrn, jährlich 40 Nebeltage zählt,die fast alle auf den Sommer und Herbst fallen, und im Sommer beinahegänzlich verschwinden. Aber am Fuß der Alpen steigt dieses Quantumder Nebeltage außerordentlich: auf dem Peißenberg giebt es jährlich 133und in Tegernsce 135 Nebcltage, deren Ma.rimum jedoch ebenfalls in dengenannten zwei Jahreszeiten eintritt.

Was die elektrischen Erscheinungen anbelangt, so finden aneinem Orte in Deütschland jährlich im Durchschnitt 19 Gewitter Statt,die sich vorzugsweise im Sommer, namentlich im Monat Juli, seltener imFrühling, im Mai 3, noch seltener im Herbst, und höchst selten im Winterzeigen. Die gewitterreichste Gegend scheint Niederschlcsten, die gewittcr-ärmste Nieder-Österreich zu sein: dort zählt man, nach den Beobach-tungen in Sagan, jährlich 29; hier, nach den Beobachtungen in Wien,jährlich 8 Gewitter. Hagelschauer ereignen sich im Durchschritt nur 5,die meisten ebenfalls in Sagan, nämlich 10, die wenigsten in Stuttgart,nur 2. Die große Mehrheit der Hagelschauer fällt auf den Frühling, dasMinimum auf den Winter.

Es ist oben erwähnt worden, daß die südwestliche Richtung der Luft-strömungen in Deütschland die herrschende sei. Genauer ausgedrücktist die mittlere Windrichtung West zum Süd, oder noch schärfer bestimmtS. 76° W. (s. l. Band, S. 310). Dies ist das, von Kämtz gefundeneDurchschnitts-Resultat von zwanzig Beobachtungs-Stationen, die überganz Deütschland verbreitet sind, von Cuxhaven bis Tegernsce, von Karls-ruhe bis Sagan. Daß hiervon, je nach der Lage und Stellung der Beob-achtungsorte, Abweichungen Statt finden werden, leuchtet ein. So findetsich, wenn wir wiederum, wie oben bei der Temperatur, einem Meridian-striche quer durch die Mitte von Deütschland folgen, die

Mittlere Windrichtung.

In Cuxhaven . . N. 85° W. oder nahe W. zum N. '/- W.

>> Hamburg . . S. 81° W. » » W. zum S. ^ W.

>, Berlin . . . S. 68 W. » W. S. W.

Halle . . . N. 86 W. >> W. zum N. '/- W.

Prag . . . S. 74 W. >> W. zum S.

» Regensburg . N. 31 W. » N.W. zum N.

» München . . S. 59 W. S.W. zum S.

>, Tegernsce . . N. 84 W. >> >, West.

In Unter-Österreich, und vorzugsweise in Wien, zeigt sich der NW.als der vorherrschendste Wind. Er weht beinahe den dritten Theil desJahres, bringt unter 100 Tagen 70 trockene und 30 nasse, und gewöhn-lich die, für Wien's Klima so unfreündlichen als nachtheiligen kalten undheftigen Regcnstürme, welche im März und April, Oktober und Novembermeist plötzlich eintreten und längs der westlichen Ränder des WienerBeckens hinziehend, die höheren Berge und Alpen mit Schnee bedecken,und empfindliche Temperatur-Oscillationen, oft von 12°V» bis 20° an