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4 (1839) Erster Theil, enthaltend die Staaten des Deutschen Bundes, so wie die Gesammtländer der Preussischen und der Österreichischen Monarchie / von Dr. Heinrich Berghaus
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Deütsches Land.

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Deütschlands Wälder, in der Ebene wie auf den Bergen, vorzüglichaber die Bergwälder, liefern saftige Beeren der verschiedensten Arten inÜberfluß: Erd-, Heidel-, Him- und Preißclbeercn gehören hieher, undin den Erica-Steppen des Nordwestens zieht die Wachholderbcere unsereAufmerksamkeit auf sich. Futterpflanzen, wild und angebaut, erheben inmanchen Gegenden die Viehzucht zu dem wichtigsten der landwirthschaft-lichen Gewerbe.

An Waldungen ist Dcütschland nicht arm. Vorzüglich sind es dieGebirge, die mit den prachtvollsten Forstbaümen der gemäßigten Zone be-standen sind, daher führen auch die meisten Gebivge den Zunamen Wald,als: Schwarzwald, Böhmerwald, Thüringerwald rc. rc. Die Sudetenböhmischer Seits, namentlich das Jscrgcbirge, die westliche Verlängerungdes Riesengebirgs, sind gleichsam mit einem Urwalde bedeckt, in dem man,aus staatspolitifchcn Rücksichten, die Natur wuchern läßt. Minder wald-reich sind die Plateaulandschaftcn, sehr reich an ausgedehnten Wäldern istder östliche Theil des norddeutschen Flachlandes. Der baltische Küsten-saum ist hauptsächlich mit Eichen- und Buchenwäldern besetzt; im Innerndes Flachlandes herrscht das Nadelholz vor, besonders die Kiefer, doch istauch die Birke weit verbreitet; auf den Gebirgen sind es die Kiefer, dieFichte und die Lärchtannc, welche die Wälder bildet, mit untermischtenEdeltannen, Buchen und Eichen, und in den milden Klimaten der Rhein-thäler, der Terrassen von Schwaben und Franken tritt der Kastanicn-baum auf. Durchaus waldlcer ist der ganze Nordmcstcn von Deütschland;obgleich man in einigen Gegenden dieses Gebietes, steht man auf einerHöhe, meinen sollte, man erblicke nur Wald; diese Täuschung wird durchdie Strauchgewächse hervorgebracht, womit die Wälle (oft undurchdringlich)bepflanzt sind, welche die Scheidung bilden der ländlichen Grundstücke.Jene nordwestlichen Länder finden Ersatz für das mangelnde Holz, diesesin seiner Eigenschaft als Brennmaterial betrachtet, in den Torfscldern,womit sie weit und breit überzogen sind.

6. Thievreich.

Im sechsten Buche der physikalischen Erdbeschreibung, welches vonder Verbreitung der Thiere handelt, haben wir numerische Angaben überden Viehstand der Länder Eüropas mitgetheilt. Der Leser hat darausersehen, daß Deütschland einen sehr namhaften Theil hat an diesem Vieh-stande, daß also die Hausthiere bei uns sehr gepflegt und gehegt wer-den ! Das Pferd, das Rindvieh, das Schaaf und das Schwein bilden denHauptviehstand Deütschlands; diese Thiere werden überall gezogen, ausden- Plateanländcrn und in der nördlichen Ebene: doch ist das Pferd hiervorzüglicher als dort; die Küstenländer der Nord- und Ostsee, mit Aus-nahme von Pommern, sind durch ihre ausgezeichnete Rindviehzucht be-rühmt. Sachsen, Schlesien, Böhmen und Mähren ziehen die edelstenSchaafe, und das Schwein gedeihet vortrefflich in Westfalen und den an-gränzenden Gebieten des Flachlandes. Der Esel findet sich nur in denBergländern, und das Maulthier gesellt sich zu ihm in den Alpen. DieBerggegenden sind es auch vorzugsweise, welche die Ziegenzucht begün-stigen. Die Federviehzucht nimmt die Betriebsamkeit des Landmanns