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Europäisches Staatensystem.
von Lesern in Thätigkeit gesetzt; wir beklagen das, denn die Rvmanen-Literatur, indem sie, bei der allgemeinen Kenntniß des Lesers, bis zurHütte dringt, hat, durch ihre Tendenz, die sittliche Ausbildung aufgehal-ten; sie hat, statt auf Beschwichtigung der Leidenschaften hinzuarbeiten,statt das Gefühl für Recht, Anstand und Sitte zu wecken und zu beleben,gerade das Entgegengesetzte bewirkt; sie hat das schlummernde Böse immenschlichen Herzen geweckt, sie hat das Unrecht, das Unerlaubte, dasÜbertreten der ersten Vorschriften aller Religionen entschuldigt, beschönigt,angefacht, und Bücher, wie Werthers Leiden, die Wahlverwandtschaften,haben in wenig Stunden zerstört, was eines jahrelangen, mühsamen Auf-baues bedurft hatte. Die christliche Erziehung ist durch die frivole Phan-tasie der großen Mehrzahl der Roman-Dichter gehemmt worden. Einanderer Geist muß über sie kommen!
7. Blicke auf die Politische Geschichte Deütschlands.
Nach den Mindern und Teütonen, 113 Jahre vor Chr., werden dieGermanen zuerst wieder unter Cäsar bekannt. Augustus schied Germaniendurch den Rhein, und das cisrhenanische Germanien durch den Obringain Ober- und Nieder-Germanien (Mainz und Köln). Alle Erwerbungender Kaisersöhne jenseits, d. i.: auf der Ostscite des Rheins im freienoder großen Germanien vernichtete der eine Sieg Hermanns im Jahre 9nach Chr., und es blieben nur Spuren der römischen Anwesenheit inBurgen und Städten. Der cheruskische Bund im Nvrdweften, unter Her-mann, und der markomannische im Südostcn, unter Marbod und Katualdazerstörten sich selbst durch römische Hinterlist, und die römischen Gränzenblieben unangefochten. Doch nach hundert Jahren wurde ein neuer mar-komannischer Bund gestiftet, der die Römer in den Jahren 160 bis 182nach Chr. nicht unglücklich bekriegte. Mit dem Ende des zweiten Jahr-hunderts verlieren sich aber die alten Namen, und seit dem dritten Jahr-hundert sehen wir Franken am Niederrhein und Alemannen am Oberrhein,die gefährlichsten Feinde der Römer. Im Norden treten die Sachsew undFriesen, als Seefahrer, auf; sie greifen zu Lande und zu Wasser die römi-schen Gränzen an; doch bis auf Theodostus, 395, ohne entscheidenden Er-folg. Nun drangen neüe Völker von Osten und Nordosten an, und dieSchwäche des römischen Reichs nahm immer mehr zu. Burgunder vonder Weichsel gingen im I. 407 über den Rhein und erhielten Land amRhone 4l1. Sneven von der Ostsee und Elbe gingen mit Alanen undWandalen in demselben über den Rhein Lurch Gallien und Spanien, be-setzten 411 Gallicien, vergrößerten sich 420 durch das Gebiet der Wan-dalen und Alanen, welche Andalusien beseht hatten; aber ihre Machtwurde 456 von den Westgoten geschwächt, und endlich 585 gänzlich auf-' gerieben. Sachsen und Angeln plünderten als Seeräuber die Küsten vonEngland und Frankreich und eroberten 449, als sie von den Briten gegendie Pikten und Skvtcn zu Hülfe gerufen wurden, England. Den Frankengelang es noch nicht, sich weiter auszubreiten: sie wurden 407 von denWandalen, Alanen und Sneven geschlagen, und blieben bis 482 auf dasBelgische Gallien eingeschränkt. Die Friesen und Alemannen verbliebenruhig in ihren Wohnsitzen: diese in Schwaben und der Schweiz, jene in