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4 (1839) Erster Theil, enthaltend die Staaten des Deutschen Bundes, so wie die Gesammtländer der Preussischen und der Österreichischen Monarchie / von Dr. Heinrich Berghaus
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Deutschland.

Die Viehzucht, dieser zweite Zweig der physischen Kultur, ist inBaiern vvn ansehnlicher Ausdehnung, doch bildet sie nur in den südlichenGegenden des Königreichs, auf Leu Alpen, ein ausschließliches landwirth-schastlichcS Gewerbe, während sie in den übrigen Gegenden mit dem Be-trieb des Ackerbaues auss innigste verknüpft ist. Dort kann die Rind-.Viehzucht mit den gleichartigen Bestrebungen der Schweizer Hirtenwetteifern. Dic Schaafzucht wird am stärksten in Mittelfranken be-trieben, allein auch sie ist mit ihrem Erzeügniß, der Wolle, noch weithinter andern deütschen Ländern, namentlich Preußen und Sachsen zurück.Von großem Umfange ist die Zucht der Schweine, Ziegen und des Feder-viehs in Untersranken; vor allen Kreisen zeichnet sich aber Mittelfrankendurch treffliches Federvieh aus, vorzüglich Hühner und Gänse, wodurchein nicht unerheblicher Fedcrhandcl entsteht. Nach einer im Jahre 1837Statt gehabten Erhebung besteht der Vichstand des Königreichs' aus330,62« Pferden, 2,350,386 Stück Rindvieh, 1,484,080 Sckaasen, 866,861Schweinen, 101,582 Ziegen; dazu kommen 171,460 Bienenstöcke und4,551,178 Stück Federvieh. ES kommen hiernach auf eine Quadratmcile:238 Pferde, 1681 Stück Rindvieh, 1061 Schaafe, 620 Schweine, 73 Zie-gen, 123 Bienenstöcke und 3255 Stück Federvieh. Der Mcuschenzahlnach kommen auf 100 Bewohner: 6 bis 7 Pferde, 54 Stück Rindvieh,34 biS 35 Schaafe, 20 Schweine, 2 3 Ziegen, 4 Bienenstöcke und 105Stück Federvieh, Gegen das Jahr 1830 hat der Vicbstand sehr ansehn-lich zugenommen, mit alleiniger Ausnahme des Schaafviehs, bei dem einnamhafter Verlust eingetreten ist. Mit der Scidenkultnr bat mau denAnfang gemacht. Die Fischerei ist von keinem Belang, ansehnlicher da-gegen zeigt sich der Ertrag der Jagd, vbwol der Wildstand durch die lan-gen Revolutionskriege, deren Schauplatz Baiern vorzüglich mit war, sowie durch Verpachtung der Jagden sehr zurückgekommen ist.

Des Ertrags dcS baicrischen Bergbaues haben wir in unserer Ta-belle des Mineralreichthums gedacht (IN. Band, S. 568); wir ersehendaraus, daß Eisen, Kochsalz und Steinkohlen die vornehmsten Bergpro-dnktc sind. Dic Berg- und Hüttenwerke, deren, mit Einschluß von 1021Thon-, Sand-, Gyps-, Kalk- und Steingrubcn, 2025 gezahlt werden, undzwar 107 königliche und 1918 private, liefern jährlich für 2'/-MillionenGulden an Werth Produkte. Die 44 Eisenwerke, davon 8 königliche,liefern 223,000 Centner Eisengußwaareu und Roheisen; die 149 Stabhäm-mcr, davon 15 königliche, 107,200 Centner Stabeisen, und 46 Zain-hämmcr, darunter 7 königliche, 4000 Centner Zainciscn; 19 gewerkschaft-liche Drathhüttcn endlich liefern 4000 Centner Stangen-, Ring-, und Fein-drath, und 4 dergleichen Stahlhütten über 4300 Centner Stahl; dießgiebt im Ganzen 342,500 Centner Eisen aller Art, oder 4000 CentnerEisen mehr als in der angeführten Tabelle, nach anderweitigen Nachrich-ten aufgeführt worden ist. Von den übrigen Metallen wird in der Pfalzauf Kupfer und Quecksilber gebaut; in Beziehung auf das zuletzt genannteMetall zeichnet sich Baiern besonders aus, die bedeutendsten Quecksilber-gruben sind bei Obermoschel, Stahlbcrg und Wolfstein. Vvn großerWichtigkeit ist für Baiern die Fabrikation des Kochsalzes, als Stein- undQucllsalz, in den Werken vvn BerchteSgaden, Rcichcuhall, Lraunstcin,