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4 (1839) Erster Theil, enthaltend die Staaten des Deutschen Bundes, so wie die Gesammtländer der Preussischen und der Österreichischen Monarchie / von Dr. Heinrich Berghaus
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Österreichische Monarch«.

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Die lom bardischen Städte.

Mailand, italiänisch: Milano, die Hauptstadt des Lombardisch-Venetianischen Königreichs, nach Wien die größte und volkreichste Stadtder Österreichischen Monarchie, die erste der königlichen Städte der Lom-bardie, auf der großen Ebene Nord-Italiens gelegen in Lat. 45° 28'1V" N., Lvng. 6° 51' 15" O. Paris, 123'/- Meilen von Wien. Mai-land ist eine der prächtigsten, der wohlhabendsten Städte Eüropa's, diean ihren regelmäßigen Straßen, auf ihren vortrefflich gepflasterten öffent-lichen Plätzen einen außerordentlichen Reichthum an Prachtgebaüdcn undKunstwerken darbietet. Der Raum gebricht, sie alle nur aufzuzählen:Vor allen ragt der herrliche Dom hervor, sodann unter den 80 Kirchen,die Mailand zählt,, ferner: S. Ambrogio, S. Lorenzo , S. Maria dellcGrazie, S. Maria della Passiona, S. Stefano maggivre, S. Fidelo, Ma-donna presto S. Celso, S. Sebastiane, S. Manrizio, S. Alessaudrv u. v. a.Unter den Gebäuden zu weltlichen Zwecken sind zu nennen: der Palazzodella Sorte, der crzbischöfliche Palast, der Guberniums-Palast, der Justiz-Palast, das Münzgebaüde, Montc di Nato, das Leihhaus, der Palazzodella Contabilita, der Palazzo Belgivjoso, sodann die Paläste, oder Case,der alten und reichen mailändischen Familien, deren es über fünfundzwanziggiebt. Mailand ist die Residenz des Vicekönigs des Lombardisch-NcnetianischcnKönigreichs, und Sitz des Landesgubcrniums, des Appcllations- und Kri-minal-Obergcrichts der Lombardie, überhaupt aller Centralbehörden desKönigreichs, so wie eines Erzbischofs. Mit Anstalten für den Unterricht,für gelehrte und artistische Bildung, für die Erweiterung der Wissen-schaften und die Entwicklung des Kunstgeschmacks ist Mailand, dieseruralte Sitz der Gelehrsamkeit und der schonen Künste, auch heütiges Ta-ges reichlich begabt. Es sind hier zwei Lyceen, von denen eins die Stelleeiner polytechnischen Schule vertritt, 6 Gymnasien, eine Nvrmalhaupt-schute, eine Mädchcnhanptschnle und viele Trivialjchulen, eine Hebammen-,eine Thierarzueisebule und ein Taubstummen-Jnstitut; die Brera, oder diek. Akademie der Wissenschaften und Künste, mit botan. Garten, Stern-warte, großer Bibliothek und Kunstsammlungen; die Ambrosianische Biblio-thek, und zahlreiche Privatsammlungen für Wissenschaft und Kunst. Auchfür Anstalten zu wohlthätigen und milden Zwecken hat diese reiche Sradtseit Jahrhunderten eifrig gesorgt; wir erwähnen nur das große Hospital,das den berühmtesten Instituten dieser Arl zugezählt wird. Mailand hatinnerhalb seiner Ringmauer 145,500 ansässige Jnw.; und wenn man dieselbstständige Gemeinde Corpi Santi hinzurechnet, die gewissermaßen alsVorstadt, als ei» Compler von Vorstädten (Borghi) betrachtet werdenkann, so hat die Hauptstadt des Lombardisch-Vcnetianischcn Königreichs171,268 Inwohner, die sich auf 185,000 steigert, wenn Fremde und Mi-tairpersonen in Rechnung kommen. Bei der Wohlhabenheit, die durchden Aufenthalt der reichsten Gutsbesitzer der Lombardie in Mailand ver-breitet wird, regt sich der Gewerbfleiß außerordentlich. Es bestehen hierwichtige Fabriken in Seide, Sammt und Bändern aus gleichem Stoff, inGold- und Silberwaaren, in Glas, in Spitzen, Baumwollenzeügcn. Mai-land bringt feines Leder, Filzhüte, künstliche Blumen, Kutschen, physika-

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